Wie die jüngs­ten Familienmitglieder sich anein­an­der gewöhnen

Düsseldorf. Es ist eine Traumvorstellung vie­ler Eltern: Hund und Kind bil­den ein ver­trau­tes Team und meis­tern den Alltag gemein­sam. Grundlegende Voraussetzung dafür ist, dass der Kontakt zwi­schen Vier- und Zweibeinern päd­ago­gisch beglei­tet wird. Denn Hunde fin­den so man­che kind­li­che Annäherung über­grif­fig – und Kinder müs­sen erst ler­nen, die fei­nen Signale ihres Gegenübers zu ver­ste­hen. Mit guter Planung, kla­ren Regeln und viel Geduld kann aber eine Beziehung ent­ste­hen, die ein Tierleben lang hält.

Das ein­ge­spiel­te Duo aus Kind und Hund ent­steht nicht über Nacht, son­dern ent­wi­ckelt sich mit jeder posi­ti­ven gemein­sa­men Erfahrung. Die Erwachsenen haben dabei die Verantwortung, bei­de Seiten zu schüt­zen und anzu­lei­ten. Diese Mühe wird sich lang­fris­tig loh­nen: „Kinder ler­nen durch Hunde Rücksichtnahme und Empathie“, sagt Dr. Barbara Schöning, Vorsitzende der Gesellschaft für Tierverhaltensmedizin und ‑the­ra­pie (GTVMT). „Und Hunde pro­fi­tie­ren von kla­ren Strukturen und die meis­ten genie­ßen Aufmerksamkeit – eine ech­te Win-win-Situation.“

Tipp 1: Guten Umgang mit Hunden vorleben
Familie mit HundWenn Kinder einen Hund strei­cheln möch­ten, soll­ten Erwachsene die Situation aktiv beglei­ten – egal, ob es sich um den eige­nen Familienhund oder ein Tier han­delt, das man unter­wegs trifft. Die Erwachsenen müs­sen dar­auf ach­ten, dass bei­de in einem siche­ren Umfeld sind. Wichtig ist, dass der Hund jeder­zeit aus­wei­chen kann und nicht fest­ge­hal­ten oder bedrängt wird. Kinder ler­nen das am bes­ten durch Vorleben: Ruhige Bewegungen, lei­se Stimmen und ein respekt­vol­ler Abstand geben dem Hund Sicherheit. Idealerweise nähert man sich seit­lich und lässt den Vierbeiner ent­schei­den, ob er Kontakt auf­neh­men möch­te. „Ein Hund soll­te nie­mals zum Kontakt gezwun­gen wer­den – weder durch Erwachsene noch durch Kinder“, betont auch Dr. Schöning. „Freiwilligkeit und Respekt für indi­vi­du­el­le Grenzen sind die Grundlagen für Vertrauen.“

Tipp 2: Klare Regeln auf­stel­len, die Kinder umset­zen können
Kinder pro­fi­tie­ren von ein­fa­chen Anleitungen, die sie über eini­ge Wiederholungen ler­nen und ver­in­ner­li­chen. Dazu gehört zum Beispiel, den Hund erst zu fra­gen, ob er gera­de Kontakt möch­te. Das kann ver­bal funk­tio­nie­ren, oder auch still und lei­se, indem man ruhig die Hand hin­hält. Zudem soll­te das Kind ler­nen, den Hund seit­lich an Schulter oder Brust zu strei­cheln und nicht von oben über den Kopf zu grei­fen. Ist der Vierbeiner gera­de beim Fressen, Schlafen oder zieht sich zurück, soll­te er in Ruhe gelas­sen werden.

Regeln wie die­se hel­fen nicht nur den Kindern zu ler­nen, wie sie Verantwortung für ihr Handeln über­neh­men kön­nen, son­dern geben dem Hund auch Orientierung im Alltag.

Tipp 3: Hundesprache für das Kind übersetzen
Hunde kom­mu­ni­zie­ren über­wie­gend über Körpersprache – und die­se soll­ten Kinder lesen ler­nen. „Fühlt der Hund sich wohl, zeigt sich das etwa durch eine locke­re Körperhaltung, ent­spann­te Gesichtszüge und even­tu­ell leich­tes Wedeln mit der Rute. Bleibt er frei­wil­lig in der Nähe oder sucht sogar selbst Kontakt, ist das eben­falls ein gutes Zeichen“, erklärt die Expertin.

Stress und Unbehagen zei­gen sich dage­gen sub­ti­ler. „Mal wen­det der Hund den Kopf ab, wirkt ange­spannt oder leckt sich häu­fig über die Schnauze. Aber auch schein­bar ent­spann­te Gesten wie auf­fäl­li­ges Gähnen kön­nen ein Stresssignal sein. Entscheidend ist immer, die gesam­te Körpersprache zu beach­ten, um die Situation ein­zu­ord­nen“, sagt Dr. Schöning. Klare Stoppsignale sind etwa ein ein­ge­zo­ge­ner Schwanz oder wenn der Hund ver­sucht, sich aus der Situation zurück­zu­zie­hen. Auch gut sozia­li­sier­te Hunde benö­ti­gen ihre Pausen und Rückzugsorte, die für Kinder tabu sind.

Tipp 4: Hunde behut­sam an Kinderhände gewöhnen
Junge umarmt HundKinder müs­sen das rich­ti­ge Streicheln erst ler­nen. Insbesondere Babys und Kleinkinder berüh­ren oft unko­or­di­niert, grei­fen also zu fest zu oder bewe­gen sich ruck­ar­tig. Um Hunde dar­auf vor­zu­be­rei­ten, emp­fiehlt sich ein schritt­wei­ses Training in ruhi­ger Umgebung. Kurze Übungseinheiten hel­fen, Vertrauen auf­zu­bau­en. So kön­nen Erwachsene zum Beispiel selbst zunächst sanf­te­re und dann etwas unge­schick­te­re Berührungen simu­lie­ren und den Hund dafür beloh­nen, wenn er ruhig bleibt.

Hilfreich ist zudem, Berührungen durch das Kind mit Positivem zu ver­knüp­fen, etwa einem Leckerli oder ruhi­gen, freund­li­chen Worten. Dabei soll­te man aber dar­auf ach­ten, dass der Hund zum Beispiel durch das Leckerli nicht zu hek­tisch und auf­ge­regt wird. So lernt er, dass Nähe zu Kindern nichts Bedrohliches ist.

Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V.

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