Mit Alltagsübungen in klei­nen Schritten
zu gro­ßer Gelassenheit von Susanne Reinke

Im letz­ten Beitrag hast du die „Dos“ und „Don’ts“ der Wasserarbeit ken­nen­ge­lernt und bist jetzt pri­ma aus­ge­stat­tet für jeg­li­che Wasserabenteuer mit dei­nem Hund.

Alltagsübungen für JederhundWasserabenteuer – die klin­gen zwar groß­ar­tig, du bleibst aber doch lie­ber auf dem Trockenen? Oder hört Schwimmen sich jetzt, wo es immer käl­ter wird, ein­fach nicht beson­ders ver­lo­ckend an? Kein Problem: Genau hier­für stel­le ich dir heu­te die Alltagsübungen für Jederhund vor! Mit die­sen habt ihr auf euren Spaziergängen oder zu Hause vie­le Möglichkeiten, gemein­sam Spaß zu haben und gleich­zei­tig wich­ti­ge Kommandos und Übungen zu trai­nie­ren. Und das Beste: Was du erst ein­mal trai­niert hast, kannst du nach Bedarf immer wie­der im Alltag ein­set­zen – auch in stres­si­gen Situationen!

Alltagsübungen für Jederhund – auch für meinen?
Na klar! Egal, ob dein Vierbeiner ein jun­ger Hüpfer oder alter Hase ist. Egal, ob Energiebündel oder von der eher ruhi­gen Sorte, Familien‑, Sport- oder Jagdhund: Die Übungen, die ich dir heu­te vor­stel­le, sind für jeden Hund geeignet.

„Okay, aber was ist mit mir?“, denkst du viel­leicht. Die Alltagsübungen für Jederhund sind gleich­zei­tig auch für Jedermensch. Dein Alter spielt kei­ne Rolle und auch „Rücken“ oder „Knie“ hin­dern dich nicht dar­an, die­se Übungen mit dei­nem Hund auszuprobieren.

Warum sind Alltagsübungen über­haupt sinnvoll?

  • Alltag ist das Stichwort
    Wie das Wort schon sagt: Du kannst die­se Übungen ganz ein­fach und stress­frei in dei­nen Tagesablauf inte­grie­ren. Ob zu Hause oder auf euren Spaziergängen, du kannst sie über­all trai­nie­ren und dann spä­ter auch ein­set­zen. Du musst nicht erst los­zie­hen und Trainingsequipment kau­fen – was du benö­tigst, hast du höchst­wahr­schein­lich schon zu Hause.
  • Entspannung
    Alltagsübungen hel­fen euch dabei, die Herausforderungen des täg­li­chen Lebens zu meis­tern: Egal, wem ihr auf dem Spaziergang begeg­net – Katzen, Postboten oder Joggerinnen –, was dein Hund wäh­rend eurer Gassirunde auf dem Boden fin­det oder wie viel Besuch du emp­fängst. Mit Alltagsübungen hast du die Werkzeuge parat, die du benö­tigst, um auch in stres­si­gen Situationen Entspannung für dich und dei­nen Hund zu schaffen.
  • Klare Kommunikation
    Alltagsübungen ver­bes­sern die Kommunikation zwi­schen dir und dei­nem Hund. Häufig kom­men Signale ganz anders bei dei­nem Hund an als beab­sich­tigt: Trainierst du die Alltagsübungen, kannst du eini­ge die­ser Missverständnisse aus­räu­men, denn hier ist klar, was die ein­zel­nen Signale bedeuten.
  • Fähigkeiten aus dem Dummytraining
    Mit die­sen Übungen, die auch im Dummytraining ein­ge­setzt wer­den, trai­nierst du viel mehr als nur Aufgaben für den Alltag. Du bringst dei­nem Hund ganz neben­bei auch ande­re wich­ti­ge Dinge bei, die euch das Training und den Alltag erleich­tern: die Orientierung an dir, die Impulskontrolle und das rich­ti­ge Maß an Eigenständigkeit.

Dein Start ins Training
Du willst am liebs­ten gleich ein paar Alltagsübungen aus­pro­bie­ren, weißt aber gar nicht, wo und wie du anfan­gen sollst? Probiere es doch ein­fach mit den fol­gen­den Übungen! Die Reihenfolge ist nicht fest­ge­legt – du kannst sie ganz fle­xi­bel an eure Bedürfnisse und Wünsche anpassen.

1. Tote Maus – Spaß beim Spielen und Runterfahren
Alltagsübungen für JederhundGemeinsam mit dei­nem Hund Spaß haben und zusam­men spie­len, ist gera­de im stres­si­gen Alltag ein ech­ter Höhepunkt. Wenn ihr das Spiel dann noch mit einer Übung ver­bin­den könnt, durch die dein Hund lernt, wie er sich aktiv run­ter­fah­ren kann, ist das natür­lich noch viel schö­ner. Das Tote-Maus-Spiel eig­net sich per­fekt dafür.

Nimm ein Spielzeug, das dein Hund ger­ne ins Maul nimmt – darf ich vor­stel­len: die Maus!
Bewege das Spielzeug jetzt schnell von dei­nem Hund weg. Lass die Maus leben­dig wer­den und sie durch die Gegend ren­nen, sich ver­ste­cken und vor dei­nem Hund flüchten.

Tipp: Ist dein Hund schon beim Anblick des Spielzeugs ganz aus dem Häuschen, lass es erst ein­mal etwas ruhi­ger ange­hen. So könnt ihr spie­len und den nächs­ten Schritt trotz­dem meistern.

Mitten im Spiel stirbt die Maus plötz­lich, oder anders gesagt: Du hältst inne, atmest ver­nehm­lich aus und lässt das Spielzeug lang­sam zu Boden sin­ken. Dein Hund wird mer­ken, dass er nicht mehr die quick­le­ben­di­ge und spiel­taug­li­che Maus vor der Nase hat. Das gibt ihm den Impuls, aktiv her­un­ter­zu­fah­ren. Lässt er von dem Spielzeug ab, lobst du ihn ruhig und mit lei­ser Stimme. Sobald die Maus für dei­nen Hund unin­ter­es­sant gewor­den ist, kann das Spiel wei­ter­ge­hen: „Überraschung!“ Die Maus lebt doch noch!”

Achte dar­auf, das Spiel nie mit einem Aus zu been­den, son­dern immer mit einem Tausch. Gib dei­nem Hund ein Spielzeug, das er behal­ten darf, oder Futter, damit auch das Ende mit Spaß ver­knüpft ist.

2. Das Auflösekommando – ein kla­res Signal statt Rätselraten
Mit dem Auflösekommando – etwa „frei“ oder „lauf“ – signa­li­sierst du dei­nem Hund, dass eine Übung been­det ist. Es ist nicht nur beim Dummytraining, son­dern auch im Alltag ein wert­vol­les Tool, denn je kla­rer die Kommunikation zwi­schen dir und dei­nem Hund, des­to bes­ser kann er dich ver­ste­hen und dei­nen Signalen folgen.

Alltagsübungen für JederhundFun Fact: „Bleib“ ist ein Signal für ver­schie­de­ne Handlungen. Egal, ob dein Hund sit­zen, lie­gen oder ste­hen soll – das Signal lau­tet immer „Bleib!“ Deswegen ist es für den Hund so schwer zu ver­ste­hen und er kommt immer mit, anstatt zu blei­ben. Im Gegensatz dazu ist das Auflösekommando für dei­nen Hund viel leich­ter zu ver­ste­hen, weil hier immer das Gleiche von ihm ver­langt wird. Er weiß: Frei bedeu­tet, dass die Übung vor­bei ist und er los­lau­fen darf.

