Hotspots in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg

Hamburg. VIER PFOTEN ver­zeich­net für das ver­gan­ge­ne Jahr ins­ge­samt 737 Tiere, die in 81 Fällen aus ille­ga­lem Handel, ille­ga­len Transporten oder ille­ga­len Zuchten stam­men, dar­un­ter 631 Hunde und 106 Katzen. Besonders vie­le Welpen wur­den 2025 in Bayern ent­deckt: 41 Prozent aller Fälle. Auch Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg gehö­ren zu den Spitzenreitern der Bundesländer, in denen VIER PFOTEN beson­ders vie­le Tiere aus dem ille­ga­len Welpenhandel regis­trier­te. Für die Erhebung hat VIER PFOTEN Fälle aus Medienberichterstattungen, Meldungen über das VIER PFOTEN-Meldetool sowie Fälle, in denen die Tierschutzstiftung selbst aktiv gewor­den ist, zusammengezählt.

Illegaler Welpenhandel 2025„Auch 2025 ist die Bilanz ent­deck­ter Tiere aus ille­ga­lem Welpenhandel erschre­ckend: 737 Tiere – vie­le von ihnen waren zu jung oder krank und häu­fig nicht aus­rei­chend geimpft. Unsere Zählungen zei­gen klar: Der ille­ga­le Welpenhandel ist wei­ter ein mas­si­ves Problem. Dabei sind die sicher­ge­stell­ten Hunde- und Katzenwelpen nur die Spitze des Eisbergs. Die Europäische Union hat sich im ver­gan­ge­nen Jahr auf ein Gesetz zum Schutz von Millionen Hunden und Katzen in Europa geei­nigt – dies soll in der ers­ten Jahreshälfte 2026 final ver­ab­schie­det wer­den. Erst wenn die Regelung in Kraft tritt, wird ille­ga­len Welpenhändlern ihr per­fi­des Geschäft deut­lich erschwert wer­den. Bis dahin erwar­ten wir von der Bundesregierung, dass sie mit gutem Beispiel vor­an­geht, sich bei der Erarbeitung der Rechtsakte wei­ter für star­ke Regelungen und die ver­läss­li­che Überprüfung der Daten ein­setzt und wich­ti­ge Schutzmaßnahmen wie die ver­pflich­ten­de Kennzeichnung und Registrierung aller gehal­te­nen Hunde und Katzen schnel­ler als der­zeit auf euro­päi­scher Ebene geplant auf den Weg bringt“, sagt Birgitt Thiesmann, Expertin für den ille­ga­len Welpenhandel bei VIER PFOTEN.

Welpen müs­sen für die Einreise min­des­tens 15 Wochen alt sein
Damit ein Welpe aus der EU legal nach Deutschland ein­rei­sen darf, muss er zum Schutz von Tier und Mensch voll­stän­dig und nach­weis­lich gegen Tollwut geimpft sein sowie einen gül­ti­gen EU-Heimtierausweis besit­zen. Welpen kön­nen frü­hes­tens ab einem Alter von zwölf Wochen wirk­sam gegen Tollwut geimpft wer­den. Nach einer Wartezeit von drei Wochen greift der Impfschutz. Demnach müs­sen Welpen aus dem euro­päi­schen Ausland min­des­tens 15 Wochen alt sein, um legal nach Deutschland ein­rei­sen zu dür­fen. Stammen Welpen aus einem nicht gelis­te­ten Drittland, wie Russland, müs­sen sie min­des­tens sie­ben Monate alt sein, um grenz­über­schrei­tend trans­por­tiert zu wer­den. Die jüngs­ten, in Bayern auf­ge­grif­fe­nen Welpen waren gera­de ein­mal drei Wochen alt. „Das Leid der Welpen aus ille­ga­lem Handel ist unvor­stell­bar. Sie wer­den unter kata­stro­pha­len Bedingungen in Vermehrerstationen gebo­ren, viel zu früh von ihren Müttern getrennt, häu­fig nicht art­ge­mäß ver­sorgt und tra­gen in vie­len Fällen ihr Leben lang kör­per­li­che oder see­li­sche Folgen davon – soll­ten sie die Tortur über­haupt über­le­ben“, sagt die VIER PFOTEN Expertin für ille­ga­len Welpenhandel, Birgitt Thiesmann.

Besonders vie­le Tiere in Bayern entdeckt
Besonders auf­fäl­lig sind die hohen Zahlen in Bayern: Allein hier wur­den ver­gan­ge­nes Jahr 183 Tiere in 33 Fällen (41 Prozent aller Fälle) aus ille­ga­lem Handel, ille­ga­len Transporten oder ille­ga­len Zuchten auf­ge­grif­fen. Auch in ver­gan­ge­nen Jahren war Bayern bereits Hotspot: Das Bundesland hat eine direk­te Grenze zu Tschechien und bie­tet ille­ga­len Welpenhändlern eine viel genutz­te Route aus Rumänien, Ungarn, Moldau, Bulgarien oder Tschechien. Auch in Nordrhein-Westfalen (148 Tiere in 10 Fällen) und Baden-Württemberg (42 Tiere in 9 Fällen) konn­ten vie­le Fälle ille­ga­len Welpenhandels ent­deckt werden.

Neuer Rasse-Trend im ille­ga­len Handel:
Pudel und Pudelmischlinge

Bei ins­ge­samt 16 Prozent aller 2025 ent­deck­ten Fälle waren Pudel oder Pudelmischlinge invol­viert. „Pudel und Pudel-Mischlinge wie Maltipoos sind Rassen, die erst seit weni­gen Jahren im ille­ga­len Welpenhandel eine so gro­ße Rolle spie­len, da die Nachfrage immer grö­ßer wird. Als ver­meint­lich leicht zu erzie­hen­de, all­er­gi­ker­freund­li­che und nicht haa­ren­de Rasse fin­den die­se Welpen auch auf dem ille­ga­len Markt vie­le Abnehmer“, sagt Birgitt Thiesmann. Aber auch ande­re klei­ne Rassen wie Dackel, Pomeranian und Französische Bulldoggen sind im ille­ga­len Welpenhandel wei­ter­hin ein gro­ßes Thema. Bei den Katzenwelpen sind eben­falls beson­ders Rassekatzen gefragt. Fast die Hälfte aller 2025 ent­deck­ten Katzenwelpen (46 Prozent) waren Faltohrkatzen, wie die Scottish Fold – eine Rasse, die kla­re Qualzuchtmerkmale auf­weist und deren Zucht in Deutschland nach Paragraf 11b Tierschutzgesetz ver­bo­ten ist.

Deutschland ist im ille­ga­len Welpenhandel Abnehmer- und Transitland
Deutschland war auch 2025 nicht nur Abnehmerland ille­gal impor­tier­ter Welpen, son­dern auch Transitland. Nach Zählungen von VIER PFOTEN soll­ten in 86 Prozent der Fälle die Hunde- und Katzenwelpen tat­säch­lich in Deutschland ver­kauft wer­den. In 14 Prozent der Fälle nutz­ten Kriminelle Deutschland als geo­gra­fisch güns­tig gele­ge­ne Route für Ziele in ande­re euro­päi­sche Länder. Hauptziele waren ver­gan­ge­nes Jahr Belgien und Frankreich.