Warum beim Spiel mit dem Ball die richtige Dosierung entscheidend ist
von Susanne Reinke
Gemeinsames Spielen mit deinem Hund ist immer etwas Besonderes. Es schafft schöne Erinnerungen, tut euch beiden gut und lastet deinen Hund aus. Ein Spiel, an das die meisten sofort denken: das Bällchenwerfen. Was es dabei zu beachten gibt und warum Bälle schnell zu einer „Droge“ für deinen Hund werden können, möchte ich dir im heutigen Beitrag zeigen.
Warum Bällchenwerfen ein Problem werden kann
Auf den ersten Blick scheint das Bällchenwerfen die perfekte Beschäftigung zu sein: Dein Hund kann rennen und sich dabei so richtig auspowern. Weil er toben und all seine Energie in das Rennen und Fangen des Bällchens stecken kann, müsste er für ein anschließendes Training doch eigentlich ansprechbar, konzentriert und entspannt sein.

Einem Ball hinterherzurennen und ihn zu fangen, ist ein großartiges Gefühl. Es ist wie das Jagen von Wild und macht ihm großen Spaß – wie bei Übungen, nach denen er belohnt wird, möchte er auch hier das Verhalten wiederholen. Sein Körper schüttet eine ganze Menge Dopamin aus, wenn er einen Ball verfolgen und fangen kann. Dopamin ist ein Glückshormon – eigentlich etwas Positives – und dass dein Hund immer mehr Bällchen holen möchte, zeigt doch nur, dass es ihm Spaß macht. Oder?
Das stimmt zwar, doch leider geht für deinen Hund neben diesem Gefühl alles andere verloren: Er wird süchtig nach den stimulierenden Hormonen und interessiert sich nicht mehr für andere Reize oder seine Umgebung. Sein ganzer Fokus liegt auf der „Droge Ball“. Er denkt beim Spielen auch nicht mehr darüber nach, ob das, was er gerade tut, gefährlich werden könnte. Dann kann es passieren, dass er stolpert, hinfällt oder mit Bäumen oder Ähnlichem zusammenstößt, weil er nur noch Augen für den Ball hat und wie blind durch die Welt hetzt.
Ist dein Hund zum Balljunkie geworden, geht es für ihn auch nicht mehr darum, mit dir gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen – plötzlich bist du nur noch der „Ball-Dealer“. Beendest du das Spiel oder fängst es gar nicht erst an, wenn dein Hund fest damit rechnet, kann es schnell passieren, dass er vor lauter Frust bellend um dich herumhüpft, bis du endlich den Ball rausholst.
Nie wieder Bällchen?

Gemeinsam spielen statt „Ball-Dealer“ sein
Es gibt außerdem viele Übungen, mit denen du das klassische Bällchenwerfen ersetzen kannst – am besten solche, bei denen dein Hund seinen Kopf so richtig anstrengen muss! Das lastet ihn aus, macht ihn glücklich und sorgt zudem dafür, dass er ansprechbar und in Gedanken bei dir bleibt. So bist du nicht mehr nur der „Ball-Dealer“, sondern ein Freund, mit dem dein Hund gerne zusammen Spaß hat.
Übungen, die sich dafür besonders gut eignen, sind etwa die große und kleine Suche aus dem Dummytraining, bei denen es darum geht, dass dein Hund etwas findet, das du vorher für ihn versteckt hast. Aber keine Sorge, auch wenn du mit Dummytraining bisher nichts am Hut hattest, kannst du natürlich trotzdem einfach einen Gegenstand für deinen vierbeinigen Freund verstecken.
Wichtig zu beachten: Damit dein Hund sich hierbei tatsächlich anstrengen muss, sollte er wirklich mit der Nase suchen und nicht mit den Augen finden. Lege die Dummys, Bällchen, Futterbeutel oder was auch immer du benutzen möchtest, also am besten dort aus, wo dein Hund sie nicht sofort entdeckt.
Du kannst diese Dinge zum Beispiel in hohem Gras verstecken oder verdeckt auf einen Holzhaufen legen und deinem Hund die Aufgabe geben, sie herunterzuholen. So hat er Spaß, muss sich aber gleichzeitig konzentrieren und nachdenken.

Setze deinen Hund ab und lege etwas Spannendes vor ihm aus. Entferne dich dann circa 10 Meter und rufe ihn heran. Wenn er das gut gemacht hat, kannst du ihn abschließend zum ausgelegten Gegenstand rennen lassen. So kann er rennen, suchen und finden, ohne zu hetzen und unkontrolliert herumzurennen.
Fazit
Findet das Bällchenwerfen ohne feste Regeln und in einer Dauerschleife statt, kann dein Hund schnell zum Balljunkie werden und du selbst ganz unbewusst und ungewollt zum „Ball-Dealer“. Dennoch müssen Bälle oder auch Ballschleudern nicht aus eurem Leben verschwinden. Wenn man sie bewusst und fokussiert einsetzt, unterstützen sie das Training und werden zu hilfreichen Werkzeugen.
Alternativ zum Bällchenwerfen kannst du auf Übungen zurückgreifen, bei denen dein Hund mehr nachdenken muss, anstatt nur zu reagieren. So habt ihr nicht nur Spaß, sondern du powerst ihn auch aus. Du kannst hier richtig kreativ werden und viel Bewegung in die Übungen einbauen, solange aus Rennen und Toben kein Hetzen und Jagen wird. Ideal dafür ist etwa unser kostenloses Starter-Kit, das dir und deinem Hund beim Einstieg hilft und eine Grundlage für künftiges Training schafft.
Hier findest du die passenden Podcastfolgen zum Thema: Bällchenwerfen ist keine Auslastung.
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