21. August 2018

Wildpark Rheinböllen: Füchse werden für die Abrichtung von Jagdhunden missbraucht

Gau-Algesheim. Im Hochwildschutzpark Hunsrück in Rheinböllen, jedes Jahr Ausflugsziel tausender Menschen, werden neben zahlreichen anderen Wildtieren vier Füchse gehalten. Was die Besucher des Parks nicht wissen: Zwei dieser Füchse werden für die Abrichtung scharfer Jagdhunde in einer sogenannten Schliefanlage in Simmern/Hunsrück missbraucht. Das Aktionsbündnis Fuchs, eine Initiative von mehr als 60 deutschen Tier- und Naturschutzvereinen, fordert das sofortige Ende dieser Praxis und die Schließung der Schliefanlage.

Schliefanlagen dienen der Abrichtung von Jagdhunden zur nicht minder grausamen Baujagd, bei der „raubwildscharfe“ Hunde ihre Opfer – zumeist Füchse – aus dem sichergeglaubten Bau vor die Flinten wartender Jäger hetzen. Als ein Jäger im Rahmen einer Diskussion auf Facebook erwähnt, dass sogenannte Schliefenfüchse im Hochwildschutzpark Hunsrück in Rheinböllen untergebracht sind, wurde das Aktionsbündnis Fuchs sofort hellhörig.

Eine Anfrage der Initiative beim Hochwildschutzpark Hunsrück blieb zunächst unbeantwortet. Auf erneute Nachfrage teilt man schließlich mit, man gebe grundsätzlich keine Informationen über Parkinterna an Dritte weiter. Das machte die Tierschützer natürlich umso neugieriger, erhärtet es doch den Verdacht, dass die Parkleitung etwas zu verbergen hat.

Veterinäramt bestätigt Verdacht
Füchse als Aasvertilger und durch die Erbeutung kranker und schwacher Tiere nehmen eine wichtige Rolle als Gesundheitspolizist einDas Aktionsbündnis versuchte über verschiedene Stellen Informationen über die Füchse im Hochwildschutzpark einzuholen. Und tatsächlich: Vom zuständigen Veterinäramt in Simmern war zu erfahren, dass zwei von den vier im Wildpark Rheinböllen untergebrachten Füchsen Eigentum der Arbeitsgruppe Rhein-Nahe des Deutschen Jagdterrier-Club e.V. sind – und dass sie, wie befürchtet, für etwa vier Wochen im Jahr zu Zwecken der Jagdhundeabrichtung in eine Schliefanlage in Simmern gebracht werden. Dass in dieser Anlage überhaupt Füchse gehalten werden, hat der Jagdterrier-Club dem Veterinäramt offensichtlich verschwiegen: Erst durch den Hinweis des Aktionsbündnis Fuchs wurden die Behörden auf diesen Umstand aufmerksam. Eine Kontrolle der dortigen Haltungsbedingungen habe es dort daher in den vergangenen Jahren nicht gegeben.

Da Schliefanlagen zumeist hermetisch von der Öffentlichkeit abgeschottet sind, entschloss sich die  Initiative zu einem Besuch vor Ort im Wildpark in Rheinböllen. Was sie dort vorfanden, ist ein extrem scheuer, magerer Rotfuchs*, der sich die meiste Zeit verängstigt vor den Blicken der Parkbesucher verbirgt. Sein Leidensgenosse ist ein Silberfuchs*. Als das Parkpersonal nach den Namen der beiden Füchse gefragt wurde, wird ausgewichen – die beiden ebenfalls im Hochwildschutzpark lebenden „Farmfüchse“ dagegen werden auf der Internetseite des Parks (www.hochwildschutzpark.de) stolz als „Mani“ und „Sol“ vorgestellt.

Widersprüche und Drohungen
Als es dem Aktionsbündnis gelingt vor Ort einen Vertreter des Parks, seines Zeichens Falkner und damit auch Jagdscheininhaber, ausfindig zu machen, ist dieser zuerst wenig erfreut, lässt sich dann aber doch auf ein Gespräch ein. Er verstrickt sich jedoch in Widersprüche: Erst bestreitet er etwa, dass es auf der Anlage Rotfüchse gäbe, auf das verschüchterte Füchslein angesprochen, räumt er dessen Existenz aber doch ein. Auf die Frage, warum die Füchse des Jagdterrier-Clubs im Hochwildschutzpark gehalten würden, bringt er vor, dass sie im Park besser aufgehoben seien. Gleichzeitig behauptet er trotz seiner jagdlichen Ausbildung nicht zu wissen, was der Jagdterrier-Club mit den Füchsen macht. Zum Abschluss des Gesprächs droht er dem Aktionsbündnis mit rechtlichen Schritten, sollten sie versuchen eine Beziehung zwischen dem Jagdterrier-Club und dem Wildpark zu „konstruieren“. Man ist sich also dort offensichtlich bewusst, dass eine Verbindung zu den Betreibern von Schliefanlagen bei Besuchern des Parks nicht gut ankäme.

All das ändert nichts an der Tatsache, dass zwei der im Hochwildschutzpark Rheinböllen lebenden und dort Besuchern zur Schau gestellten Füchse mehrere Wochen im Jahr die Tortur erdulden müssen, Angesicht zu Angesicht ihren Todfeinden Jäger und Jagdhund ausgesetzt zu sein – mit dem einzigen Ziel, Jagdhunde für die nicht minder grausame, sinnlose und in veterinärmedizinischen Gutachten als „hochgradig tierquälerisch“ bewertete Baujagd abzurichten.

Tier- und Naturschutzverbände fordern Schließung der Schliefanlage
„Wir fordern den Hochwildschutzpark Hunsrück auf, sich nicht länger zum Erfüllungsgehilfen rückwärtsgewandter Hobbyjäger zu machen“, erklärt Dag Frommhold, einer der Initiatoren des von mehr als 60 Organisationen unterstützen Aktionsbündnis Fuchs. „Ein Wildpark sollte nicht gestatten, dass bei ihm untergebrachte Füchse für tierquälerische Jagdpraktiken missbraucht werden. Darüber hinaus fordern wir Dr. Marlon Bröhr, den Landrat des Rhein-Hunsrück-Kreises, dazu auf, die Schliefanlage des Deutschen Jagd Terrier Club e.V. in Simmern aus Tierschutzgründen umgehend zu schließen und die beiden Füchse in die dauerhafte Obhut einer verantwortungsvollen Stelle zu übergeben.“

Weitere Infos zum Aktionsbündnis Fuchs unter www.aktionsbuendnis-fuchs.de.

* Der Rotfuchs (Vulpes vulpes) ist der einzige mitteleuropäische Vertreter der Füchse und wird daher meistens als „der Fuchs“ bezeichnet. Er ist in Europa der häufigste Wildhund. Der Silberfuchs ist eine Farbvariante beim Rotfuchs(Quelle: Wikipedia)

Veröffentlicht in: Aktuell, Tier-/Naturschutz