Warum die­se Jahreszeit beson­de­re Aufmerksamkeit verlangt

Boppard. Der Herbst ver­än­dert nicht nur die Landschaft, son­dern auch das Verhalten vie­ler Wildtiere. Für unse­re Hunde bedeu­tet die­se Zeit eine Mischung aus neu­en Reizen, inten­si­ven Gerüchen und Situationen, die schnell gefähr­lich wer­den kön­nen. Besonders die Brunftzeit von Rot- und Rehwild, die im frü­hen bis mitt­le­ren Herbst statt­fin­det, ver­langt von Hundehaltern erhöh­te Vorsicht. In die­ser Phase sind Hirsche und Rehböcke stark hor­mo­nell beein­flusst, ter­ri­to­ri­al und deut­lich weni­ger scheu als sonst. Ein Hund – selbst ange­leint – wird von ihnen oft als poten­zi­el­ler Angreifer wahr­ge­nom­men. Das kann zu abrup­ten, aggres­si­ven Reaktionen füh­ren, die sowohl für den Hund als auch für den Menschen gefähr­lich werden.

Brunftzeiten im Herbst/Winter

  • Herbst (September–November):
    Rotwild, Damwild, Sikawild, Gamswild, Elchwild, Muffelwild.
  • Winter (November–Januar):
    Steinwild, Muffelwild, Wildschwein/Schwarzwild (Hauptrausche)

Hinweis: Die Angaben sind Orientierungswerte, da Witterung, Höhenlage und Altersstruktur die genau­en Zeitpunkte beeinflussen.

Hundespaziergang im herbstlichen WaldWährend der Brunft ste­hen die Tiere unter enor­mem Stress. Sie ver­tei­di­gen ihr Territorium, reagie­ren emp­find­lich auf Bewegungen und Geräusche und las­sen sich leich­ter pro­vo­zie­ren. Begegnungen mit einem auf­ge­brach­ten Hirsch kön­nen schwe­re Verletzungen ver­ur­sa­chen, denn das Geweih ist ein effek­ti­ves Kampfwerkzeug. Auch Rehböcke kön­nen in die­ser Zeit über­ra­schend offen­siv auf­tre­ten. Deshalb gilt: In Waldgebieten, in denen Rot- oder Rehwild vor­kommt, soll­ten Hunde im Herbst unbe­dingt ange­leint blei­ben. Wege abseits der Hauptpfade, Dickichte und bekann­te Wildwechselzonen soll­ten gemie­den werden.

Intensive Gerüche im Wald
Doch die Brunftzeit ist nur eine von meh­re­ren Gefahren, die der Herbst mit sich bringt. Mit dem Laub steigt die Intensität der Gerüche im Wald. Feuchte Blätter und nas­ser Boden set­zen beson­ders vie­le Duftstoffe frei, die den Jagdtrieb vie­ler Hunde ver­stär­ken. Selbst ruhi­ge Tiere kön­nen plötz­lich auf Wildspuren reagie­ren und sich unkon­trol­liert ent­fer­nen. Gleichzeitig fin­den im Herbst ver­mehrt Bewegungsjagden (Treib- und Drückjagd) statt, wodurch Wildtiere häu­fi­ger flüch­ten und uner­war­tet Wege kreu­zen. Ein Hund, der in sol­chen Momenten frei läuft, kann leicht in eine gefähr­li­che Situation geraten.

Vergiftungsgefahren
Auch die Vegetation birgt Risiken. Herbstzeitlose, bestimm­te Pilzarten und man­che Zierpflanzen sind für Hunde gif­tig. Da vie­le Hunde im Herbst inten­si­ver schnüf­feln und gele­gent­lich Pflanzenreste auf­neh­men, steigt die Gefahr einer Vergiftung. Zusätzlich blei­ben Zecken bis in den Spätherbst aktiv, und feuch­te Waldböden kön­nen Bakterien ent­hal­ten, die Magen-Darm-Probleme oder Infektionen auslösen.

Schlechte Sicht
Mit den kür­zer wer­den­den Tagen kommt ein wei­te­res Risiko hin­zu: schlech­te Sicht. Morgens und abends sind Hunde im Straßenverkehr schwe­rer zu erken­nen. Reflektierende Halsbänder, Leuchthalsbänder oder gut sicht­ba­re Geschirre erhö­hen die Sicherheit deutlich.

Sicher mit dem Hund durch den Herbst

  • Brunftzeit beach­ten: Hunde in Waldgebieten kon­se­quent anleinen.
  • Wildwechsel mei­den: Dickichte, Randbereiche und bekann­te Wechselzonen umgehen.
  • Jagdsaison im Blick behal­ten: Hinweise auf Bewegungsjagden beachten.
  • Giftpflanzen und Pilze: Hund nicht unbe­auf­sich­tigt schnüf­feln oder fres­sen lassen.
  • Zeckenschutz erneu­ern: Bis in den Spätherbst aktiv.
  • Sichtbarkeit erhö­hen: Reflektierende Geschirre, Leuchthalsbänder, hel­le Kleidung.
  • Geruchsintensität beden­ken: Jagdtrieb kann stär­ker aus­ge­löst werden.
  • Pfützen und feuch­tes Laub: Risiko für Bakterien und Magen-Darm-Probleme.
  • Kältere Temperaturen: Hunde nach dem Baden oder Regen gut trocknen.
  • Straßenverkehr: In der Dämmerung beson­ders vor­sich­tig sein.

Der Herbst ist für uns alle eine fas­zi­nie­ren­de Jahreszeit, doch für unse­re Hunde bedeu­tet er eine Phase erhöh­ter Aufmerksamkeit. Wer sei­nen Hund gut sichert, Wildgebiete respek­tiert, auf Sichtbarkeit ach­tet und typi­sche Herbstgefahren kennt, sorgt dafür, dass Spaziergänge ent­spannt und sicher blei­ben. [Stefan Richter]

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