Wann eine digitale Tierarztberatung hilft – und wann nicht

Hitze, Reisestress, Zecken und auf­ge­heiz­ter Asphalt: Im Sommer häu­fen sich bei Hunden Beschwerden, die Tierhalter oft falsch ein­ord­nen. Entscheidend ist dabei sel­ten die Frage, wel­che Diagnose vor­liegt, son­dern wie drin­gend ein Fall ist. Genau an die­ser Stelle kann eine tier­ärzt­li­che Beratung per Telemedizin unter­stüt­zen, etwa bei leich­ten Magen-Darm-Beschwerden, klei­nen Wunden oder Fragen zum Parasitenschutz. Bei Hitzschlag, Atemnot oder Kreislaufproblemen stößt sie dage­gen klar an ihre Grenzen. Tierarzt Thomas Backhaus und Tierärztin Franziska Mette von „Das Gesunde Tier“ erklä­ren, wel­che Fehleinschätzungen im Sommer beson­ders häu­fig vor­kom­men, wor­an sich ein Notfall erken­nen lässt und wie sich Tierhalter auf eine digi­ta­le Beratung vor­be­rei­ten können.

Berlin. Steigende Temperaturen, lan­ge Autofahrten, Urlaub am See: Der Sommer ver­än­dert den Alltag von Hunden spür­bar und damit auch die Anlässe, aus denen Tierhalter tier­ärzt­li­chen Rat suchen. Beginnende Dehydrierung, Hitzestress, Magen-Darm-Beschwerden auf Reisen, wun­de Pfoten oder Insektenstiche gehö­ren in die­ser Jahreszeit zu den häu­figs­ten Themen. Viele die­ser Situationen begin­nen jedoch unauf­fäl­lig. Genau dar­in liegt aus Sicht der Experten von „Das Gesunde Tier” das Problem: Tierhalter beur­tei­len ihr Haustier zunächst selbst und lie­gen dabei im Sommer beson­ders häu­fig dane­ben. „Starkes Hecheln wird oft als nor­mal abge­tan. Dabei kann es eines der ers­ten Signale dafür sein, dass ein Hund sei­ne Wärme nicht mehr aus­rei­chend abge­ben kann“, erklärt Tierarzt Thomas Backhaus, Experte für inte­gra­ti­ve Tiermedizin. Auch ein im Schatten gepark­tes Auto gilt vie­len als unge­fähr­lich, eben­so wie auf­ge­heiz­ter Asphalt. Und wie­der­hol­tes Erbrechen oder Durchfall wird häu­fig zu lan­ge beob­ach­tet. Die eigent­li­che Frage ist des­halb sel­ten, wel­che Diagnose vor­liegt. „Im ers­ten Moment ist für Frauchen und Herrchen vor allem eines ent­schei­dend: Wie drin­gend ist das? Genau die­se Einschätzung fällt vie­len schwer“, ord­net Backhaus ein.

Im Sommer kom­men meh­re­re Belastungen zusammen
Tierärtzliche Beratung HundAus tier­ärzt­li­cher Sicht tref­fen in der war­men Jahreszeit meh­re­re Faktoren auf­ein­an­der. Hitze und eine unzu­rei­chen­de Flüssigkeitsaufnahme kön­nen zu begin­nen­der Dehydrierung füh­ren, im wei­te­ren Verlauf zu Hitzestress, sogar bis zum Hitzschlag. Besonders gefähr­det sind dabei Welpen, Seniorentiere, kurz­na­si­ge Rassen sowie Hunde mit dich­tem Fell oder Herz- oder Atemwegserkrankungen. An wenig behaar­ten oder hell pig­men­tier­ten Körperstellen kann zudem Sonnenbrand ent­ste­hen, war­nen die Experten. Parallel dazu ver­än­dert sich für vie­le Familien der Alltag: Reisen bedeu­ten Stress für die Vierbeiner, denn sie gehen häu­fig mit Futterwechsel, Wasser aus frem­den Quellen oder nicht aus­rei­chend gekühl­tem und daher ver­dor­be­nem Futter ein­her. Das hat nicht sel­ten Magen-Darm-Beschwerden zur Folge. Und wer mit sei­nem Tier viel drau­ßen ist, muss gut auf Zecken- und Insektenstiche, klei­ne Hautverletzungen sowie Verletzungen an den Pfoten durch hei­ßen Asphalt, Grannen oder Dornen ach­ten. Denn auch all­er­gi­sche Reaktionen nach Insektenstichen, Kontakt mit Düngemitteln oder auf­grund von Gräsern oder Pollen tre­ten im Sommer häu­fi­ger auf. „Im Sommer wirkt sel­ten ein ein­zel­ner Auslöser. Meist kom­men Wärmebelastung, Bewegung, ver­än­der­te Fütterung und ein erhöh­ter Parasitendruck zusam­men“, erläu­tert Backhaus. Hinzu kommt ein ver­brei­te­ter Fehler im Alltag: „Viele Hunde wer­den bei hohen Temperaturen kör­per­lich zu stark belas­tet. Und die Trinkmenge wird zu sel­ten kontrolliert.“

