Stuttgart. Viele Hunde und Katzen haben einen aus­ge­präg­ten Jagd- und Spieltrieb und ver­su­chen, alles zu fan­gen, was sich bewegt. Gerade im Frühling kann das gefähr­lich wer­den: Mit stei­gen­den Temperaturen sind wie­der ver­mehrt Insekten in Parks und Gärten unter­wegs – und eini­ge von ihnen kön­nen für Vierbeiner gesund­heits­schäd­lich sein. Schnappen Hunde oder Katzen nach Spinnen, Wespen oder Ameisen, kön­nen Giftstoffe über die Schleimhäute auf­ge­nom­men wer­den. Auch Augen und Nase sind emp­find­lich. Dann ist schnel­les Handeln gefragt – ins­be­son­de­re, wenn Vierbeiner zu all­er­gi­schen Reaktionen nei­gen. Jana Hoger, PETA-Fachreferentin für tie­ri­sche Mitbewohner und Tierpsychologin, erklärt, wie Tierhaltende Kontakt mit Insekten erken­nen und im Ernstfall rich­tig reagieren.

„Viele Notfälle las­sen sich ver­mei­den, wenn Menschen wis­sen, wel­che Insekten gefähr­lich wer­den kön­nen“, so Jana Hoger. „Wir appel­lie­ren an alle Menschen mit Tieren, ihre Hunde und Katzen beson­ders im Frühjahr und Sommer gut zu beob­ach­ten und bei star­ken Symptomen schnell tier­ärzt­li­che Hilfe in Anspruch zu nehmen.“

Eichenprozessionsspinner: Die fei­nen Brennhaare der Raupen des Eichenprozessionsspinners kön­nen bei Hunden und Katzen star­ke Reizungen aus­lö­sen. Schon der Kontakt mit den Haaren – auch wenn die Tiere die Raupe nicht direkt berüh­ren – kann zu Schwellungen im Mundbereich, Juckreiz, Entzündungen an Augen und Nase, Atemproblemen, star­kem, oft blu­ti­gem Erbrechen, sowie zu einem all­er­gi­schen Schock mit Fieber und Abgeschlagenheit führen.

Sofortmaßnahme: Nach Kontakt mit Raupenhaaren nie­mals die Augen berüh­ren. Hunde mit aus­rei­chend Wasser vor­sich­tig abdu­schen, um lose Brennhaare zu ent­fer­nen; bei Katzen sanft mit einem feuch­ten Tuch über das Fell strei­chen. Mundbereich, Nase und Augen mit lau­war­mem Wasser spü­len und den Tieren dabei nicht fron­tal in die Nase sprit­zen. Bei Symptomen wie Schwellungen im Gesicht, Juckreiz, Erbrechen, Durchfall oder Atemnot umge­hend tier­ärzt­li­ches Fachpersonal aufsuchen.

Bienen, Wespen und Hornissen: Stiche die­ser Insekten sind schmerz­haft und kön­nen gefähr­lich wer­den, wenn Hunde oder Katzen nach ihnen schnap­pen und im Mund- oder Rachenraum gesto­chen wer­den. Dort kann eine Schwellung die Atmung schnell und lebens­be­droh­lich beein­träch­ti­gen. Auch star­ke all­er­gi­sche Reaktionen sind möglich.

Insekten können für Hunde gefährlich werdenSofortmaßnahme: Überprüfen, ob das Tier das Insekt noch im Mundbereich hat, und es gege­be­nen­falls schnell ent­fer­nen. Kühlen hilft, aber bei auf­kom­men­der Atemnot oder star­kem Anschwellen muss sofort eine tier­ärzt­li­che Praxis auf­ge­sucht wer­den – Achtung, Lebensgefahr, hier zählt jede Minute! Treten Hunde oder Katzen ver­se­hent­lich auf ein Insekt, kön­nen ihre Pfoten mit Eispacks oder unter Wasser gekühlt wer­den. Dies lin­dert die Schwellung und den Juckreiz. Falls der Stachel noch in der Haut steckt, muss er umge­hend ent­fernt wer­den, am bes­ten mit vor­sich­ti­gen, her­aus­strei­chen­den Bewegungen – nicht quet­schen! Wird die Schwellung nicht bes­ser, soll­te das Tier tier­ärzt­li­chem Fachpersonal vor­ge­stellt werden.

