Bremen. Ab dem 65. Lebensjahr steigt bei Senioren die Wahrscheinlichkeit für Stürze mit kom­pli­zier­ten Knochenbrüchen. Hier hilft ein Hund im Haus: Regelmäßige Gassigänge hal­ten betag­te Menschen län­ger sicher auf den Beinen. Das ergab eine Studie von Gerontologen aus Irland.

Viele Senioren ken­nen es: Plötzlich schwin­det die Balance und prompt liegt man am Boden. Altersbedingte Gleichgewichtsstörungen und Kraftverlust gehö­ren zu den häu­figs­ten Gründen für teils schwe­re Stürze. In Deutschland fällt laut dem Robert Koch-Institut etwa jede vier­te Person im Alter ab 65 Jahren min­des­tens ein­mal im Jahr, jede zehn­te Person sogar mehrmals.

Mobilitätseinschränkungen rau­ben Lebensfreude
Älterer Mensch mit seinem HundEntsprechende Verletzungen wie Knochenbrüche füh­ren zu etwa 400.000 Krankenhausaufenthalten pro Jahr. Sind die häu­fig lang­wie­ri­gen Unfallfolgen schließ­lich aus­ku­riert, fällt es vie­len älte­ren Menschen schwer, ihren gewohn­ten Alltag wie­der auf­zu­neh­men: Oft folgt dann die Furcht, dass es wie­der pas­siert und die Mobilität noch ein­ge­schränk­ter wird, was wie­der­um vor­beu­gend zu weni­ger Bewegung, weni­ger Beweglichkeit und nicht zuletzt weni­ger sozia­len Kontakten führt – ein Teufelskreis, der vie­len Senioren in ihren letz­ten Lebensjahren die Lebensfreude raubt und durch die ent­ste­hen­de Einsamkeit zu psy­chi­schen Problemen wie Depressionen füh­ren kann. Regelmäßige mode­ra­te Bewegung – wie Gassigänge mit Hund – könn­te die­ses Risiko sen­ken, so die all­ge­mei­ne Annahme. Inwieweit das stimmt und wie effek­tiv es ist, war aller­dings bis­lang wis­sen­schaft­lich kaum untersucht.

Irische Langzeitstudie zum Älterwerden
Die Langzeitstudie TILDA (The Irish Longitudinal Study of Ageing) zum Alter und Älterwerden in Irland lie­fert nun Ergebnisse dazu. Deren Daten sol­len hel­fen, die Lebensbedingungen älte­rer Menschen zu ver­bes­sern. In einer spe­zi­el­len Teiluntersuchung haben sich Fachmediziner der Gerontologie vom Trinity College in Dublin der Frage nach den Auswirkungen von Gassigängen angenommen.

Hierzu wur­den zwei Gruppen von zu Hause leben­den Menschen über 60 Jahren befragt: eine Studiengruppe mit Personen, die an mehr als vier Tagen in der Woche mit Hund spa­zie­ren gehen, sowie eine Kontrollgruppe von Menschen, die ent­we­der kei­nen Hund hal­ten oder nicht selbst mit dem Tier raus­ge­hen. Außerdem wur­de bei allen ein kli­ni­scher Test zur Beurteilung der Mobilität und des Sturzrisikos gemacht.

Die sta­tis­ti­sche Auswertung zeigt: Wer regel­mä­ßig mit sei­nem Hund los­zieht, ist fit­ter. Er bewegt sich siche­rer und schnel­ler, die Sturzwahrscheinlichkeit sinkt, eben­so die zeh­ren­de Angst davor.

Kein Wunder: Bei Hundehaltern sind meh­re­re Bewegungseinheiten am Tag auto­ma­tisch in den Alltag inte­griert. Gerade das Laufen auf unebe­nen Böden wie im Wald oder auf Sand trai­niert nicht nur die Kondition, son­dern auch das Gleichgewicht, ohne Knochen und Gelenke zu stark zu belas­ten. Neben dem kör­per­li­chen Trainingseffekt wir­ken die Spaziergänge und die vie­len im Freien ver­brach­ten Stunden auch stim­mungs­auf­hel­lend und sogar kom­mu­ni­ka­ti­ons­för­dernd, wenn es in den Austausch mit ande­ren Hundehaltern geht.

Hundespaziergänge trai­nie­ren die Beweglichkeit
Zwar braucht es wei­te­re Studien, um die Ergebnisse zu unter­mau­ern. Doch die posi­ti­ven Erstergebnisse machen schon mal Mut: Ältere Menschen soll­ten wei­ter­hin mit ihrem Hund auch außer Haus aktiv sein. Denn das hält offen­bar kör­per­lich und see­lisch jung.

Hunde und Katzen sind bei Senioren belieb­te Mitbewohner: 31 Prozent der Hundehalter in Deutschland sind über 60 Jahre alt, bei den Katzenhaltern sind es sogar 37 Prozent. Über alle Tierarten hin­weg betrach­tet beträgt der Anteil der Senioren unter den Tierhaltern hin­ge­gen nur 24 Prozent, wie die aktu­el­len Zahlen des Industrieverbandes Heimtierbedarf (IVH) e. V. und des Zentralverbands Zoologischer Fachbetriebe Deutschlands e. V. (ZZF) zeigen.

Quelle: Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft