Der Frühling steht vor der Tür und die sonnigen Tage laden direkt zum Training ein – wäre da nur nicht die Brut- und Setzzeit. Wenn der Nachwuchs heimischer Wildtiere das Licht der Welt erblickt, ist auf Spaziergängen und beim Training mit dem Hund besondere Vorsicht geboten. Doch keine Sorge – achtest du auf ein paar Dinge, kannst du auch in dieser Zeit mit deinem Hund trainieren!
Fünf Dos in der Brut- und Setzzeit
1. Passendes Gelände finden

Wichtig zu beachten: Das gemähte Gras sollte nicht mehr auf der Wiese liegen, denn auch hier verstecken sich gerne Rehkitze.
Ein Beispiel für tolle Trainingsgelände: Streuobstwiesen. Diese sind meist eingezäunt und dürfen auf Nachfrage häufig für Training genutzt werden. Hat dein Hundetrainer einen Trainingsplatz, kannst du gegebenenfalls auch diesen nutzen. Allerdings solltest du das vorher absprechen. Alternativ kannst du auf öffentliche Hunde- und Trainingsplätze zurückgreifen. Zwar sind diese meist etwas voller, doch das muss deinem Training nicht im Weg stehen. Du kannst diese Umstände zum Beispiel nutzen, um mit deinem Hund zu trainieren, dass er sich nicht ablenken lässt und Übungen trotz Verleitungen durchführt. Du kannst dich auch mit anderen zusammentun, um gemeinsam einen geeigneten Trainingsplatz zu finden. Kennst du eine Gruppe, die bereits einen Ort hat, den sie nutzt, kannst du dich gegebenenfalls anschließen. Hast du gar keinen Erfolg bei der Suche nach einem passenden Gelände, kannst du auch Inserate schalten.
2. Wege nutzen
Wenn Wiesen, Wald und große Flächen wegfallen, kann auch wunderbar auf Wegen – zum Beispiel während Spaziergängen – trainiert werden. Ist dein Hund angeleint, eignet sich vor allem die Fußarbeit. Hierfür musst du die Wege nicht verlassen und läufst so auch keine Gefahr, auf Wild zu treffen.
Übungen aus dem Dummytraining lassen sich auf Wegen und mit Schleppleine durchführen. Du kannst deinen Hund etwa Wege herunter oder an Kreuzungen über die Ecken zwischen den Wegen schicken, um Geländewechsel zu trainieren – allerdings nur, wenn du zuvor kontrolliert hast, ob hier Wildtier-Nachwuchs versteckt liegt.
Auch wenn viel Bewegung und Rennen deinen Hund auslasten – Arbeit mit dem Kopf und der Nase ist für ihn mindestens ebenso anstrengend. Hast du einen kleinen Abschnitt am Wegesrand oder im Grünstreifen in der Mitte des Weges kontrolliert und sichergestellt, dass du diese Fläche mit deinem Hund nutzen kannst, ohne Wild zu stören, kannst du hier Spielzeug oder Dummys auslegen und deinen Hund voran schicken.
3. Den kleinen Suchenpfiff üben
Wenn du bei der Suche noch etwas intensiver werden willst, kannst du mit deinem Hund den kleinen Suchenpfiff – ein Element aus dem Dummytraining – trainieren. Das funktioniert auch in der Brut- und Setzzeit sehr gut, denn beim kleinen Suchenpfiff geht es darum, dass dein Hund beim Suchen klein bleibt, also auf einer kleinen Fläche (2 × 2 m) sucht. Häufig wird das beim Training vernachlässigt, und dann passiert es, dass die Hunde auch dann großflächig suchen, wenn man sie zu einer bestimmten Stelle schickt, die sie absuchen sollen. Allerdings solltest du darauf achten, dass er nach dem kleinen Suchenpfiff sofort mit der Suche beginnt. Du kannst den kleinen Suchenpfiff auch in verschiedene Richtungen üben. Der erste Instinkt eines Hundes ist es, nach vorn zu gehen. Muss er die kleine Suche stattdessen hinten, rechts oder links ausführen, macht das die Übung noch anspruchsvoller. Später kannst du auch mit Ablenkungen trainieren und deinen Hund zum Beispiel rechts suchen lassen, während links etwas Interessantes liegt.
4. Am statt im Wasser trainieren

