Ein Beitrag von Tierheilpraktikerin Tanja Schneewind
Kein Geschenk mit Herzschlag
Alpen. Ein Wohnzimmer im warmen Licht, glänzende Kugeln am Baum, Papier raschelt, Kinder lachen. In vielen Familien entsteht jedes Jahr zur Weihnachtszeit dieselbe Vorstellung: ein kleiner Hund, eingewickelt in eine Schleife, der Heiligabend zu etwas ganz Besonderem macht. Die Szene wirkt fast idyllisch, wie aus einem Film.

Ein Lebewesen ist kein Geschenk
Ein Hund steht für Nähe, Freude, Fürsorge, und genau diese Gefühle machen ihn scheinbar zum idealen Geschenk. Aber ein Hund ist kein Gegenstand, kein dekoratives Element und kein emotionaler Lückenfüller, sondern ein eigenständiges Lebewesen mit eigenen Gefühlen und Bedürfnissen.
Wer einen Hund verschenkt, entscheidet stellvertretend über das Leben von zwei anderen Lebewesen, nämlich Hund und neuem Halter, und das dauerhaft.
Und dauerhaft ist hier das Stichwort: Ein Hund begleitet uns über viele Jahre. Mit Verantwortung, Training, Kosten und Zeitaufwand. All das lässt sich nicht an Heiligabend auspacken, sondern muss jeden Tag aufs Neue gelebt werden.
Weihnachten bietet selten den passenden Rahmen
Die Feiertage gelten als besinnlich – tatsächlich aber sind sie geprägt von Trubel, Besuch, Geräuschen und hektischen Abläufen. Für Menschen oft schön, für Hunde jedoch oft verwirrend.
Ein Hund benötigt in den ersten Tagen in seinem neuen Zuhause hauptsächlich Stabilität: wiederkehrende Abläufe, ausreichend Ruhephasen, klare Bezugspersonen und eine Umgebung, in der Reize dosiert und kontrolliert auf ihn einwirken. All das bildet die Grundlage dafür, dass er sich sicher fühlt und sich gesund entwickeln kann.
Doch zwischen Geschenken, Musik, Essen und Besuchern ist das schwer umzusetzen. Trainer berichten regelmäßig, dass Hunde, die während der Festtage einziehen, häufiger Schwierigkeiten in Bezug auf Bindung, Alleinbleiben oder Umweltgeräusche entwickeln. Nicht, weil sie „schwieriger“ sind, sondern weil ihr Start ungünstig war.
Nach den Feiertagen beginnt der Ernst
Die wahre Herausforderung beginnt erst, wenn die Lichterketten verschwinden. Schule, Arbeit und Alltag kehren zurück und der Hund bleibt, mit all seinen Bedürfnissen. Er benötigt:
- Unterstützung bei der Eingewöhnung und je nach Alter bei der Stubenreinheit.
- Eine behutsame Gewöhnung daran, in der Zukunft auch einmal allein zu bleiben.
- Tägliche Betreuung und Ansprache – unabhängig von Wochenende, Wetter oder Zeitplan.
- Zeit, finanzielle Mittel und Geduld,
- sowie ehrliche Zuneigung.
Viele Familien sind überrascht, wie viel Energie ein Welpe verlangt. In den Wochen nach Weihnachten verzeichnen Tierheime immer wieder eine deutliche Zunahme an Abgaben. Meist sind die Hunde dann wenige Wochen alt und haben bereits ihren ersten Verlust erlebt.
Ein Blick hinter die Kulissen
Tierheime berichten jährlich über „Weihnachtswelpen“, die nach kurzer Zeit abgegeben werden. Diese Hunde sind oft verunsichert, schlecht sozialisiert oder stammen aus fragwürdigen Quellen.
Denn wenn die Nachfrage steigt, reagieren auch unseriöse Händler. Vor Weihnachten tauchen vermehrt Welpen aus illegalen Zuchten auf: oft zu jung abgegeben, ohne gültige Papiere, teilweise krank.
Seriöse Züchter vergeben ihre Welpen nicht spontan und erst recht nicht als Geschenkidee. Wer kurz vor den Feiertagen noch „sofort“ einen Welpen bekommt, sollte skeptisch sein.
Liebe zeigt sich in Vorbereitung, nicht in Spontanität
Niemand möchte einem Tier schaden, im Gegenteil. Oft steckt hinter dem Wunsch, einen Hund zu Weihnachten zu schenken, eine liebevolle Absicht. Doch echte Tierliebe bedeutet auch, den richtigen Moment zu wählen und gut vorbereitet zu sein.
Weihnachten ist emotional. Und genau darin liegt das Risiko: Entscheidungen werden oft aus Gefühl statt mit Weitsicht getroffen. Doch ein Hund benötigt beides – Herz und Verstand.
Echte Alternativen
Es gibt viele Wege, Tierliebe zu Weihnachten sinnvoll auszudrücken:
- Patenschaft für einen Tierheimhund.
- Spende an örtliche Tierschutzvereine.
- Bücher, Kurse oder Beratungsgutscheine zur Hundeerziehung.
- Gemeinsame Vorbereitungszeit, in der sich die Familie bewusst mit Rasse, Haltung und Alltag auseinandersetzt.
Wenn nach den Feiertagen feststeht, dass ein Hund wirklich ins Leben passt, ist das der richtige Moment – nicht Heiligabend.
Wenn ein Hund in die Familie kommt, dann richtig
Ein Hund ist kein Festtagsmoment. Er ist ein langfristiger Begleiter, der Vertrauen, Stabilität und Fürsorge braucht. Der Einzug eines Hundes sollte ein bewusster, ruhiger Schritt sein – ein Schritt, der ihm Sicherheit gibt und der Familie Zeit lässt, sich auf ihn einzustellen.
Es ist nicht der emotionale Höhepunkt eines Abends, der zählt, sondern das Zusammenleben danach.
Ein Hund ist kein Geschenk, sondern eine Entscheidung
Hunde gehören nicht unter den Weihnachtsbaum, weil sie mehr benötigen als ein hübsches Umfeld für einen besonderen Augenblick. Ein Hund ist eine Entscheidung, die getragen sein muss von Zeit, Wissen, Geduld und echter Zuwendung – nicht von Feierlaune oder Überraschungseffekten.
Wer sich für einen Hund entscheidet, entscheidet sich für ein Familienmitglied, das viele Jahre Teil des Lebens ist. Und dieser Schritt verdient einen ruhigen, bewussten Rahmen – frei von Weihnachtsstress, aber voller echter Zuwendung und Fürsorge.
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