Diese Beschwerden las­sen sich digi­tal einschätzen
Für einen Teil die­ser Situationen reicht der Blick in den Bildschirm. Wenn ein Hund nach einer Reise wei­chen Kot hat, wenn sich eine Pfote nach dem Spaziergang rötet oder wenn ein Insektenstich anschwillt, ohne dass die Atmung betrof­fen ist, lässt sich der Fall in der Regel zuver­läs­sig erst­ein­schät­zen. Das Gleiche gilt für Zeckenbefall und für Veränderungen an Haut und Ohren. Hinzu kom­men all die Fragen, die vor einem Urlaub auf­kom­men: zum Parasitenschutz, zur Reisevorbereitung oder schlicht dazu, ob ein Praxisbesuch in den nächs­ten Tagen sinn­voll ist. Auch wer eine Zweitmeinung sucht, kommt digi­tal wei­ter. Medikamente ver­ord­nen las­sen sich auf die­sem Weg aller­dings nicht. „Eine digi­ta­le Beratung ersetzt kei­ne Untersuchung. Sie kann aber sehr gut die Frage beant­wor­ten, ob eine Situation zunächst beob­ach­tet wer­den kann oder ob sie in die Praxis gehört“, erklärt Franziska Mette, Tierärztin bei „Das Gesunde Tier“. Woran sich das fest­ma­chen lässt, beschreibt sie über das Gesamtbild: Ein Hund, der ansprech­bar ist, nor­mal atmet, kei­ne Kreislaufprobleme zeigt und zumin­dest etwas frisst oder trinkt, hat meist Zeit für eine ruhi­ge Einordnung, vor­aus­ge­setzt, er lei­det nicht unter star­ken Schmerzen und blu­tet nicht. „Wenn die­se Punkte zutref­fen, lässt sich in der Regel zunächst digi­tal klä­ren, wie es wei­ter­geht“, so die Tierärztin.

Wann Tierhalter sofort in die Praxis müssen
Ebenso deut­lich ver­lau­fen die Grenzen – und zwar über­all dort, wo Zeit zum ent­schei­den­den Faktor wird. Alles, was Atmung, Kreislauf oder Bewusstsein betrifft, gehört ohne Umweg in eine Tierarztpraxis oder Tierklinik: Atemnot, Kollaps, Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle oder der Verdacht auf einen Hitzschlag. Genauso drin­gend wird es, wenn der Bauch auf­ge­bläht ist und der Hund erfolg­los würgt, wenn Erbrechen oder Durchfall hef­tig aus­fal­len oder Blut ent­hal­ten, oder wenn Fieber, Bewegungs- und Koordinationsstörungen hin­zu­kom­men. Schwere Verletzungen spre­chen ohne­hin für sich, ob star­ke Blutung, tie­fe Wunde, Bissverletzung, Knochenverletzung oder Verbrennung. Und wer eine Vergiftung ver­mu­tet, einen ver­schluck­ten Fremdkörper befürch­tet oder eine star­ke all­er­gi­sche Reaktion mit Schwellungen im Kopf- und Halsbereich beob­ach­tet, soll­te kei­ne Zeit mit wei­te­ren Überlegungen ver­lie­ren. Hinzu kommt eine ganz prak­ti­sche Grenze: Sobald Infusionen, Sauerstoff, bild­ge­ben­de Verfahren oder eine Blutuntersuchung nötig wer­den, hilft nur die Praxis vor Ort. „Im Notfall soll­te nie­mand auf eine digi­ta­le Beratung war­ten“, betont Mette. „Wir ver­ste­hen Telemedizin in ers­ter Linie als tier­ärzt­li­che Beratung und Begleitung sowie als Einschätzung der Dringlichkeit – nicht als Ersatz für die not­wen­di­ge Notfallversorgung vor Ort.“

