Wie Halter die Anzeichen erkennen und sinnvoll handeln

Düsseldorf. Nicht jeder Hund begeg­net neu­en Situationen gelas­sen. Manche reagie­ren vor­sich­tig auf frem­de Menschen, ande­re auf unge­wohn­te Geräusche oder auf Veränderungen im Alltag. Wer die Signale früh­zei­tig erkennt und rich­tig reagiert, kann dees­ka­lie­ren – und sei­nem Hund hel­fen, Vertrauen aufzubauen.

Unsicherheit kann sich bei Hunden sehr unter­schied­lich äußern. Manche zie­hen sich zurück, ande­re reagie­ren hek­tisch oder sogar laut und impul­siv. Und was vie­len nicht bewusst ist: Auch aggres­si­ves Verhalten ist häu­fig durch Unsicherheit oder Angst moti­viert. „Hunde kom­mu­ni­zie­ren Unsicherheit meist über ihre Körpersprache“, erklärt Tierärztin Dr. Daphne Ketter, Inhaberin der Tierarztpraxis für Verhaltensmedizin „Tierverhalten München“. „Wer die Signale kennt, kann Stress schon erken­nen, bevor der Hund laut wird oder sich zurück­zieht. Typische Hinweise sind eine ein­ge­zo­ge­ne Rute, ange­leg­te Ohren, star­kes Hecheln, Gähnen oder ver­mehr­tes Lecken.“ Oft wird Unsicherheit mit Ungehorsam ver­wech­selt – aller­dings reagiert der Hund nur nicht wie gewohnt, weil er gera­de mit einer belas­ten­den Situation umge­hen muss.

Unsicherheit gegen­über Menschen und Artgenossen
Verängstigter HundEinige Hunde reagie­ren beson­ders sen­si­bel auf frem­de Menschen oder ande­re Hunde. „Häufig hängt das ent­we­der mit feh­len­den oder aber mit schlech­ten Erfahrungen aus der Vergangenheit zusam­men“, sagt Expertin Ketter. Unsichere Hunde ver­su­chen zunächst oft, Distanz auf­zu­bau­en – etwa durch Ausweichen oder Verstecken. Ihr Verhalten und ihre Körpersprache wei­sen zuneh­mend weg vom Gegenüber, von der Situation oder vom Objekt, das die Furcht aus­löst. Erst wenn das Unwohlsein über­se­hen wird, fällt die Reaktion oft deut­li­cher aus, etwa durch Bellen oder Knurren. Macht der Vierbeiner unan­ge­neh­me Erfahrungen mehr­fach, kann aus Unsicherheit sogar Angst wer­den. Statt den Hund zu igno­rie­ren oder in beängs­ti­gen­de Situationen zu zwin­gen, soll­ten Halter ihren Vierbeinern daher ermög­li­chen, sich zurückzuziehen.

Geräusche und Umweltreize als Auslöser
Gewitter, Silvester- oder Baustellenlärm: Laute Geräusche zäh­len zu den häu­figs­ten Stressfaktoren bei Hunden. Während man­che sich schnell wie­der beru­hi­gen, benö­ti­gen ande­re mehr Unterstützung. „Wichtig ist dabei vor allem, selbst gelas­sen zu blei­ben“, rät Dr. Ketter. „Heimtiere spie­geln das Verhalten ihrer Bezugspersonen: Ist der Mensch ent­spannt, wird sich auch der Hund schnel­ler beru­hi­gen.“ Um sei­nem Hund aktiv Sicherheit ver­mit­teln zu kön­nen, muss man die Situation erst ein­mal als Stresssituation erken­nen. Häufig kün­digt sich Unsicherheit bereits in der Körpersprache an – klei­ne Details in Haltung, Blick, Bewegungen und Verhalten erge­ben ein Gesamtbild.

Geduld statt schnel­ler Lösung
Um Probleme mit Unsicherheit lang­fris­tig zu lösen, braucht es haupt­säch­lich viel Geduld. Selten ändert sich das Verhalten von heu­te auf mor­gen. „Gerade sen­si­ble Hunde benö­ti­gen Zeit, um Vertrauen auf­zu­bau­en und neue Erfahrungen posi­tiv zu ver­knüp­fen“, sagt die Expertin. „Wichtig ist, den Hund nicht zu über­for­dern und auch die klei­nen Fortschritte wahr­zu­neh­men.“ Schenkt man sei­nem Tier Sicherheit durch Vertrauen, Geduld und Verlässlichkeit, ste­hen die Chancen gut, die Unsicherheit in den Griff zu bekom­men – und zudem ent­steht eine star­ke Bindung zwi­schen dem Menschen und sei­nem Vierbeiner.

Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V.

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