Wie Erziehung spielerisch gelingt

Düsseldorf. Mit dem Welpen mona­te­lang in der Hundeschule üben? Das muss nicht unbe­dingt sein. Sicherlich ist es gera­de dann, wenn man erst­mals Hundehalter ist, eine sinn­vol­le Überlegung, die Grundkenntnisse in einer Hundeschule zu erler­nen. Ebenso wich­tig ist aber, das Erlernte gleich in den neu­en Alltag mit Vierbeinern zu inte­grie­ren. Oft sind es die klei­nen, regel­mä­ßig wie­der­hol­ten Übungen, die ent­schei­dend dazu bei­tra­gen, dass ein Hund gelas­sen und auf­merk­sam bleibt.

Ob beim Spaziergang, im Haus oder beim Autofahren – jeder Moment im Zusammenleben mit einem Hund kann Teil des Trainings sein. „Erziehung funk­tio­niert am bes­ten, wenn sie selbst­ver­ständ­lich in den Alltag inte­griert wird“, erklärt Verena Helfrich, lang­jäh­ri­ge Hundetrainerin und Buchautorin. „Kurze, wie­der­keh­ren­de Übungen för­dern die Aufmerksamkeit des Hundes und kön­nen gleich­zei­tig die Bindung zum Halter stärken.“

Alltagssituationen bie­ten Lernchancen und Sicherheit
HundetrainingHunde ler­nen am bes­ten in ihrem gewohn­ten Umfeld. Wer all­täg­li­che Situationen nutzt, schafft Klarheit und hilft dem Vierbeiner, das Gelernte mit dem Alltag zu ver­knüp­fen. Strukturierte Abläufe bie­ten dabei außer­dem Sicherheit und Orientierung. Das Training erfor­dert aber auch Konsequenz: Das Gelernte ver­fes­tigt sich nur, wenn iden­ti­sche Übungen mit gleich­blei­ben­den Inhalten wie­der­holt wer­den. Der Hund weiß bald, was in wel­cher Situation von ihm erwar­tet wird und wie wie­der­keh­ren­de Kommandos gemeint sind.

Schon weni­ge Minuten auf Spaziergängen oder unter­wegs rei­chen aus, um wich­ti­ge Grundfähigkeiten zu trainieren:

  • Sitz und Bleib: Im Alltag ist es in vie­len Situationen hilf­reich, wenn ein Hund ruhig an einer Stelle bleibt und sich hin­setzt oder ‑legt. Sei es beim Warten an einer Ampel, wäh­rend eines Cafébesuchs oder als Mitfahrer in Auto oder Bahn. Grundlegende Signalwörter wie „Sitz“ oder „Bleib“ bringt man ihm am bes­ten in Ruhe zu Hause oder in der Hundeschule bei – eben­so wie ein Signal, dass er sich wie­der bewe­gen darf. In den tat­säch­li­chen Alltagssituationen fes­tigt sich das Verhalten dann, und man soll­te loben, wenn der vier­bei­ni­ge Gefährte wie gewünscht sit­zen­bleibt und war­tet, bis das Signal zum Weitergehen kommt.
  • Rückruf: Ein wei­te­res wich­ti­ges Element, einen Hund zu kon­trol­lie­ren, ist ein Rückrufsignal, auf das er sofort reagiert und ange­lau­fen kommt. Das kann ein Signalwort sein, aber auch ein gleich­blei­ben­des und ein­deu­ti­ges Geräusch wie ein Pfiff mit Mund oder Hundepfeife. Zu Beginn benö­ti­gen vie­le Tiere ruhi­ge und reiz­ar­me Orte, um sich auf das Geräusch zu kon­zen­trie­ren. Durch posi­ti­ve Verstärkung wie Lob oder Leckerli ver­knüpft sich das Verhalten mit dem Signal. Aber auch dann, wenn der Vierbeiner die Übung schein­bar per­fekt beherrscht, soll­te sie regel­mä­ßig wie­der­holt und er ent­spre­chend belohnt wer­den – damit der Rückruf gera­de auch in lau­ten Umgebungen funk­tio­niert oder wenn der Hund gera­de abge­lenkt ist.
  • Leinenführigkeit: Leinenführigkeit bedeu­tet, dass ein Hund an locke­rer Leine ent­spannt neben sei­nem Menschen läuft und sich an die­sem ori­en­tiert, statt selbst in eine Richtung zu zie­hen. Um das zu trai­nie­ren, bie­ten sich regel­mä­ßi­ge Übungseinheiten an, bei denen der Vierbeiner stets auf­merk­sam blei­ben muss. Folgt er wie gewünscht, soll­te er gelobt werden.
  • Gewöhnung an Berührungen: Sowohl bei der Pflege zu Hause als auch bei Besuchen beim Tierarzt oder Hundefriseur ist es wich­tig, dass das Heimtier dar­an gewöhnt ist, an emp­find­li­chen Stellen wie Ohren oder Pfoten berührt zu wer­den. Durch regel­mä­ßi­ge Wiederholungen stellt sich eine Routine ein.
  • Gemeinsames Spiel: Spielen klingt zunächst ein­mal nicht nach Training. Tatsächlich las­sen sich dabei aber vie­le Kommandos ganz natür­lich üben und in den Alltag inte­grie­ren. Bei der soge­nann­ten Nasenarbeit, wenn der Hund ein Objekt mit einem bestimm­ten Geruch erschnüf­feln soll, wird er men­tal gefor­dert. Dazu eig­nen sich etwa Teebeutel. Auch Apportieren berei­tet vie­len Hunden Spaß und lässt sich ein­fach in die Gassirunde einplanen.

Der Hund lernt also umso bes­ser, je spie­le­ri­scher und unbe­schwer­ter das Training gestal­tet ist. „Wichtig ist, regel­mä­ßig zu üben, statt lan­ge Einheiten anzu­set­zen. Fünf Minuten pro Tag sind oft wir­kungs­vol­ler als eine Stunde am Wochenende“, sagt Expertin Helfrich. „Das Schöne ist: Training im Alltag erfor­dert sel­ten viel zusätz­li­che Zeit – man muss nur die Gelegenheiten erken­nen und nutzen.“

Industrieverband Heimtierbedarf (IVH) e. V.