Tierärzte war­nen vor zu vie­len Futterwechseln bei Hunden und Katzen

Ständig neue Futtersorten, Functional Snacks, Öle, Darmkuren und Social-Media-Tipps: Die Ernährung von Hunden und Katzen wird zuneh­mend zum Optimierungsprojekt. Was vie­le Tierhalter gut mei­nen, kann den Organismus jedoch über­for­dern. Experten beob­ach­ten, dass Tiere heu­te häu­fi­ger umge­stellt, ergänzt und „behan­delt“ wer­den als noch vor weni­gen Jahren. Und das häu­fig ohne aus­rei­chen­de Stabilisierung zwi­schen den Maßnahmen. Gleichzeitig wächst der Markt für Tier-Supplements welt­weit rasant. Laut Daten der American Pet Products Association geben bereits 53 Prozent der Hundehalter Nahrungsergänzungsmittel, die Nutzung ist seit 2018 um 56 Prozent gestie­gen. Aus Sicht der Experten steigt damit auch das Risiko, meh­re­re Produkte gleich­zei­tig ein­zu­set­zen oder häu­fi­ger zwi­schen Futtersorten zu wech­seln. Die Folgen kön­nen Verdauungsprobleme, unspe­zi­fi­sche Beschwerden und zuneh­men­de Unsicherheit bei Haltern sein. Tierarzt Thomas Backhaus und Tierheilpraktikerin Ines Mart von ‚Das Gesunde Tier‘ erklä­ren, war­um bio­lo­gi­sche Anpassungsprozesse Zeit brau­chen, wes­halb stän­di­ge Futterwechsel pro­ble­ma­tisch sein kön­nen und war­um nicht jeder Ernährungstrend auto­ma­tisch gesund ist.

Berlin. Tierhalter beschäf­ti­gen sich heu­te inten­si­ver mit Ernährung, Darmgesundheit und Nahrungsergänzung als jemals zuvor. Gleichzeitig wächst jedoch die Verunsicherung. Kaum ein Bereich wird in sozia­len Medien der­zeit so emo­tio­nal dis­ku­tiert wie Tierernährung: hypo­aller­ge­nes Futter, Darmaufbau, Functional Snacks, Öle, Kräuter, Pilze oder Nahrungsergänzungen für Fell, Gelenke und Immunsystem. Viele Hunde und Katzen wer­den des­halb regel­mä­ßig umge­stellt, ergänzt oder mit immer neu­en Konzepten gefüt­tert. Aus Sicht der Experten von ‚Das Gesunde Tier‘ ent­steht dadurch jedoch zuneh­mend ein Problem: per­ma­nen­ter „Gesundheitsstress“ für den Organismus.

Mit Gesundheitsstress mei­nen die Experten die Summe häu­fi­ger Futterwechsel, wech­seln­der Nahrungsergänzungen und stän­dig neu­er Gesundheitsmaßnahmen, die dem Organismus kaum Zeit zur Anpassung las­sen. „Viele Tierhalter möch­ten ihrem Tier mög­lichst schnell hel­fen. Das Problem ist nur: Der Organismus funk­tio­niert nicht wie ein Schalter“, erklärt Tierarzt Thomas Backhaus, Experte für inte­gra­ti­ve Tiermedizin. Basierend auf über 50 Jahren tier­ärzt­li­cher Praxiserfahrung beob­ach­tet er zuneh­mend, dass Tiere häu­fi­ger umge­stellt, ergänzt und „opti­miert“ wer­den als frü­her. Viele kör­per­li­che Prozesse wür­den ver­zö­gert ablau­fen und benö­tig­ten Stabilität statt stän­di­ger Veränderungen. „Der größ­te Denkfehler ist oft die Vorstellung: Ein Produkt rein – ein Problem raus“, ord­net der Tierarzt ein. Gerade chro­ni­sche Beschwerden sei­en meist deut­lich kom­ple­xer und ent­stün­den über län­ge­re Zeiträume.

Tierheilpraktikerin Ines Mart - Das Gesunde TierAuch Ines Mart, Tierheilpraktikerin und Leiterin der Ernährungsberatung von ‚Das Gesunde Tier‘, beob­ach­tet zuneh­mend unrea­lis­ti­sche Erwartungen an Futter und Nahrungsergänzungen. „Viele bio­lo­gi­sche Prozesse lau­fen ver­zö­gert ab. Gerade bei chro­ni­schen Problemen sehen wir oft erst nach meh­re­ren Wochen sta­bi­le Veränderungen. Nahrungsergänzungen wir­ken nicht wie ein Schalter, son­dern eher unter­stüt­zend über län­ge­re Zeiträume“, erläu­tert Ines Mart.

