ESCCAP-Expertenrat von Professor Dr. Anja Joachim und Dr. Maria Unterköfler


Versteckte Gefahr im Kot

Diese Eier sind jahrelang in der Umgebung überlebensfähig. Sie befinden sich dann nicht mehr in einem sichtbaren „Hundehäufchen“ auf dem Boden, sondern wurden etwa mit Regenwasser, Fliegen oder Schnecken verbreitet und gelangen so auf Pflanzen, Böden oder in Oberflächenwasser. Das gilt für alle Parasiten, die über die Umwelt auf andere Hunde, andere Tiere oder den Menschen übertragen werden.
Folgen für Hund und Mensch
Im Ei des Hundespulwurms entwickelt sich innerhalb der ersten Wochen in der Umgebung über zwei Larvenstadien eine Drittlarve. Diese schlüpft nach oraler Aufnahme (Schmierinfektion, Trinken von Oberflächenwasser usw.) im Darm ihres neuen Wirts, durchdringt die Darmwand und beginnt, im Körper zu wandern. Nur bei Hunden und Hundeartigen wie dem Rotfuchs gelangen die Larven schließlich zurück in den Darm und pflanzen sich fort, während sie beim Menschen über längere Zeit durch innere Organe wandern und dabei Entzündungen und Blutungen verursachen können. Je nach Anzahl der Larven und betroffenem Organ bleibt diese Infektion beim Menschen entweder symptomlos oder sie führt zu schweren Erkrankungen und Funktionsverlust, beispielsweise bei Infektionen des Auges oder des Gehirns.
Ebenso scheiden Hunde unter Umständen weitere Rund- und Bandwurmeier oder ‑larven, parasitische Einzeller und bakterielle Krankheitserreger (z. B. Salmonellen, Campylobacter, Colibakterien) mit ihrem Kot aus, die für andere Tiere und/oder den Menschen ansteckend sein können und daher ebenso wenig in der Umwelt verbleiben sollten.
So läuft die Infektion ab
Eine besondere Rolle spielen Nacktschnecken, die gerne Kot von infizierten Hunden aufnehmen. Sie tragen nicht nur zur mechanischen Verbreitung von Krankheitserregern bei, sondern sind auch Zwischenwirte für Lungenwürmer von Hunden. Hunde können sich infizieren, wenn sie Schnecken oder Tiere wie Mäuse verzehren, die diese Schnecken gefressen haben.
Hunde, die mit rohem Fleisch von Rindern oder Reh-/Rotwild gefüttert werden, können außerdem mit dem Einzeller Neospora caninum infiziert sein und Übertragungsstadien (Oozysten) ausscheiden, die wiederum Rinder infizieren. Dieser Einzeller kann Aborte und andere Fortpflanzungsstörungen hervorrufen und ist daher für die Rindergesundheit sehr bedeutsam. Daher hat Hundekot nichts auf Weiden oder Ackerflächen zu suchen, und falls dort doch einmal von Hunden Kot abgesetzt wird, ist dieser ebenso zu beseitigen wie im Stadtbereich.
Hunde, die Mäuse fangen und fressen, können darüber hinaus mit dem Fuchsbandwurm Echinococcus multilocularis infiziert sein. Dieser Parasit befällt meist den Rotfuchs, selten aber auch Hunde, und die mit dem Kot ausgeschiedenen Eier sind für den Menschen ebenfalls infektiös. Da sie keine Entwicklungszeit in der Umgebung benötigen, sondern bereits im frischen Kot ansteckend sind, ist hier die Entsorgung besonders wichtig, um die Verbreitung der Eier mit dem Kot zu verhindern. Die verursachte Erkrankung, die alveoläre Echinokokkose, ist beim Menschen selten, erfordert aber bei Feststellung eine langwierige Behandlung und kann unbehandelt tödlich enden. Es gilt daher, alle Maßnahmen zu treffen, um Infektionen des Menschen zu vermeiden.
Jeder kann einer Verbreitung vorbeugen
Das Aufsammeln von Hundekot und die korrekte Entsorgung über den Hausmüll stellen sicher, dass die enthaltenen Krankheitserreger, die auf den Menschen oder andere Tiere übertragen werden können, sich möglichst nicht in der Umgebung verbreiten. Hausmüll wird für gewöhnlich verbrannt, wodurch die darin enthaltenen Keime abgetötet werden.
Manche Hundebesitzer möchten keinen Plastikmüll verursachen und bringen Hundekot mit Mehrwegbehältern auf den Kompost. Davon ist aber abzuraten, denn die Kompostierung von organischen Abfällen im Haushaltsformat führt nicht zuverlässig zur Abtötung von Krankheitserregern. Die Verwendung von reifem Kompost (ebenso wie von frischem Hundekot) etwa auf Gartenbeeten kann dazu führen, dass vor allem die sehr umweltresistenten Eier mancher Eingeweidewürmer auf Salat und Gemüse gelangen, die roh verzehrt werden.
Entwurmen hilft
Wer wissen möchte, ob der eigene Hund gerade Parasitenstadien ausscheidet, die anderen Hunden, anderen Tieren oder dem Menschen gefährlich werden können, kann vom Tierarzt/von der Tierärztin eine Kotuntersuchung durchführen lassen. Eine Entwurmung in regelmäßigen Abständen kann die Ausscheidung von Wurmeiern und damit deren Verbreitung in der Umgebung reduzieren, nicht jedoch die von Bakterien oder einzelligen Parasiten. Einige Entwurmungsmittel (sowie Floh- und Zeckenschutzmittel) werden außerdem mit dem Kot wieder ausgeschieden und stellen dann in der Umwelt für Insekten oder freilebende Würmer potenziell eine Belastung dar. Daher ist die Kotentsorgung über den Hausmüll eine wichtige Ergänzung zur Verhütung von Parasiten und durch sie verursachten Erkrankungen beim Hund, anderen Tieren und Menschen, sowie ein Beitrag zum Schutz der Umwelt.
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