ESCCAP-Expertenrat von Professor Dr. Anja Joachim und Dr. Maria Unterköfler

Entsorgung von Hundekot - Kotbeutelspender und MülleimerKöln. Laut einem Bericht vom Oktober 2025 fal­len in Deutschlands Hauptstadt 252.000 Hundekothaufen pro Tag an, das ent­spricht rund 55 bis 60 Tonnen täg­lich und 20.000 Tonnen jähr­lich. Das Aufsammeln von Kot gehört sicher zu den weni­ger belieb­ten Aufgaben für HundebesitzerInnen – und häu­fig wird dar­auf ver­zich­tet, obwohl Städte und Gemeinden die dafür vor­ge­se­he­nen Plastikbeutel in Spendern teil­wei­se kos­ten­frei zur Verfügung stel­len. Die Begründungen fürs Nichtaufsammeln rei­chen von „Ist doch nur Dünger“ über „Ich möch­te Plastikmüll ver­mei­den“ bis zu „Das macht sonst mei­ne Frau“.

Liegen gelassener KothaufenLiegen gelas­se­ner Hundekot auf Straßen, Wegen und Grünflächen, sorgt vor allem im Stadtgebiet für Geruchsbelästigung sowie ver­schmutz­te Flächen und Schuhe. Die Haufen zie­hen Fliegen an und kön­nen Krankheitserreger ent­hal­ten, die sich in der Umgebung verbreiten.

Versteckte Gefahr im Kot
Infektionsweg des SpulwurmsZu den ver­schie­de­nen Krankheitserregern, die Hunde aus­schei­den kön­nen, zäh­len auch Parasiten. Ein häu­fi­ger Parasit bei Hunden ist etwa der Hundespulwurm Toxocara canis, des­sen Eier in Kotproben von durch­schnitt­lich etwa vier Prozent der Stadthunde in Mitteleuropa vor­kom­men. Das klingt zunächst ein­mal nicht nach sehr vie­len Parasiteneiern, aber selbst bei einer Ausscheidung von nur 100 Eiern pro Gramm Kot sind das allein in der Stadt Berlin täg­lich 220 Millionen Eier (und jähr­lich mehr als 8 Milliarden), die mit Hundekot in die Umgebung gelan­gen. Beim Aufsammeln von fri­schem Kot besteht kei­ne Gefahr, sich mit die­sem Parasiten zu infi­zie­ren. Dies kann erst gesche­hen, wenn sich in den Eiern nach eini­gen Wochen eine infek­tiö­se Drittlarve gebil­det hat.

Diese Eier sind jah­re­lang in der Umgebung über­le­bens­fä­hig. Sie befin­den sich dann nicht mehr in einem sicht­ba­ren „Hundehäufchen“ auf dem Boden, son­dern wur­den etwa mit Regenwasser, Fliegen oder Schnecken ver­brei­tet und gelan­gen so auf Pflanzen, Böden oder in Oberflächenwasser. Das gilt für alle Parasiten, die über die Umwelt auf ande­re Hunde, ande­re Tiere oder den Menschen über­tra­gen werden.

Folgen für Hund und Mensch
Im Ei des Hundespulwurms ent­wi­ckelt sich inner­halb der ers­ten Wochen in der Umgebung über zwei Larvenstadien eine Drittlarve. Diese schlüpft nach ora­ler Aufnahme (Schmierinfektion, Trinken von Oberflächenwasser usw.) im Darm ihres neu­en Wirts, durch­dringt die Darmwand und beginnt, im Körper zu wan­dern. Nur bei Hunden und Hundeartigen wie dem Rotfuchs gelan­gen die Larven schließ­lich zurück in den Darm und pflan­zen sich fort, wäh­rend sie beim Menschen über län­ge­re Zeit durch inne­re Organe wan­dern und dabei Entzündungen und Blutungen ver­ur­sa­chen kön­nen. Je nach Anzahl der Larven und betrof­fe­nem Organ bleibt die­se Infektion beim Menschen ent­we­der sym­ptom­los oder sie führt zu schwe­ren Erkrankungen und Funktionsverlust, bei­spiels­wei­se bei Infektionen des Auges oder des Gehirns.

Ebenso schei­den Hunde unter Umständen wei­te­re Rund- und Bandwurmeier oder ‑lar­ven, para­si­ti­sche Einzeller und bak­te­ri­el­le Krankheitserreger (z. B. Salmonellen, Campylobacter, Colibakterien) mit ihrem Kot aus, die für ande­re Tiere und/oder den Menschen anste­ckend sein kön­nen und daher eben­so wenig in der Umwelt ver­blei­ben sollten.