5. An den Grundlagen arbeiten
Du kannst in dieser Zeit wunderbar an den Grundlagen arbeiten. Neben der Fußarbeit kannst du auch viele weitere Dinge, etwa Alltagsübungen wie die Ablage – ein entspanntes Platz – und das (lange) Sitzen oder das Tauschen und Bringen, trainieren. Um Letzteres zu üben, eignet sich das Tote-Maus-Spiel besonders gut.
Fünf Don’ts in der Brut- und Setzzeit
1. Deinen Hund nicht unangeleint laufen lassen

Tipp: Wenn du genauer wissen möchtest, in welchen Bundesländern die Leinenpflicht gilt und zu welchen Zeiten, dann schau dir doch den Artikel „Gilt die Leinenpflicht für Hunde im Frühjahr überall?“ an. Dort findest du eine Auflistung mit den wichtigsten Infos.
2. Deinen Hund nicht auf Wiesen, Felder, in Gehölz und Wasser schicken
Auch wenn es so aussieht, als wäre kein Wild in der Nähe: Der Nachwuchs kann überall versteckt liegen! Besonders Rehkitze liegen häufig an Orten, an denen man sie nicht vermuten würde, beispielsweise am Rand eines Weges, der viel von Menschen genutzt wird. Auch auf hochgewachsenen Wiesen oder im Wald verstecken Rehe ihren Nachwuchs gerne. Um das Wild zu schützen, solltest du deinen Hund deshalb nicht auf Wiesen, Felder, in Gehölz oder ins Wasser schicken, wenn du nicht sicher sein kannst, dass kein Wild in der Nähe ist.
3. Die große Suche nicht an den falschen Orten trainieren
Wer im Dummytraining steckt, hat es nach dem letzten Don’t sicher schon geahnt: Die große Suche sollte in der Brut- und Setzzeit nicht in freier Wildbahn trainiert werden – viel zu groß ist die Gefahr, dabei auf junge Wildtiere zu stoßen. Natürlich kann die große Suche trotzdem geübt werden, allerdings auf geeigneten, eingezäunten Geländen. Falls du hierfür keinen passenden Ort findest, kannst du dich auf die kleine Suche konzentrieren oder Grundlagentraining betreiben.
4. Die Leine nicht falsch einschätzen
In der Brut- und Setzzeit kommt die Leine oft zum Einsatz, wird jedoch oft falsch eingeschätzt. Was zuerst offensichtlich klingt, ist manchmal gar nicht so leicht umzusetzen: Ist man erst einmal unterwegs, wird die Leine schnell zur Nebensache, schließlich gibt es eine ganze Menge anderer Dinge, auf die man achten muss. Dabei kann die Leine schnell zur Gefahr werden. Gerade Schleppleinen können eine Stolperfalle sein – achte deshalb darauf, immer nachzugreifen, wenn du mit einer längeren Leine unterwegs bist. Wenn du etwas für deinen Hund wirfst oder auslegst, wähle lieber kleinere Abstände, damit es nicht weiter entfernt liegt, als die Leine lang ist. So stellst du sicher, dass dein Hund nicht nach hinten gerissen wird und du nicht nach vorn stolperst.
5. Wildtiere nicht anfassen
Rehkitze verfallen in eine Angststarre, anstatt wegzurennen, wenn sie entdeckt werden. In einem solchen Fall gilt: Es darf auf gar keinen Fall angefasst werden und auch dein Hund sollte keine Möglichkeit haben, sich dem Tier zu nähern, auch wenn er nur schnüffeln und freundlich „Hallo“ sagen möchte. Fotografiert werden sollten die Tiere, wenn überhaupt, nur mit genügend Abstand und ohne Blitz. Stößt du auf ein verletztes Tier, gilt ebenfalls: Es auf keinen Fall anzufassen. Informiere aber bitte die zuständigen Jäger oder die Polizei, damit dem Tier geholfen wird.
Fazit: Richtiges Trainieren in der Brut- und Setzzeit

Hier ist die passende Podcastfolge zum Thema: Training in der Brut- und Setzzeit.
Tipp: Weitere Beiträge von Susanne Reinke
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Susanne Reinke - Online-Hundeschule Jagdfieber




