Boppard. Es ist wie­der so weit: Die Tage wer­den län­ger oder kür­zer, und plötz­lich scheint das Sofa eine neue, pel­zi­ge Textur anzu­neh­men. Der Fellwechsel ist für Hunde und Halter glei­cher­ma­ßen eine Herausforderung. Doch das Bürsten ist weit mehr als nur ein Kampf gegen die Wollmäuse in der Wohnung. Es ist akti­ve Gesundheitsvorsorge und eine wert­vol­le Zeit der Bindung. Wer sei­nen Hund rich­tig bürs­tet und kämmt, tut weit mehr, als nur für ein glän­zen­des Fell zu sor­gen. Eine sorg­fäl­ti­ge Fellpflege beim Hund unter­stützt die Hautgesundheit, beugt Verfilzungen vor und stärkt ganz neben­bei die Bindung zwi­schen Mensch und Tier. Wer jedoch wahl­los drauf­los­bürs­tet, ris­kiert Hautirritationen oder schmerz­haf­tes Ziepen.

Fellpflege beim HundBevor man den Hund bürs­tet, soll­te man klä­ren, wel­che Fellstruktur er hat: glat­tes Kurzhaar, lan­ges Fell, rau­es Fell oder eine Kombination mit dich­ter Unterwolle. Ein kurz­haa­ri­ger Hund mit wenig Unterfell pro­fi­tiert meist von einer wei­chen Gummibürste oder einem Pflegehandschuh, der lose Haare und Staub löst und gleich­zei­tig die Haut mas­siert. Langhaarige Hunde benö­ti­gen dage­gen eine Kombination aus Bürste und Kamm, die bis zur Unterwolle vor­dringt, ohne die Haut zu ver­let­zen. Für Hunde mit Unterwolle sind spe­zi­el­le Unterfellbürsten sinn­voll, die lose Unterwolle ent­fer­nen, wäh­rend das Deckhaar geschont wird. Wer hier zu einer zu wei­chen Bürste greift, pflegt nur die Oberfläche – Knoten und lose Unterwolle blei­ben im Fell und kön­nen spä­ter Probleme bereiten.

Die Technik
Richtiges Bürsten fängt bei der Geduld an. Viele machen den Fehler, nur ober­fläch­lich über das Deckhaar zu strei­chen. Das eigent­li­che Problem – die lose Unterwolle – bleibt dabei oft unbe­rührt und verfilzt.

So ist die rich­ti­ge Technik beim Hundebürsten und ‑käm­men eben­so wich­tig wie das rich­ti­ge Werkzeug. Gebürstet wird grund­sätz­lich in Wuchsrichtung des Fells, mit ruhi­gen, gleich­mä­ßi­gen Bewegungen und ohne über­mä­ßi­gen Druck. Besonders emp­find­li­che Stellen wie Achseln, hin­ter den Ohren, an den Hosen und in der Leistenregion ver­die­nen Aufmerksamkeit, weil sich dort schnell Knoten bil­den. Bei län­ge­rem Fell hat es sich bewährt, abschnitt­wei­se zu arbei­ten: Man teilt das Fell mit der Hand oder dem Kamm in Schichten und bürs­tet von unten nach oben, bis man wirk­lich jede Lage erreicht hat. Verfilzungen soll­ten erst vor­sich­tig mit den Fingern gelo­ckert und dann behut­sam mit einem Kamm oder einer Entfilzungsbürste bear­bei­tet wer­den – gewalt­sa­mes Durchziehen schmerzt den Hund und kann das Haar abbrechen.

Bei beson­ders lang­haa­ri­gen Hunden emp­fiehlt sich die „Lagen-Methode“: Heben Sie das Fell mit einer Hand an und bürs­ten Sie die dar­un­ter­lie­gen­de Schicht frei, bis die Haut sicht­bar ist. Nur so errei­chen Sie die Unterwolle, wo sich Schmutz und lose Haare sammeln.

Die häu­figs­ten Fehler
Trotz aller guten Absichten wer­den bei der Fellpflege Hund und Halter oft mit typi­schen Fehlern kon­fron­tiert. Ein häu­fi­ger Fehler ist die Wahl der fal­schen Bürste: Harte Drahtbürsten auf emp­find­li­cher Kurzhaarhaut kön­nen Mikroverletzungen ver­ur­sa­chen, wäh­rend eine zu wei­che Bürste bei einem lang­haa­ri­gen Hund mit dich­ter Unterwolle kaum Wirkung zeigt. Ebenfalls pro­ble­ma­tisch ist zu sel­te­nes Bürsten, haupt­säch­lich im Fellwechsel. Bleibt lose Unterwolle im Fell, kann sie ver­fil­zen, die Luftzirkulation an der Haut behin­dern und Hitzestau, Juckreiz oder Hautentzündungen begüns­ti­gen. Ein wei­te­rer Fehler ist das Bürsten gegen den Strich, was für vie­le Hunde unan­ge­nehm bis schmerz­haft ist und die Haarfollikel stra­pa­zie­ren kann. Auch das Nassmachen von bereits ver­filz­tem Fell ist hei­kel: Nässe zieht Knoten eher enger zusam­men, sodass sie spä­ter nur noch schwer zu lösen sind.

