Obst und Gemüse, die die Gelenkgesundheit unterstützen
von Stefan Richter (hundenachrichten.de-Redaktion)

Boppard. Wenn der gelieb­te Vierbeiner mor­gens nur schwer aus dem Körbchen kommt oder nach dem Spaziergang hum­pelt, ist die Sorge groß.

Gelenkprobleme gehö­ren zu den häu­figs­ten Beschwerden bei Hunden – egal ob jung, alt, groß oder klein. Arthrose, Hüftdysplasie (HD), Ellbogendysplasie (ED) oder alters­be­ding­te Abnutzung kön­nen die Lebensqualität stark beein­träch­ti­gen. Neben tier­ärzt­li­cher Betreuung spielt die Ernährung eine ent­schei­den­de Rolle. Doch wäh­rend Schmerzmittel oft nur die Symptome bekämp­fen, setzt die moder­ne Tiermedizin ver­stärkt auf eine tra­gen­de Säule: die Ernährung. Was im Napf lan­det, ent­schei­det maß­geb­lich dar­über, wie geschmei­dig die Gelenke blei­ben. Eine abge­stimm­te Ernährung kann Entzündungen redu­zie­ren, den Knorpelstoffwechsel unter­stüt­zen und das Wohlbefinden ver­bes­sern. Doch was gehört in den Napf eines Hundes mit Gelenkproblemen – und wel­ches Obst und Gemüse hilft wirklich?

Weniger ist mehr auf der Waage
Bevor wir über Vitamine spre­chen, müs­sen wir über das Gewicht reden. Jedes Gramm zu viel belas­tet die ent­zün­de­ten Gelenke mecha­nisch. Eine kon­se­quen­te Gewichtskontrolle ist daher die effek­tivs­te „Medizin“. Ein Hund mit Gelenkproblemen soll­te eher am unte­ren Rand sei­nes Idealgewichts gehal­ten wer­den. Doch Diät allein reicht nicht – die Entzündungsprozesse im Körper müs­sen von innen her­aus gestoppt werden.

Obst und Gemüse für fit­te Gelenke
Gesunde HundeernährungHunde sind zwar Fleischfresser, pro­fi­tie­ren aber enorm von sekun­dä­ren Pflanzenstoffen. Obst und Gemüse lie­fern Antioxidantien, die soge­nann­te „freie Radikale“ ein­fan­gen – jene aggres­si­ven Sauerstoffverbindungen, die den Gelenkknorpel angrei­fen. Hier sind die guten pflanz­li­chen Unterstützer für die Gelenkgesundheit:

  • Hagebutte: Die Vitamin-C-Bombe
    Sie gilt als das Superfood schlecht­hin bei Arthrose. Das ent­hal­te­ne Galaktolipid kann Entzündungen hem­men und die Knorpelregeneration för­dern. Hagebuttenpulver ist eine idea­le Ergänzung. Man gibt 1 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht alle 2 bis 3 Tage.
  • Beeren (Blaubeeren, Brombeeren)
    Sie ste­cken vol­ler Anthocyane, die ent­zün­dungs­hem­mend wir­ken und freie Radikale neu­tra­li­sie­ren. Sie kön­nen hel­fen, Gelenkentzündungen zu lin­dern und das Immunsystem zu stär­ken. Einfach ein paar fri­sche oder gefro­re­ne Beeren (auf­ge­taut) als Snack oder unter das Futter mischen.
  • Brokkoli und Blumenkohl: reich an Vitamin C und Sulforaphan
    Diese Kreuzblütler lie­fern Vitamin C, das für die Kollagenbildung wich­tig ist, sowie Sulforaphan, das ent­zün­dungs­hem­men­de Eigenschaften besitzt. Studien deu­ten dar­auf hin, dass Sulforaphan Enzyme blo­ckie­ren kann, die für die Zerstörung des Knorpelgewebes ver­ant­wort­lich sind. Am bes­ten leicht gedüns­tet und fein püriert ins Futter geben, damit der Hund es gut ver­wer­ten kann.
  • Sellerie: hilft beim Stoffwechselabbau
    Er wirkt ent­wäs­sernd und hilft dabei, Stoffwechselabbauprodukte aus den Gelenken abzu­trans­por­tie­ren. Zudem lie­fert er wert­vol­le Mineralstoffe. Fütterungstipp: 1 bis 2 klei­ne Stücke (unge­fähr 10 bis 100 g) roh oder gekocht pro Tag geben. Kleine Hunde soll­ten höchs­tens zwei klei­ne Stücke, mit­tel­gro­ße Vierbeiner bis zu 50 Gramm und gro­ße Hunde maxi­mal 100 Gramm Sellerie täg­lich essen.
  • Äpfel: Vitamin C und sekun­dä­re Pflanzenstoffe
    Äpfel unter­stüt­zen das Immunsystem und wir­ken anti­oxi­da­tiv. Sie ent­hal­ten Quercetin, ein natür­li­ches Flavonoid, das ent­zün­dungs­hem­men­de Eigenschaften besitzt. Apfelstücke sind ein guter Snack für zwi­schen­durch. Wichtig: Kerngehäuse und Kerne ent­fer­nen, da sie Blausäure enthalten!
  • Kürbis: bal­last­stoff­reich und gelenkfreundlich
    Kürbis ist leicht ver­dau­lich, kalo­rien­arm und ent­hält Beta-Carotin, das anti­oxi­da­tiv wirkt. Er hilft außer­dem beim Gewichtsmanagement. Am bes­ten Speisekürbisse wie Hokkaido oder Butternut roh, gekocht/gedünstet oder aus der Dose (ohne Zusätze) in Maßen ins Futter geben.
  • Spinat – Mineralstoffe für Muskeln und Gelenke
    Spinat lie­fert Magnesium, Kalium und Vitamin K, die für Muskeln, Knochen und Gelenke wich­tig sind. In klei­nen Mengen gedüns­tet oder püriert zum Futter geben.
  • Süßkartoffeln – ent­zün­dungs­hem­mend und nährstoffreich
    Süßkartoffeln ent­hal­ten Beta-Carotin, Vitamin E und Ballaststoffe. Sie wir­ken ent­zün­dungs­hem­mend und lie­fern lang anhal­ten­de Energie. Fütterungstipp: gekocht und zer­drückt. Süßkartoffeln nie­mals roh geben (Giftstoff Solanin)! Sie müs­sen geschält, gekocht und unge­würzt sein. In Maßen und nicht täg­lich mit dem Futter vermischen.
  • Gurke – ide­al bei Übergewicht
    Gurken bestehen zu über 95 Prozent aus Wasser und sind per­fekt für Hunde, die Gewicht ver­lie­ren sol­len. Roh in klei­nen Stücken und in Maßen füt­tern, um Verdauungsprobleme zu vermeiden.

Gesunde HundeernährungTipp: Hunde kön­nen die Zellulosewand von Pflanzenzellen nicht auf­spal­ten. Damit die Wirkstoffe auch dort ankom­men, wo sie gebraucht wer­den, soll­te Gemüse für den Hund immer fein püriert oder kurz gedüns­tet wer­den. Nur so wird die „grü­ne Apotheke“ bioverfügbar.

Was sonst noch in den Napf gehört
Neben Obst und Gemüse sind wei­te­re Nährstoffe unver­zicht­bar, um Entzündungsschübe zu mildern.

  • Omega‑3‑Fettsäuren (z. B. aus Lachsöl oder Algenöl),
  • Glucosamin und Chondroitin (Knorpelbausteine),
  • Grünlippmuschel (reich an Glykosaminoglykanen),
  • Teufelskralle (schmerz­lin­dernd und entzündungshemmend),
  • Kollagen (für Bindegewebe und Knorpel),
  • Vitamin E und C (anti­oxi­da­tiv).

