Wenn das Alter Spuren im Gehirn hinterlässt

Demenz beim HundBerlin. Dank der guten tier­ärzt­li­chen Versorgung wer­den Hunde heu­te immer älter. Mit zuneh­men­dem Alter steigt jedoch auch das Risiko für alters­be­ding­te Erkrankungen. Dazu gehört die Canine Cognitive Dysfunction (CCD), die auch als Demenz des Hundes bezeich­net wird. Sie weist vie­le Gemeinsamkeiten mit der Alzheimer-Erkrankung des Menschen auf. Nach aktu­el­len Studien ist etwa jeder drit­te Hund mit 12 Jahren und sogar jeder zwei­te Hund mit 15 Jahren betroffen.

Bei einer Demenz kommt es zu Veränderungen im Gehirn, die Gedächtnis, Orientierung und Verhalten beein­träch­ti­gen kön­nen. Die Erkrankung ent­wi­ckelt sich meist schlei­chend und wird des­halb beson­ders in den frü­hen Stadien häu­fig mit nor­ma­len Alterserscheinungen verwechselt.

Woran erken­nen Hundehalter eine Demenz?
Demenz beim Hund äußert sich häu­fig durch Veränderungen im Verhalten. Zu den häu­figs­ten Anzeichen gehören:

  • Orientierungslosigkeit: Der Hund wirkt in ver­trau­ter Umgebung ver­wirrt, bleibt in Ecken ste­hen oder fin­det bekann­te Wege nicht mehr.
  • Verändertes Sozialverhalten: Manche Hunde zie­hen sich zurück und suchen weni­ger Kontakt, ande­re wer­den plötz­lich anhäng­li­cher als früher.
  • Veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus: Betroffene Hunde schla­fen tags­über mehr und sind nachts unru­hig oder lau­fen umher.
  • Verlust der Stubenreinheit: Ein zuvor stu­ben­rei­ner Hund setzt plötz­lich wie­der Urin oder Kot in der Wohnung ab, ohne dass eine ande­re Erkrankung die Ursache ist.
  • Veränderte Aktivität: Manche Hunde bewe­gen sich deut­lich weni­ger, ande­re lau­fen schein­bar ziel­los umher.
  • Mehr Angst oder Unruhe: Viele Tiere reagie­ren emp­find­li­cher auf Geräusche oder wir­ken ins­ge­samt ner­vö­ser und unsicherer.

Die Erkrankung ent­wi­ckelt sich schrittweise
Demenz beim Hund ver­läuft meist lang­sam über Monate oder Jahre. Es wer­den drei Stadien der Erkrankung beschrieben:

  • Frühes Stadium: Erste, oft nur leich­te Veränderungen wie gele­gent­li­che Orientierungslosigkeit oder Schlafstörungen.
  • Mittleres Stadium: Die Symptome wer­den deut­li­cher. Veränderungen im Verhalten und im Alltag fal­len den Besitzern zuneh­mend auf.
  • Fortgeschrittenes Stadium: Die Hunde sind stark des­ori­en­tiert und im Alltag erheb­lich ein­ge­schränkt. Dadurch nimmt auch ihre Lebensqualität deut­lich ab.

Wie wird Demenz beim Hund festgestellt?
Es gibt kei­nen ein­zel­nen Test, mit dem sich eine Demenz sicher nach­wei­sen lässt. Deshalb wird zunächst aus­führ­lich über die beob­ach­te­ten Veränderungen gespro­chen und der Hund kli­nisch und neu­ro­lo­gisch untersucht.

Demenz beim HundWichtig ist es außer­dem, ande­re Erkrankungen aus­zu­schlie­ßen, die ähn­li­che Symptome ver­ur­sa­chen kön­nen. Dazu gehö­ren bei­spiels­wei­se Seh- oder Hörprobleme, Schmerzen durch Arthrose oder Zahnerkrankungen, Stoffwechselerkrankungen oder ande­re neu­ro­lo­gi­sche Erkrankungen. Gerade älte­re Hunde lei­den häu­fig an meh­re­ren Erkrankungen gleich­zei­tig. Deshalb ist eine sorg­fäl­ti­ge Untersuchung wich­tig, um die­se Erkrankungen zu erken­nen und gege­be­nen­falls zu behandeln.

Falls erfor­der­lich, kön­nen wei­te­re Untersuchungen wie eine Magnetresonanztomografie (MRT) oder eine Untersuchung des Hirnwassers (Liquor) sinn­voll sein.

