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Das Aussetzen von Tieren ist verboten!

Hamburg. In verschiedenen Bundesländern haben die Ferien bereits begonnen, in anderen beginnen sie später, in Hamburg geht es am 27. Juni in die Sommerferien. Für viele Haustiere beginnt damit leider nicht die schönste Zeit des Jahres, denn jährlich werden in diesem Zeitraum vermehrt Tiere ausgesetzt oder im Tierheim abgegeben. Die mutmaßlich ersten Urlaubsopfer wurden bereits vom Hamburger Tierschutzverein (HTV) aufgenommen.

In Osdorf wurde der fünfjährige Mischlingsrüde „Immo“ am 13. Juni an eine Parkbank gebunden vorgefunden. Mindestens vier Stunden musste er so in der Sonne ausharren (Foto: Hamburger Tierschutzverein)Angesichts eines nahenden Urlaubs entledigen sich leider regelmäßig Menschen ihrer tierlichen Familienmitglieder auf unverantwortliche Weise: So wurden allein vom 1. bis 19. Juni dieses Jahres 74 offensichtliche Tierwaisen im Hamburger Stadtgebiet gefunden und direkt ins Tierheim des HTV gebracht oder in Notlagen vom vereinseigenen Rettungsdienst abgeholt – die Dunkelziffer liegt wesentlich höher. Im Vorjahr lag die Zahl im entsprechenden Zeitraum sogar bei 97 Opfern. Weitere 53 Tiere wurden von ihren Haltern direkt im Tierheim des HTV in der Süderstraße abgegeben – und erfuhren somit noch einen letzten Akt der Verantwortung. Im Vergleichszeitraum 2018 waren es 60 Tiere. Für sechs Katzen, zwei Kaninchen und eine Farbratte kam in diesem Jahr dagegen leider jede Hilfe zu spät: Sie verstarben noch auf dem Weg zur tierärztlichen Versorgung oder mussten von ihren Leiden erlöst werden.

Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass gerade die Zahl ausgesetzter Tiere noch stark ansteigen und traurige Spitzenwerte von mehr als 50 Fälle pro Woche erreichen wird. Der HTV macht sich auf das Schlimmste gefasst.

Die Opfer der Aussetzungen

  • In Osdorf wurde „Immo“ am 13. Juni an eine Parkbank gebunden vorgefunden. Mindestens vier Stunden musste er so in der Sonne ausharren. Der etwa fünfjährige Mischlingsrüde war bei der Eingangsuntersuchung im Tierheim sehr panisch. Mittlerweile ist er entspannter.
  • Nachts vor der Tierheimtür in einem Weidenkorb am 15. Juni wurde „Milla“ ausgesetzt. Die dreijährige Europäisch Kurzhaar ist soweit körperlich unversehrt, aber fasst noch nicht so recht Vertrauen neuen Menschen gegenüber.
  • Nicht schlecht staunte eine Spaziergängerin, als sie am 14. Juni am Bille-Ufer einen Karton mit fünf Kaninchenkindern entdeckte. Die zwei Mädchen und drei Jungs namens „Holly“, „Hickory“, „Hazel“, „Fiver“ und „Bigwig“ (in Anlehnung an Watership Down) waren offenbar ein ungeplanter Nachwuchs und störten bei der Urlaubsplanung.
  • Auch Exoten gehören zu den von Menschen entsorgten Lebewesen. Diese Formulierung passt bei der Bartagame „Oskar“ leider besonders gut, wurde er doch in Alsterdorf bei Mülltonnen in einer Stofftasche von Aldi am 17. Juni abgestellt. Die alarmierte Polizei nahm die neugierige Echse vorübergehend in Obhut, bis ein Tierrettungsfahrer des HTV sie abholte.
  • Zu den geschützten Arten gehört der Mönchssittich. Ein Pärchen dieser Papageienart wurde in einem hochgradig verschmutzten Käfig an der Glinder Au am 14. Juni gefunden. Zum Glück geht es „Dingo“ und „Gayo“ (Namensschilder hingen am Gitter) besser, als es der Käfig vermuten lässt. Vermutlich aufgrund der schlechten Haltung fing aber Gayo an, Dingo Federn aus dem Nackenbereich zu rupfen.
  • Ein ungewöhnliches Opfer der momentanen Aussetzungen ist die grunzende „Larissa“. Das junge Hängebauchschwein-Mädchen wurde bei der Rückkehr vom Einkaufen in einem Tonndorfer Garten am 11. Juni angebunden vorgefunden. Es hatte ein Brustgeschirr um und eine Leine daran. Niemand kann bisher sagen, wie es dorthin gekommen ist. Einer der HTV-Tierrettungsfahrer nahm sich „Larissa“ an und brachte sie ins vereinseigene Tierheim.

Wer Angaben zu diesen oder weiteren Tieraussetzungen machen kann, wendet sich bitte telefonisch an unsere Tierschutzberaterin Sina Hanke: 040 211106-24. Die Gespräche werden selbstverständlich vertraulich gehandhabt.

„Wer ein Tier aufnimmt, übernimmt auch die Verantwortung für sein Wohlergehen“, so die 1. Vorsitzende Sandra Gulla. „Es gibt überhaupt keinen Grund ein Tier auszusetzen. Den Mut, das Tier bei uns im Tierheim abzugeben, muss man zumindest aufbringen.“ Gemäß § 3 Abs. 3 Tierschutzgesetz (TierSchG) ist es verboten, ein im Haus, Betrieb oder sonst in Obhut des Menschen gehaltenes Tier auszusetzen oder es zurückzulassen, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen. Unerheblich ist, ob durch das Aussetzen eine konkrete oder abstrakte Gefahrenlage für das Tier entsteht. So erfüllt grundsätzlich auch das Anbinden am Tierheimtor den Tatbestand des Aussetzens. Das Aussetzen ist eine Ordnungswidrigkeit und kann gemäß § 18 Abs.1 Nr.4 TierSchG mit einer Geldbuße bis zu 25.000 Euro bestraft werden. Im Einzelfall, wenn etwa das Tier durch die Aussetzung zu Tode kommt, handelt es sich um eine Straftat gem. § 17 TierSchG. Diese kann mit einer Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren oder einer Geldstrafe geahndet werden.

Der Hamburger Tierschutzverein von 1841 appelliert an Menschen, die ihr Tier nicht mehr halten können, diesen Mitbewohner im Tierheim abzugeben. Eine persönliche Abgabe ist nicht nur eine Frage des Anstands und Respekts, sondern erleichtert auch die Vermittlung, indem unsere Tierpflegerinnen und Tierpfleger möglichst viel über Verhalten und Neigungen des Tieres erfahren können. Außerdem muss bei einem abgegebenen Tier keine Fundfrist abgewartet werden und die Mitarbeiter des Hamburger Tierschutzvereins können sofort mit der Suche nach einem fürsorglichen Zuhause beginnen.

Für diejenigen, die sich ihrer Verpflichtung gegenüber ihrem Haustier bewusst sind, aber nicht mit ihm verreisen können, hat der Hamburger Tierschutzverein hier einige Tipps zu Auswahl von geeigneten Tierpensionen aufgeführt.

Hamburger Tierschutzverein von 1841 e. V.

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