Boppard. Die Diskussion um soge­nann­te Hybridhunderassen, auch ‚Designer-Hunde‘ genannt, ist ein Thema, das Tierschützer, Züchter und Hundeliebhaber glei­cher­ma­ßen beschäf­tigt. Die zen­tra­le Frage lau­tet: Ist es ver­tret­bar, Hybridhunderassen wie den Pomsky (Husky und Zwergspitz), den Labradoodle (Labrador und Pudel) oder den Goldendoodle (Golden Retriever und Pudel) „für den Markt“ zu desi­gnen, und wird dabei das Tierwohl aus­rei­chend berück­sich­tigt? Es ist ver­tret­bar, Hunde mit Blick auf Gesundheit, Wesen und all­tags­taug­li­che Eigenschaften zu züch­ten – nicht für Trends, son­dern für Lebensqualität. Ethisch wird es dort, wo Zuchtziele mess­bar sind (robus­te Gesundheit, ner­ven­star­kes Wesen), Elterntiere umfas­send getes­tet wer­den, Aufzucht sozi­al geprägt ist, Rücknahmegarantie besteht und das Wohlergehen über Vermarktung steht. Unvertretbar ist es, wenn Optik und Hype Vorrang haben, wenn Welpen wie Produkte kal­ku­liert wer­den und wenn Transparenz, Gesundheitstests und lebens­lan­ge Verantwortung fehlen.

Die Befürworter
HybridhundeAuf der einen Seite ste­hen die Befürworter. Sie argu­men­tie­ren, dass die Kreuzung zwei­er Rassen die posi­ti­ven Eigenschaften bei­der Elterntiere ver­ei­nen und gleich­zei­tig gene­ti­sche Krankheiten redu­zie­ren kann, die bei rei­nen Rassen durch Inzucht oft ver­brei­tet sind. Das Konzept der Heterosis, oder auch ‚Hybrid-Vigor‘, beschreibt genau die­sen Effekt: Eine höhe­re gene­ti­sche Vielfalt führt oft zu wider­stands­fä­hi­ge­ren und gesün­de­ren Nachkommen. So wird etwa oft behaup­tet, dass Doodles weni­ger haa­ren und gleich­zei­tig das freund­li­che Wesen des Labradors oder Golden Retrievers besitzen.

Die Kritiker
Auf der ande­ren Seite ste­hen die Kritiker, die erheb­li­che Bedenken äußern. Sie beto­nen, dass das Ergebnis einer Kreuzung kaum vor­her­seh­bar ist. Es ist unmög­lich zu garan­tie­ren, wel­che Merkmale sich durch­set­zen – sei es im Aussehen, im Charakter oder in der Gesundheit. Ein ‚Pomsky‘ etwa könn­te das anspruchs­vol­le Wesen des Huskys mit der gerin­gen Größe des Zwergspitz kom­bi­nie­ren, was zu einem Hund führt, des­sen Energiebedarf kaum zu decken ist.

Ein wei­te­rer kri­ti­scher Punkt ist die feh­len­de Kontrolle. Im Gegensatz zur Zucht aner­kann­ter Rassen gibt es bei Hybridrassen oft kei­ne stren­gen Standards oder Zuchtverbände, die die Elterntiere auf Erbkrankheiten prü­fen oder die Zuchtbedingungen über­wa­chen. Dies kann unse­riö­se Züchter anzie­hen, die aus rei­ner Profitgier agie­ren, ohne auf das Wohl der Tiere zu ach­ten. Bei eini­gen Kreuzungen, wie dem Pomsky, ist der Größenunterschied der Elterntiere so extrem, dass eine natür­li­che Fortpflanzung unmög­lich ist und künst­li­che Befruchtung ein­ge­setzt wer­den muss – eine Praxis, die von vie­len als Qualzucht ange­se­hen wird.

Durch Kreuzungen gesün­de­re Hunde zu züch­ten, hat durch­aus ihre Berechtigung. Solange dies jedoch ohne Regulierung und stren­ge Kontrollen geschieht, bleibt die Frage, ob das Tierwohl nicht auf der Strecke bleibt. Benötigt man soge­nann­te ‚Designer-Hunde‘ – muss der Mensch sich Tiere nach sei­nen Vorstellungen oder Bequemlichkeiten erschaf­fen, etwa einen Hund, der weni­ger oder über­haupt nicht haart? Letztlich sind die­se Hunde für uns Konsumenten geschaf­fen wor­den, um einem Trend nach­zu­ge­hen. Ein Hund aus dem Tierschutz oder von einem Züchter, der auf Gesundheitstests und art­ge­rech­te Haltung ach­tet, ist doch eher die bes­se­re Wahl. [Stefan Richter]

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