Fellpflege beim Hund - HundeschermaschineZu den typi­schen Fellpflege-Fehlern gehört zudem der Griff zur Schermaschine bei Hunden mit dich­ter Unterwolle, wenn das Fell im Sommer als zu warm emp­fun­den wird. Wird die Unterwolle ein­fach abra­siert, kann das die natür­li­che Thermoregulation und den Schutz vor Sonne beein­träch­ti­gen. Sinnvoller ist es, regel­mä­ßig die lose Unterwolle aus­zu­bürs­ten, damit Luft an die Haut gelangt und der Hund sich bes­ser selbst „kli­ma­ti­sie­ren“ kann.

Selbst erfah­re­ne Hundehalter tap­pen oft in die­sel­ben Fallen:

  • Zu viel Druck: Die Haut von Hunden ist emp­find­li­cher als die des Menschen. Zu har­ter Druck mit Drahtbürsten kann zu „Bürstenfeuer“ (roten Streifen und Irritationen) führen.
  • Trockenes Bürsten bei Locken: Bei Rassen wie Pudeln oder Wasserhunden kann tro­cke­nes Bürsten zu Haarbruch füh­ren. Hier hilft ein spe­zi­el­les Pflegespray.
  • Vernachlässigte Zonen: Hinter den Ohren, in den Achseln und an den Innenseiten der Schenkel ent­ste­hen Verfilzungen am schnells­ten. Wer die­se Stellen aus­spart, ris­kiert schmerz­haf­te Knoten, die oft nur noch der Profi weg­sche­ren kann.

Das rich­ti­ge Werkzeug
Nicht jede Bürste passt zu jedem Hund. Die Wahl des Equipments ent­schei­det dar­über, ob die Pflege zur Wellness-Einheit oder zur Qual wird.

  • Zupfbürste (Slicker Brush): Der Alleskönner für fast alle Felltypen, um lose Haare und leich­te Verfilzungen zu entfernen.
  • Unterwollrechen: Unverzichtbar für Rassen mit dicker Unterwolle (z. B. Golden Retriever, Schäferhund). Er zieht die lose Wolle her­aus, ohne das Deckhaar zu kürzen.
  • Striegel aus Gummi: Perfekt für Kurzhaarhunde (z. B. Boxer, Beagle). Er mas­siert die Haut und ent­fernt lose Haare sanft.
  • Kamm mit rotie­ren­den Zinken: Ideal, um nach dem Bürsten zu prü­fen, ob wirk­lich alle Knoten gelöst sind.

Baden und Friseur -
Geheimwaffen im Fellwechsel?
Eine oft gestell­te Frage lau­tet: Sollte man den Hund wäh­rend des Fellwechsels baden? Die Antwort ist ein kla­res Ja – aber mit Bedacht. Ein war­mes Bad hilft dabei, die abge­stor­be­nen Haare in der Unterwolle zu lockern. Wichtig ist jedoch die Verwendung eines rück­fet­ten­den Hundeshampoos, um den natür­li­chen Schutzfilm der Haut nicht zu zer­stö­ren. Wer den Hund wäh­rend des Einseifens sanft mit einem Gummistriegel mas­siert, wird stau­nen, wie viel loses Fell bereits im Abfluss (bit­te Haarsieb nut­zen!) landet.

Wann ist der Profi gefragt?
Fellpflege beim Hund - HundefriseurDer Gang zum Hundefriseur (Groomer) ist beson­ders im Fellwechsel sinn­voll. Profis ver­fü­gen über leis­tungs­star­ke Föhne, soge­nann­te „Blower“. Diese pus­ten das lose Unterfell wort­wört­lich aus dem Hund her­aus, was zu Hause kaum mög­lich ist. Zudem wis­sen sie genau, wel­che Partien getrimmt, gezupft oder nur aus­ge­dünnt wer­den dürfen.

Neben Bürsten und Kämmen gibt es wei­te­re Tipps für eine gute Fellpflege beim Hund. Eine aus­ge­wo­ge­ne Ernährung mit hoch­wer­ti­gen Proteinen, essen­zi­el­len Fettsäuren, Vitaminen und Mineralstoffen ist die Basis für ein gesun­des, glän­zen­des Fell. Regelmäßige Kontrollen beim Tierarzt oder Tierheilpraktiker kön­nen hel­fen, Hautprobleme, Parasiten oder Allergien früh­zei­tig zu erken­nen. Beim Bürsten selbst lohnt es sich, die Gelegenheit zu nut­zen, um die Haut nach Rötungen, Schuppen, Zecken oder klei­nen Wunden abzu­su­chen. So wird Fellpflege zur Gesundheitsvorsorge, nicht nur zur Kosmetik.

Regelmäßiges Bürsten ist kein not­wen­di­ges Übel, son­dern ein Gesundheitscheck. Wer die rich­ti­ge Technik und das pas­sen­de Werkzeug wählt, erspart sei­nem Hund Juckreiz und Verfilzungen – und schafft gleich­zei­tig klei­ne Wohlfühlmomente. [SR]

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