Häufige Futterwechsel sind meist problematisch
Nach Einschätzung der Experten hat die Häufigkeit von Futterwechseln in den ver­gan­ge­nen Jahren deut­lich zuge­nom­men. Eine inter­ne Auswertung von 500 Ernährungsberatungen aus dem Zeitraum 2024 bis 2026 zeigt zudem: Bei 68 Prozent der Hunde mit chro­ni­schen Verdauungsproblemen, die zur Beratung vor­ge­stellt wur­den, wur­den in den sechs Monaten vor der Beratung min­des­tens drei ver­schie­de­ne Futtersorten aus­pro­biert. Gründe sei­en vor allem Social Media, Influencer-Empfehlungen, die enor­me Produktauswahl und der Wunsch vie­ler Halter, mög­lichst schnell auf Beschwerden zu reagieren.

Tierarzt Thomas Backhaus - Das Gesunde Tier„Wir beob­ach­ten zuneh­mend, dass Tiergesundheit ähn­lich behan­delt wird wie mensch­li­che Selbstoptimierung – mit stän­dig neu­en Trends, Superfoods, Supplements und schnel­len Lösungen“, erklärt Ines Mart. Dadurch ent­ste­he häu­fig ein per­ma­nen­ter Wechsel zwi­schen Futtersorten, Snacks, Nahrungsergänzungen und Gesundheitsmaßnahmen – oft ohne aus­rei­chen­de Zeit für ech­te Stabilisierung. Für den Organismus bedeu­te jede Umstellung jedoch zunächst Anpassungsarbeit. Verdauung, Enzymaktivität, Darmflora und Stoffwechselprozesse müss­ten sich neu regu­lie­ren. „Viele spre­chen immer nur vom Darm. In der Praxis sehen wir aber häu­fig, dass Magen und Bauchspeicheldrüse die eigent­li­chen Engpässe bei Futterumstellungen sind“, erläu­tert Tierarzt Thomas Backhaus. Erste Veränderungen wie ver­än­der­te Kotkonsistenz, erhöh­ter Kotabsatz oder vor­über­ge­hen­de Zurückhaltung beim Fressen sei­en des­halb zunächst nicht auto­ma­tisch nega­tiv zu bewer­ten. „Gerade wenn ein Hund vor­her lan­ge sehr stark ver­ar­bei­te­te Nahrung oder Produkte mit vie­len Geschmacksverstärkern bekom­men hat, sehen wir manch­mal, dass hoch­wer­ti­ge­re und natür­li­che­re Rezepturen anfangs nicht sofort begeis­tert ange­nom­men wer­den“, erklärt Tierarzt Thomas Backhaus. Viele Tierhalter wür­den neue Futtersorten jedoch bereits nach weni­gen Tagen wie­der wech­seln. Aber: „Viele Tierhalter wech­seln heu­te das Futter schnel­ler, als der Organismus über­haupt reagie­ren kann“, ver­deut­licht Ines Mart.

Social Media schafft Aufmerksamkeit –
ver­ein­facht aber kom­ple­xe Prozesse
Grundsätzlich beob­ach­ten die Experten posi­tiv, dass sich immer mehr Halter aktiv mit hoch­wer­ti­ger Ernährung und Tiergesundheit beschäf­ti­gen, um ihren Vierbeinern etwas Gutes zu tun. Gleichzeitig wer­de es durch die Vielzahl an Informationen in sozia­len Medien schwie­ri­ger, fach­lich fun­dier­te Empfehlungen von Marketing und Trends zu unter­schei­den. Dort wür­den häu­fig ein­zel­ne Produkte als schnel­le Lösung für kom­ple­xe gesund­heit­li­che Probleme dar­ge­stellt. „In sozia­len Medien wer­den kom­ple­xe gesund­heit­li­che Zusammenhänge häu­fig stark ver­ein­facht dar­ge­stellt. Das kann pro­ble­ma­tisch wer­den, wenn kom­ple­xe gesund­heit­li­che Prozesse auf ein­zel­ne Produkte redu­ziert wer­den“, erklärt Tierarzt Thomas Backhaus. Dabei kön­ne ein Ernährungskonzept, das bei einem jun­gen, gesun­den Hund funk­tio­nie­re, bei einem Senior, Allergiker oder chro­nisch kran­ken Tier unge­eig­net sein. Alter, Vorgeschichte, Medikamente, Darmzustand, Parasitenstatus und Stoffwechsel müss­ten immer indi­vi­du­ell betrach­tet wer­den. „Unser Ansatz ist des­halb immer, Ernährung indi­vi­du­ell und im Gesamtkontext des Tieres zu betrach­ten – statt Trends oder pau­scha­le Empfehlungen unre­flek­tiert zu über­neh­men“, erläu­tert Ines Mart.