Therapie und Management
Eine Heilung der Caninen Cognitiven Dysfunktion (CCD) ist der­zeit nicht mög­lich. Ziel der Behandlung ist es, das Fortschreiten der Erkrankung zu ver­lang­sa­men und die Lebensqualität betrof­fe­ner Hunde mög­lichst lan­ge zu erhalten.

Das Management der Erkrankung erfolgt mul­ti­mo­dal. Das bedeu­tet, dass ver­schie­de­ne Behandlungsansätze mit­ein­an­der kom­bi­niert wer­den. Dazu gehö­ren – je nach indi­vi­du­el­lem Bedarf des Hundes – medi­ka­men­tö­se Therapien, eine ange­pass­te Ernährung sowie Maßnahmen im Alltag. Hierzu zäh­len unter ande­rem eine mög­lichst stress­freie Umgebung, fes­te Tagesabläufe, ein regel­mä­ßi­ger Schlaf-Wach-Rhythmus sowie eine alters­ge­rech­te geis­ti­ge Beschäftigung. Diese Maßnahmen füh­ren bei recht­zei­ti­ger Diagnostik erwie­se­ner­ma­ßen zu einem deut­lich spä­te­ren Einsetzen der schwe­ren Verlaufsformen.

Medikamentöse Therapie
Demenz beim HundJe nach indi­vi­du­el­lem Fall kön­nen Medikamente ein­ge­setzt wer­den, die die Gehirnfunktion unter­stüt­zen. Einige Wirkstoffe ver­bes­sern die Signalübertragung zwi­schen den Nervenzellen, bei ent­spre­chen­der Symptomatik kön­nen angst­lö­sen­de Medikamente ein­ge­setzt wer­den, ande­re för­dern die Durchblutung des Gehirns. Dadurch kön­nen sich Aufmerksamkeit, Orientierung und Aktivität bei eini­gen Hunden ver­bes­sern. Welche Behandlung sinn­voll ist, ent­schei­det die Tierärztin oder der Tierarzt.

Ernährung
Auch die Ernährung kann einen wich­ti­gen Beitrag leis­ten. Spezielle Diäten ent­hal­ten bei­spiels­wei­se Antioxidantien, Omega-3-Fettsäuren oder mit­tel­ket­ti­ge Fettsäuren (MCT), die die Gehirnfunktion unter­stüt­zen kön­nen. Auch spe­zi­el­le Präparate zur Stressreduktion kön­nen zu einer bes­se­ren Lebensqualität beitragen.

Maßnahmen im Alltag
Neben Medikamenten und Ernährung spielt die Gestaltung des Alltags eine wich­ti­ge Rolle. Eine ruhi­ge, stress­ar­me Umgebung, fes­te Routinen sowie regel­mä­ßi­ge geis­ti­ge Beschäftigung hel­fen vie­len Hunden, sich im Alltag bes­ser zurecht­zu­fin­den. Veränderungen im gewohn­ten Umfeld soll­ten mög­lichst ver­mie­den wer­den, da sie betrof­fe­ne Hunde zusätz­lich ver­un­si­chern können.

Forschung geht weiter
Die Forschung zur Demenz beim Hund ent­wi­ckelt sich kon­ti­nu­ier­lich wei­ter. Ziel ist es, die Erkrankung künf­tig noch bes­ser zu ver­ste­hen, frü­her zu erken­nen und neue Behandlungsmöglichkeiten zu ent­wi­ckeln. Dabei wird unter ande­rem unter­sucht, ob soge­nann­te Biomarker – mess­ba­re Veränderungen bei­spiels­wei­se im Blut oder Hirnwasser – künf­tig dabei hel­fen kön­nen, die Erkrankung frü­her und zuver­läs­si­ger zu dia­gnos­ti­zie­ren. Diese Verfahren befin­den sich der­zeit jedoch noch in der wis­sen­schaft­li­chen Erforschung und gehö­ren noch nicht zur Routine in der tier­ärzt­li­chen Praxis.

Demenz beim Hund ist eine häu­fig unter­schätz­te Erkrankung älte­rer Tiere. Da sich die Symptome meist schlei­chend ent­wi­ckeln, wer­den sie häu­fig zunächst als nor­ma­le Alterserscheinungen ange­se­hen. Wer Veränderungen im Verhalten sei­nes Hundes früh­zei­tig bemerkt und tier­ärzt­lich abklä­ren lässt, kann dazu bei­tra­gen, dass die Erkrankung mög­lichst früh erkannt und behan­delt wird. So lässt sich die Lebensqualität des Hundes häu­fig über einen län­ge­ren Zeitraum erhalten.

Bundesverband für Tiergesundheit (BfT)

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