Grashüpfer und Heuschrecken: Sind zwar ungif­tig, ihre Beine haben aber Widerhaken, die im Mundbereich Verletzungen ver­ur­sa­chen kön­nen. Werden die Tiere ver­schluckt, kön­nen ein­zel­ne Körperteile in der Speiseröhre ste­cken blei­ben. Typische Anzeichen sind Würgen, Erbrechen oder Appetitlosigkeit.

Sofortmaßnahme: Aufsuchen einer tier­ärzt­li­chen Praxis, wenn die Symptome anhalten.

Nosferatu-Spinne: Der Biss der Nosferatu-Spinne wirkt ähn­lich wie ein Wespenstich. Er kann zu loka­len Schwellungen, Schmerzen und Rötungen führen.

Sofortmaßnahme: In den meis­ten Fällen reicht Kühlen aus. Wenn Hunde oder Katzen jedoch stark reagie­ren oder all­er­gisch sind, soll­te umge­hend eine tier­ärzt­li­che Praxis auf­ge­sucht werden.

Asiatischer Marienkäfer: Der ursprüng­lich aus Ostasien stam­men­de Käfer hat sich in den ver­gan­ge­nen Jahren auch in Deutschland aus­ge­brei­tet und kann ein gelb­li­ches Abwehrsekret abson­dern, das für Hunde und Katzen gif­tig sein kann. Wird er auf­ge­nom­men, kann es zu Erbrechen, Durchfall oder Reizungen der Schleimhäute kommen.

Sofortmaßnahme: Den Mundbereich spü­len und das Tier beob­ach­ten. Bei anhal­ten­den Symptomen ist tier­ärzt­li­che Hilfe notwendig.

Rote Ameisen: Rote Ameisen geben ein rei­zen­des Sekret ab, des­halb sind ihre Bisse für Hunde und Katzen sehr schmerz­haft. Es kommt häu­fig zu Schwellungen, Rötungen oder klei­nen Pusteln.

Sofortmaßnahme: Kühlen lin­dert den Schmerz. Bei star­ken Reaktionen oder bekann­ten Allergien kann ein von der tier­ärzt­li­chen Praxis emp­foh­le­nes Antihistaminikum not­wen­dig sein.

Stinkwanzen und Ölkäfer: Diese Tiere sind nicht gif­tig, son­dern set­zen ledig­lich ein übel rie­chen­des Abwehrsekret frei. Wenn Hunde oder Katzen sie auf­neh­men, kann das zu Speichelfluss, Übelkeit oder leich­tem Durchfall führen.

Sofortmaßnahme: In der Regel klin­gen die Beschwerden schnell ab. Eine Spülung des Mundbereichs kann helfen.

Vorbeugemaßnahmen

  • Tiere im Garten oder auf Wiesen im Blick behal­ten. Wenn Hunde oder Katzen plötz­lich Schmerzlaute von sich geben oder sich auf­fäl­lig ver­hal­ten, soll­ten Mundbereich und Pfoten kon­trol­liert werden.
  • Lebensmittel und süße Getränke im Sommer nicht offen­ste­hen lassen.
  • Wespen- oder Hornissennester nicht selbst ent­fer­nen – Fachleute beauftragen.
  • Bei Verdacht auf Eichenprozessionsspinner sofort Abstand hal­ten und eine ande­re Spazierroute wählen.
  • Bei bekann­ten Allergien Notfallmedikamente bereit­hal­ten. Hier emp­fiehlt sich eine ent­spre­chen­de Beratung durch die Tierarztpraxis des Vertrauens.

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