Auch Nahrungsergänzungsmittel müs­sen kon­trol­liert gege­ben werden
Untersuchung Hund_c Das Gesunde TierAuch der Einsatz von Nahrungsergänzungsmitteln nimmt nach Beobachtung von ‚Das Gesunde Tier‘ deut­lich zu. Besonders gefragt sei­en Produkte rund um Verdauung, Darmgesundheit, Gelenke und täg­li­che Gesundheitsunterstützung. Grundsätzlich könn­ten Ergänzungsfuttermittel in bestimm­ten Situationen sinn­voll sein, etwa im Wachstum, bei hoher Belastung oder beglei­tend bei chro­ni­schen Beschwerden. „Entscheidend ist jedoch, dass sie gezielt, qua­li­ta­tiv hoch­wer­tig und bio­lo­gisch nach­voll­zieh­bar ein­ge­setzt wer­den“, erklärt Tierarzt Thomas Backhaus. Kritisch sehen die Experten vor allem den Trend, immer mehr Produkte gleich­zei­tig „auf Verdacht“ ein­zu­set­zen. Denn auch hoch­wer­ti­ge Inhaltsstoffe könn­ten nur dann sinn­voll ver­wer­tet wer­den, wenn Verdauung und Aufnahmefähigkeit des Organismus funk­tio­nier­ten. „Ist die Verdauung gestört, kann dies die Aufnahme und Verwertung von Nährstoffen deut­lich beein­träch­ti­gen“, erläu­tert Ines Mart. Hinzu kom­me nach Einschätzung der Experten, dass vie­le stark bewor­be­ne Produkte bio­lo­gisch kaum rele­van­te Effekte erzie­len könn­ten. „Gerade Functional Snacks ver­mit­teln häu­fig den Eindruck eines star­ken gesund­heit­li­chen Nutzens. Nicht jedes Produkt ent­hält die ein­ge­setz­ten Inhaltsstoffe jedoch in Mengen, die aus Sicht der Experten einen rele­van­ten Beitrag leis­ten kön­nen“, ord­net Tierarzt Thomas Backhaus ein.

Stabilität statt täg­li­cher Gesundheitsrevolution
Aus Sicht der Experten liegt die eigent­li­che Herausforderung des­halb nicht dar­in, mög­lichst vie­le Produkte ein­zu­set­zen, son­dern dar­in, den Organismus lang­fris­tig zu sta­bi­li­sie­ren. „Manche Tiere erle­ben heu­te regel­rech­ten Gesundheitsstress durch stän­dig neu­es Futter, häu­fi­ge Wechsel und immer neue Maßnahmen“, erklärt Tierarzt Thomas Backhaus. Gerade bei chro­ni­schen oder emp­find­li­chen Tieren benö­ti­ge der Organismus Zeit, Rhythmus und nach­voll­zieh­ba­re Strukturen. „Der Darm braucht kei­ne täg­li­che Revolution, son­dern Stabilität“, betont er. Deshalb emp­feh­len die Experten, Futterumstellungen und Nahrungsergänzungen nicht impul­siv, son­dern gezielt und mit aus­rei­chen­der Beobachtungszeit umzu­set­zen. „Aus unse­rer Sicht soll­te nur umge­stellt wer­den, wenn es dafür einen nach­voll­zieh­ba­ren Grund gibt“, fasst Tierarzt Thomas Backhaus zusam­men. So schließt er: „Manchmal ist die bes­te Gesundheitsmaßnahme nicht die nächs­te Veränderung, son­dern etwas mehr Geduld.“

Über das ‚Das Gesunde Tier‘ 
‚Das Gesunde Tier‘ steht für ganz­heit­li­che Tiergesundheit mit Schwerpunkt auf Ernährung, Darmgesundheit und indi­vi­du­el­ler Beratung. Das Unternehmen bie­tet Futter, Ergänzungsfuttermittel, Pflegeprodukte, Test-Kits und digi­ta­le Beratungsangebote für Hunde, Katzen und Pferde an. Grundlage ist das von Tierarzt Thomas Backhaus ent­wi­ckel­te 5‑E™ Gesundheitskonzept, das Tiergesundheit nicht iso­liert betrach­tet, son­dern Ernährung, Darm, Organzusammenhänge und indi­vi­du­el­le Bedürfnisse zusam­men­denkt. ‚Das Gesunde Tier‘ greift dabei auf über 50 Jahre Tierarzt-Erfahrung, ein inter­dis­zi­pli­nä­res Expertenteam und eine eige­ne Tierarztpraxis zurück. Über DGT MEDICAL bie­tet das Unternehmen zudem indi­vi­du­el­le Online-Tierarzt- und Ernährungsberatung an. Die Produkte wer­den in Deutschland ent­wi­ckelt und her­ge­stellt und rich­ten sich an Tierhalter, die Gesundheit, Fütterung und Alltag ihres Tieres ganz­heit­lich unter­stüt­zen möch­ten. Weitere Informationen unter: www​.das​ge​sun​de​tier​.de.

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