So läuft die Infektion ab
Eine beson­de­re Rolle spie­len Nacktschnecken, die ger­ne Kot von infi­zier­ten Hunden auf­neh­men. Sie tra­gen nicht nur zur mecha­ni­schen Verbreitung von Krankheitserregern bei, son­dern sind auch Zwischenwirte für Lungenwürmer von Hunden. Hunde kön­nen sich infi­zie­ren, wenn sie Schnecken oder Tiere wie Mäuse ver­zeh­ren, die die­se Schnecken gefres­sen haben.

Hunde, die mit rohem Fleisch von Rindern oder Reh-/Rotwild gefüt­tert wer­den, kön­nen außer­dem mit dem Einzeller Neospora cani­num infi­ziert sein und Übertragungsstadien (Oozysten) aus­schei­den, die wie­der­um Rinder infi­zie­ren. Dieser Einzeller kann Aborte und ande­re Fortpflanzungsstörungen her­vor­ru­fen und ist daher für die Rindergesundheit sehr bedeut­sam. Daher hat Hundekot nichts auf Weiden oder Ackerflächen zu suchen, und falls dort doch ein­mal von Hunden Kot abge­setzt wird, ist die­ser eben­so zu besei­ti­gen wie im Stadtbereich.

Hunde, die Mäuse fan­gen und fres­sen, kön­nen dar­über hin­aus mit dem Fuchsbandwurm Echinococcus mul­ti­lo­cu­la­ris infi­ziert sein. Dieser Parasit befällt meist den Rotfuchs, sel­ten aber auch Hunde, und die mit dem Kot aus­ge­schie­de­nen Eier sind für den Menschen eben­falls infek­ti­ös. Da sie kei­ne Entwicklungszeit in der Umgebung benö­ti­gen, son­dern bereits im fri­schen Kot anste­ckend sind, ist hier die Entsorgung beson­ders wich­tig, um die Verbreitung der Eier mit dem Kot zu ver­hin­dern. Die ver­ur­sach­te Erkrankung, die alveo­lä­re Echinokokkose, ist beim Menschen sel­ten, erfor­dert aber bei Feststellung eine lang­wie­ri­ge Behandlung und kann unbe­han­delt töd­lich enden. Es gilt daher, alle Maßnahmen zu tref­fen, um Infektionen des Menschen zu vermeiden.

Jeder kann einer Verbreitung vorbeugen
Das Aufsammeln von Hundekot und die kor­rek­te Entsorgung über den Hausmüll stel­len sicher, dass die ent­hal­te­nen Krankheitserreger, die auf den Menschen oder ande­re Tiere über­tra­gen wer­den kön­nen, sich mög­lichst nicht in der Umgebung ver­brei­ten. Hausmüll wird für gewöhn­lich ver­brannt, wodurch die dar­in ent­hal­te­nen Keime abge­tö­tet werden.

Manche Hundebesitzer möch­ten kei­nen Plastikmüll ver­ur­sa­chen und brin­gen Hundekot mit Mehrwegbehältern auf den Kompost. Davon ist aber abzu­ra­ten, denn die Kompostierung von orga­ni­schen Abfällen im Haushaltsformat führt nicht zuver­läs­sig zur Abtötung von Krankheitserregern. Die Verwendung von rei­fem Kompost (eben­so wie von fri­schem Hundekot) etwa auf Gartenbeeten kann dazu füh­ren, dass vor allem die sehr umwelt­re­sis­ten­ten Eier man­cher Eingeweidewürmer auf Salat und Gemüse gelan­gen, die roh ver­zehrt werden.

Entwurmen hilft
Wer wis­sen möch­te, ob der eige­ne Hund gera­de Parasitenstadien aus­schei­det, die ande­ren Hunden, ande­ren Tieren oder dem Menschen gefähr­lich wer­den kön­nen, kann vom Tierarzt/von der Tierärztin eine Kotuntersuchung durch­füh­ren las­sen. Eine Entwurmung in regel­mä­ßi­gen Abständen kann die Ausscheidung von Wurmeiern und damit deren Verbreitung in der Umgebung redu­zie­ren, nicht jedoch die von Bakterien oder ein­zelli­gen Parasiten. Einige Entwurmungsmittel (sowie Floh- und Zeckenschutzmittel) wer­den außer­dem mit dem Kot wie­der aus­ge­schie­den und stel­len dann in der Umwelt für Insekten oder frei­le­ben­de Würmer poten­zi­ell eine Belastung dar. Daher ist die Kotentsorgung über den Hausmüll eine wich­ti­ge Ergänzung zur Verhütung von Parasiten und durch sie ver­ur­sach­ten Erkrankungen beim Hund, ande­ren Tieren und Menschen, sowie ein Beitrag zum Schutz der Umwelt.

Viele wei­te­re Informationen und Tipps unter www​.esc​cap​.de.

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