Besonders in Kombination mit sta­ti­schen Kommandos – unter ande­rem „Sitz“ und „Platz“ – bringt das Auflösekommando Klarheit. Vielleicht bist du schon ein­mal in fol­gen­de Situation gekom­men: Du woll­test, dass dein Hund sit­zen bleibt, aber er fand, dass er genug rum­ge­ses­sen hat, und dach­te sich: „Bestimmt ist die Übung längst vor­bei, ich ste­he ein­fach mal auf und gehe.“

Wenn du das Auflösekommando ein­ge­führt hast, muss dein Hund nicht mehr rät­seln, ihm ist klar: „Die Übung ist noch nicht vor­bei, weil ich noch kein ‚frei‘ gehört habe.“

3. Ablage – mit einem Platz zur Entspannung
Die Ablage ist ein ent­spann­tes „Platz“, in das du dei­nen Hund immer dann schi­cken kannst, wenn du ihm sagen willst: „Du bist gera­de nicht dran und kannst dich jetzt erst mal ent­span­nen.“ Das ist nicht nur für dich hilf­reich, weil du dich nicht immer­zu auf dei­nen Hund kon­zen­trie­ren musst, son­dern auch für dei­nen Hund selbst. Die Ablage wird für ihn näm­lich zu einem „Aus-Schalter“. Er muss nicht mehr wach­sam und auf­ge­regt sein, son­dern kann ein­fach das Herumliegen genießen.

Alltagsübungen für JederhundSo trai­nierst du die Ablage: Zuerst trai­nierst du mit dei­nem Hund ohne Ablenkung „Platz“. Lass ihn das Kommando zuerst cir­ca zehn Sekunden, dann drei­ßig, dann eine Minute und so wei­ter hal­ten, bevor du das Auflösekommando gibst. Klappt das gut, kannst du den Schwierigkeitsgrad erhö­hen und das Training zum Beispiel vom Wohnzimmer in den Garten ver­le­gen. Reduziere die Zeit, in der dein Hund „Platz“ hal­ten soll, zuerst wie­der, weil dein Hund hier viel abge­lenk­ter ist. Wenn du merkst, dass er das Kommando trotz Verleitungen immer län­ger hal­ten kann, kannst du an Ablenkungen wie­der eine Schippe drauf­le­gen. In die­sem Wechsel machst du so lan­ge wei­ter, bis du dei­nen Hund in die Ablage schi­cken kannst (und er dort auch bleibt), egal, wie tur­bu­lent es um euch her­um zugeht.

Für dei­nen Alltag ist das ein abso­lu­ter Gamechanger: Du kannst dei­nen Hund zum Beispiel in die Ablage schi­cken und dann ganz ent­spannt sein Geschäft ein­sam­meln, ohne dabei von ihm schon um die nächs­te Ecke gezo­gen zu werden.

Auch für das Dummytraining lohnt es sich, die Ablage zu üben. Bist du allei­ne, musst du schließ­lich selbst alle Dummys aus­le­gen. Das geht viel leich­ter, wenn du dei­nen Hund ein­fach in die Ablage schickst und die Übung nach dem Auslegen aus der Grundstellung – der Hund sitzt links neben dem Menschen – her­aus neu beginnst.

Aber Vorsicht! Achte dar­auf, dass nicht nach jeder Ablage ein Training folgt. Lernt dein Hund, dass die Ablage Arbeit bedeu­tet, kann er sich hier nicht mehr entspannen.

4. Weiterschicken – vor­bei an allen Ablenkungen
Wie oft hat dein Hund schon etwas Spannendes auf der Straße gefun­den: einen Busch? „In dem ver­schwin­de ich erst ein­mal!“ Ein hal­bes Brötchen? „Toll, da bei­ße ich rein!“ Um dei­nen Hund in Zukunft davon abzu­hal­ten, an allem zu schnüf­feln (oder es gleich zu fres­sen), was ihm unter die Nase kommt, eig­net sich die­ses Kommando perfekt.

Dein Hund lernt, dass es gar nicht schlimm ist, etwas Spannendes links lie­gen zu las­sen. Das erhöht nicht nur sei­ne Frustrationstoleranz, son­dern ist auch noch prak­tisch für den Alltag.