Gute Vorbereitung macht die Einschätzung präziser
Wie belast­bar eine digi­ta­le Einschätzung aus­fällt, hängt vor­wie­gend davon ab, was Tierhalter mit­brin­gen. Am Anfang ste­hen die Schilderung der Beschwerden samt dem Zeitpunkt, an dem alles begann, und die Eckdaten des Tieres, wie Alter, Rasse, Gewicht, bekann­te Erkrankungen und die Medikamente, die es gera­de bekommt. Fast eben­so wich­tig ist der Alltag der ver­gan­ge­nen Tage: Wie viel hat der Hund gefres­sen und getrun­ken, wie sahen Kot und Urin aus, gab es Erbrechen oder Durchfall? Wer die Körpertemperatur gemes­sen hat, notiert den Wert, eben­so mög­li­che Auslöser wie Hitze, eine Zecke, einen Fremdkörper oder eine zurück­lie­gen­de Reise. Den größ­ten Unterschied machen jedoch Bilder. Ein kur­zes Video vom Gangbild oder von der Atmung zeigt oft mehr als eine lan­ge Beschreibung, und ein Foto bil­det eine Hautveränderung genau­er ab, als Worte es kön­nen. „Wer Veränderungen früh wahr­nimmt und doku­men­tiert, macht jede Einschätzung prä­zi­ser, digi­tal wie vor Ort“, so Mette. Ihre eigent­li­che Stärke spielt die digi­ta­le Sprechstunde ohne­hin jen­seits des aku­ten Anlasses aus. Sie eig­net sich für die Nachkontrolle nach einer Operation, für den Blick auf eine hei­len­de Wunde und für Verlaufskontrollen bei chro­ni­schen Erkrankungen. Vor allem aber trägt sie all das, wofür es Zeit und ein Gespräch benö­tigt: Laborbefunde bespre­chen, eine Therapie anpas­sen, die Fütterung bei Unverträglichkeiten, Allergien oder Hauterkrankungen beglei­ten, das Gewicht im Blick behal­ten oder eine Reise samt Parasitenprophylaxe vor­be­rei­ten. Gerade wenn ein chro­nisch erkrank­ter Hund im Sommer mit in den Urlaub fährt, zahlt sich der kur­ze Draht aus. Seinen Rat für die hei­ße Jahreszeit for­mu­liert Tierarzt Thomas Backhaus des­halb bewusst schlicht: „Bei Unsicherheit lie­ber ein­mal zu früh nach­fra­gen als ein­mal zu spät.“ Zugleich warnt er davor, in Aktionismus zu ver­fal­len: „Wer vie­le Meinungen ein­holt und immer wie­der neue Therapien beginnt, ver­liert schnell die Linie. Meist hilft es dem Tier mehr, einen kla­ren Weg kon­se­quent zu gehen.“

Über das Unternehmen
„Das Gesunde Tier“ steht für ganz­heit­li­che Tiergesundheit mit Schwerpunkt auf Ernährung, Darmgesundheit und indi­vi­du­el­ler Beratung. Das Unternehmen bie­tet Futter, Ergänzungsfuttermittel, Pflegeprodukte, Test-Kits und digi­ta­le Beratungsangebote für Hunde, Katzen und Pferde an. Grundlage ist das von Tierarzt Thomas Backhaus ent­wi­ckel­te 5‑E™-Gesundheitskonzept, das Tiergesundheit nicht iso­liert betrach­tet, son­dern Ernährung, Darm, Organzusammenhänge und indi­vi­du­el­le Bedürfnisse zusam­men­denkt. „Das Gesunde Tier“ greift dabei auf über 50 Jahre Tierarzt-Erfahrung, ein inter­dis­zi­pli­nä­res Expertenteam und eine eige­ne Tierarztpraxis zurück. Über DGT MEDICAL bie­tet das Unternehmen zudem indi­vi­du­el­le Online-Tierarzt- und Ernährungsberatung an. Die Produkte wer­den in Deutschland ent­wi­ckelt oder her­ge­stellt und rich­ten sich an Tierhalter, die Gesundheit, Fütterung und Alltag ihres Tieres ganz­heit­lich unter­stüt­zen möch­ten. Weitere Informationen unter: www​.das​ge​sun​de​tier​.de.

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