Weniger Stress, mehr Vertrauen

Eschborn. Stress beim Krallenschneiden oder der Ohrenkontrolle? Flucht beim Anblick der Transportbox? Angst vor dem Tierarzt? Das muss nicht sein. Die Tierschutzorganisation TASSO, die Europas größ­tes kos­ten­lo­ses Heimtierregister betreibt und sich für die ver­ant­wor­tungs­vol­le Tierhaltung stark macht, moti­viert Tierhalter zum Medical Training mit ihren Hunden und Katzen.

Hund beim TierarztDas Prinzip des Medical Trainings stammt ursprüng­lich aus der Zootierhaltung und zielt dar­auf ab, die Wildtiere auf medi­zi­ni­sche Untersuchungen oder pfle­ge­ri­sche Maßnahmen vor­zu­be­rei­ten. Auf unse­re Heimtiere über­tra­gen bedeu­tet die­ser Ansatz: Tierhalter kön­nen mit ihren Hunden und Katzen zu Hause gezielt Pflegemaßnahmen und Gesundheitschecks stress­frei trai­nie­ren, sodass auch Veränderungen und Auffälligkeiten früh­zei­tig ent­deckt wer­den und lang­fris­tig viel­leicht auch der Besuch in der Tierarztpraxis stress­frei­er wird. Ein zen­tra­ler Bestandteil des Medical Trainings ist das koope­ra­ti­ve Verhalten des Tieres. Dabei geht es nicht dar­um, dass das Tier eine Behandlung ein­fach „über sich erge­hen lässt“, son­dern aktiv mit­ar­bei­tet, und zwar frei­wil­lig und in sei­nem Tempo.

Medical-Training mit Hund„Es ist natür­lich sehr indi­vi­du­ell. Je nach­dem, um wel­che Tierart es sich han­delt, wel­che Vorerfahrungen das ein­zel­ne Tier gemacht hat und wie der Charakter ist, muss das Training ange­passt wer­den“, sagt Tierärztin und Tierschutzreferentin bei TASSO, Dr. Laura Witting. Daher soll­ten Tierhalter nicht mit dem Anspruch an das Training her­an­ge­hen, dass nach kur­zer Zeit in der Tierarztpraxis alle denk­ba­ren Untersuchungen ent­spannt mög­lich sind. „Wenn wir zu Hause als Minimalziel errei­chen, dass wir unser Tier selbst über­all anfas­sen und uns alles anschau­en kön­nen, ist im ers­ten Schritt schon viel erreicht“, erklärt die Tierärztin. Gut zu trai­nie­ren sind pfle­ge­ri­sche Maßnahmen wie Krallenschneiden, Zähneputzen oder Ohrenkontrolle. Auch Haltegriffe zu üben ist sinn­voll. So gewöhnt sich das Tier dar­an, dass es sich für eine kur­ze Zeit nicht frei bewe­gen kann, damit Untersuchungen mög­lich wer­den. Gerade bei Katzen ist zudem die Gewöhnung an die Transportbox wichtig.

Entscheidend bei allem ist, dass das Training posi­tiv und klein­schrit­tig auf­ge­baut wird. Je nach Trainingsziel gibt es zahl­rei­ches Informationsmaterial online und off­line, das Tierhalter beim Aufbau des Trainings unter­stützt. Auch vie­le Tiertrainer bie­ten ent­spre­chen­de Kurse an.

Klingt auf­wen­dig? Das muss es nicht sein. Wenige kur­ze Einheiten in der Woche kön­nen schon viel bewir­ken und der Nutzen ist erheb­lich, davon ist Dr. Witting über­zeugt: „Medical Training kann ein wich­ti­ger Bestandteil einer ver­trau­ens­vol­len Beziehung zwi­schen Mensch und Tier sein. Es redu­ziert Stress, stei­gert das Wohlbefinden und erleich­tert sowohl dem Tier als auch dem Halter und nicht zuletzt Tierärzten den Umgang bei medi­zi­ni­schen Maßnahmen. Außerdem ent­wi­ckeln die Tiere durch das geziel­te Training, posi­ti­ve Verstärkung und die gemein­sa­me Exklusivzeit Vertrauen in die Situation und in ihre Bezugspersonen. Und nicht zuletzt macht es ein­fach rich­tig viel Spaß, gemein­sam klei­ne Ziele zu erreichen.“