Diese Stoffe die Gelenkfunktion unter­stüt­zen und Entzündungen redu­zie­ren. Ergänzungen soll­ten jedoch immer mit dem Tierarzt abge­stimmt werden.

Was bei der Fütterung vermeiden
Einige Lebensmittel, gera­de stark ver­ar­bei­te­te Futtermittel, kön­nen Entzündungen för­dern oder den Stoffwechsel belas­ten. Um Entzündungen zu redu­zie­ren und die Gelenke zu ent­las­ten, soll­ten Hundehalter bei fol­gen­den Lebensmitteln vor­sich­tig sein oder sie ganz streichen:

  • Getreide mit hohem Glutengehalt
    Weizen oder her­kömm­li­ches Getreide ste­hen im Verdacht, Entzündungsprozesse im Körper zu begüns­ti­gen. Bei Arthrose-Patienten emp­fiehlt sich oft eine getrei­de­freie Fütterung oder der Umstieg auf Pseudogetreide wie Hirse.
  • Zucker und ver­steck­te Süßstoffe
    Zucker ist ein mas­si­ver Entzündungsförderer und führt zudem schnell zu Übergewicht. Vorsicht bei bil­li­gen Leckerlis, die oft mit Karamell oder Sirup gesüßt sind.
  • Nachtschattengewächse (unreif/roh)
    Tomaten, Paprika und Kartoffeln ent­hal­ten Solanin. In grö­ße­ren Mengen oder in unrei­fem Zustand kann dies zu Entzündungen im Körper füh­ren. Kartoffeln daher immer nur sehr weich­ge­kocht und ohne grü­ne Stellen füttern.
  • Pflanzenöle mit viel Omega‑6
    Öle wie Sonnenblumenöl oder Distelöl ent­hal­ten hohe Mengen an Omega-6-Fettsäuren. Im Übermaß för­dern die­se die Bildung von ent­zünd­li­chen Botenstoffen. Stattdessen Omega-3-rei­che Öle (Lachsöl, Leinöl) verwenden.
  •  Stark ver­ar­bei­te­te Schlachtabfälle
    Billiges Fleischmehl oder min­der­wer­ti­ge tie­ri­sche Nebenerzeugnisse kön­nen den Stoffwechsel belas­ten. Eine hohe Proteinqualität ist wich­tig, um die Muskeln zu erhal­ten, die die Gelenke stützen.
  • Zu vie­le kalo­rien­rei­che „Extras“
    Käse, Wurstenden oder zu vie­le Kauartikel sind Kalorienbomben. Jedes Kilo zu viel ist der größ­te Feind der Gelenke.
  • Salz
    Eine zu sal­zi­ge Ernährung kann den Mineralstoffhaushalt stö­ren und Wassereinlagerungen begüns­ti­gen, was indi­rekt die Beweglichkeit beein­träch­ti­gen kann.

Hund läuft durch eine WieseEin Hund mit Gelenkproblemen ist kein hoff­nungs­lo­ser Fall. Mit einer geziel­ten, ent­zün­dungs­hem­men­den Ernährung aus fri­schen Zutaten lässt sich die Lebensqualität des Hundes stei­gern. Sie kann Gelenkproblemen zwar nicht voll­stän­dig vor­beu­gen oder hei­len, aber sie kann den Verlauf posi­tiv beein­flus­sen und Schmerzen lin­dern. Für den Hund ver­träg­li­che Obst- und Gemüsesorten lie­fern wert­vol­le Nährstoffe, die Entzündungen redu­zie­ren und den Knorpelstoffwechsel unter­stüt­zen. In Kombination mit tier­ärzt­li­cher Betreuung, mode­ra­ter Bewegung sowie einem gesun­den Körpergewicht kann man sei­nem Hund ein akti­ves, schmerz­är­me­res Leben ermöglichen.

Hinweis: Dieser Beitrag dient der Information und ersetzt kei­nen Besuch beim Tierarzt oder einem zer­ti­fi­zier­ten Ernährungsberater für Hunde.


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