Der Hund im Wolfspelz

Zuletzt aktualisiert am 22. April 2019 von Stefan Richter

Das Markieren und Stoffwechselverhalten
Das Markieren ist auch eine Sache, die im Zuge der Evolution einer Wandlung unterlag. Ein männlicher Wolf uriniert durchaus auch ohne ein Bein zu heben, nämlich dann, wenn er schlicht und ergreifend einmal muss. Es macht also beim Wolf einen Unterschied ob er seine Blase entleeren muss oder ob er sein Revier markiert. Er hebt es eben tatsächlich nur, wenn er sein Revier markiert. Abgesehen davon ist das Markieren dem Rudelführer und der Alphawölfin vorbehalten, der Rest des Rudels setzt nur Urin ab.

Unsere Hunde aber markieren heute pinkelnder Weise wo sie gehen und stehen. Es wird kreuz und quer durch die Gegend markiert. Unsere Hündinnen markieren eigentlich, im Gegensatz zur Alphawölfin, nicht, oder nur sehr einzelne Exemplare (wie z.B. meine Hündin).

Auch die Kotabgabe ist ein Thema, das den Hund vom Wolf deutlich unterscheidet. Ein Wolf setzt den Kot im ganzen Revier ab, dabei wird zwar darauf geachtet, dass man nicht direkt neben einem „Häufchen“ schlafen muss, aber mehr auch nicht. Erik Ziemen hat über zwei Jahre hinweg Wölfe und Hunde vergleichend beobachtet und zu diesem Thema festgestellt, dass der Zwinger der Wölfe regelmäßig kreuz und quer mit Kot beschmutzt war. In dem Pudelzwinger hingegen lag nur in einer Ecke des Zwingers Kot.

Die Pudel hatten sich also ein „Klo“ eingerichtet.

Warum das?
Nun, der Wolf hat in der Regel ein riesiges Gebiet in dem er tagelang unterwegs ist. Wer macht sich da Gedanken über die Toilette?!

Ein Hund lebt dagegen auf sehr beengtem Raum, da gilt es einfach möglichst wenig mit Kot zu „streuen“, sonst hüpft man beim nächsten gemeinsamen Spiel womöglich noch hinein. Man kann hier gut sehen, wie sich Lebensbedingungen im Verhalten auswirken und fixieren, auch wenn sich die Bedingungen geändert haben (Wolf auf engem Gebiet gehalten). Das ist auch allgemein der Grund, warum Wildtiere keinen „Hang“ zur Reinlichkeit im Haus haben.Die Regel zum Markieren wird, wenn überhaupt, nur noch von ganz ursprünglichen, primitiven und selbständigen Rassen eingehalten. Unsere Hunde sind da, wie gesagt, nicht sehr „geizig“.

Das Jagdverhalten
Wer kennt es nicht, das leidige Thema – unerwünschtes Jagdverhalten des Hundes?!

Es ist deshalb so schwer in den Griff zu bekommen, weil das Jagen ein uralter Trieb des Raubtieres Hund ist. Es ist so, dass der Hund nicht nur motorisch reagiert, wenn er ein „Opfer“ sieht oder riecht, sondern er gerät auch biochemisch in einen Ausnahmezustand, in dem sich u.a. sein Adrenalinspiegel erheblich hebt. Er hat in solch einer (für ihn völlig erfüllenden) Situation kein bisschen Konzentration mehr übrig, um den „wild schreienden“ Besitzer zu hören. Wir fragen uns vielleicht jetzt warum der Hund das immer noch tut, wo er doch eigentlich von uns versorgt wird. Erstens haben wir Menschen gerade das Jagdverhalten des Hundes erhalten, wenn auch verändert. Und zweitens ist es ein unheimlicher Adrenalinschub, den unsere Hunde in solchen Situationen erleben. Wir Menschen machen auch Dinge die komisch anmuten mögen, nur um unseren Adrenalinhaushalt ein bisschen auf Vordermann zu bringen. Haben sie sich schon einmal ernsthaft gefragt, was in Menschen vor sich geht, wenn sie sich entschlossen haben, an einem Gummiseil befestigt, von einer Brücke zu springen, die 100 Meter unter ihnen in einem Flussbett endet? Tja, schwer zu erklären. Es ist nicht einmal mit dem natürlichen Bedürfnis satt werden zu wollen zu erklären. Nein, wir setzten sogar ganz bewusst unser Leben aufs Spiel.Zurück zum Thema. Das Jagdverhalten beim Wolf und Hund ist in verschiedene Teile zu zerlegen, die man auch so bei unseren Hunden im Solitär- oder Sozialspiel beobachten kann. In der richtigen Reihenfolge würde es folgendermaßen aussehen:

  • orientieren (d.h. die Beute sehen oder riechen)
  • hetzen
  • stellen
  • packen
  • töten
  • fressen