Alltagsübungen für JederhundSo trai­nierst du das Weiterschicken: Setz dei­nen Hund ab und tu so, als wür­dest du etwas auf dem Boden able­gen. Wenn du wie­der bei ihm bist, gibst du das Kommando wei­ter und spielst mit ihm oder belohnst ihn, wäh­rend ihr euch von der Stelle ent­fernt, an der du etwas abge­legt hast. Für dei­nen Hund ein ein­deu­ti­ges Zeichen: „Wenn ich etwas Spannendes igno­rie­re, bekom­me ich etwas viel Tolleres!“

Wenn das gut klappt, kannst du das Training immer schwie­ri­ger machen. Fang an, mäßig span­nen­de Sachen wie Steine, Stöcke oder Blätter auf den Boden zu legen, und geh dann zu den rich­tig span­nen­den Sachen – etwa Spielzeug oder Dummys – über. Diese Dinge musst du am Ende natür­lich wie­der mitnehmen.

Tipp: Wenn du für das Weiterschicken das glei­che Wort wie für das Auflösekommando nutzt, kann dein Hund das schnell miss­ver­ste­hen. Das Auflösekommando bedeu­tet für ihn, dass er das vor­he­ri­ge Kommando nicht mehr hal­ten muss. Er ist frei und darf machen, was er möch­te, sich also etwa den abge­leg­ten Gegenstand holen. Bringst du ihm ein neu­es Signalwort wie „wei­ter“ bei, ist für dei­nen Hund viel kla­rer, was du ihm sagen möchtest.

Fazit
Alltagsübungen sind wirk­lich für Jederhund und Jedermensch, und falls du Lust hast, kannst du sofort mit dei­nem Vierbeiner los­le­gen und ein paar Übungen ausprobieren!

Denn Alltagsübungen las­sen sich ganz ein­fach – ohne extra gekauf­tes Zubehör – in dei­nen Alltag inte­grie­ren und wer­den schnell ein natür­li­cher Teil eures Tagesablaufs. Sie sol­len kei­ne Pflicht sein, vor der du dich am liebs­ten drü­cken wür­dest. Sie sind eine spa­ßi­ge Beschäftigung für dich und dei­nen Hund, die euer Leben gleich­zei­tig ent­spann­ter und siche­rer macht. Ihr habt nicht nur eine tol­le gemein­sa­me Zeit, son­dern ver­bes­sert eure Kommunikation und trai­niert Fähigkeiten, die in eurem Alltag nicht feh­len dürfen.

Was Übungen im Alltag betrifft, hast du jetzt schon viel dazu­ge­lernt. Aber was, falls du mal raus in die Natur möch­test, um dort rich­tig Spaß mit dei­nem Hund zu haben? Um ihn so aus­zu­las­ten und aus­zu­powern, dass er zufrie­den schnar­chend auf dem Sofa liegt?

Wenn du dabei sofort an dei­ne Ballschleuder und eine gro­ße Wiese denkst, über die dein Hund fet­zen kann, soll­test du unbe­dingt auf den nächs­ten Beitrag war­ten, bevor du los­legst. Dort wer­de ich dir näm­lich wich­ti­ge Grundregeln vor­stel­len, mit denen du sicher­stellst, dass beim Bällchenspielen nichts schiefgeht!

Bis dahin: Viel Spaß beim Training!

Hier fin­dest du die pas­sen­den Podcastfolgen zum Thema: www​.hun​de​schu​le​-jagd​fie​ber​.de/​p​1​6​4​-​b​a​s​i​c​s​-​i​m​-​d​u​m​m​y​t​r​a​i​n​ing.

Die Autorin

Susanne Reinke ist Diplom-Umweltwissenschaftlerin und Gründerin der Online-Hundeschule ‚Jagdfieber‘, die sich auf Dummytraining und Fußarbeit spe­zia­li­siert hat. 2014 grün­de­ten sie ‚Jagdfieber‘ in Lüneburg, bevor sie 2018 mit ihrer Familie und ihren zwei Tollern nach Kanada aus­wan­der­te und das Konzept von da an erfolg­reich digi­ta­li­sier­te. Heute beglei­ten sie und ihr Team Hundebesitzer im gesam­ten DACH-Raum mit einem ein­zig­ar­tig struk­tu­rier­ten Trainingsansatz – pra­xis­nah, indi­vi­du­ell und all­tags­ori­en­tiert. Ihr Motto: „Jede kann Dummytraining.“

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