Gut vorbereitet ins Ausland reisen
Bonn. Viele Halter möchten ihre Urlaubszeit mit ihrem Hund verbringen. Damit die Reise für Mensch und Tier entspannt und sicher verläuft, ist eine sorgfältige Vorbereitung unerlässlich. Neben organisatorischen Fragen spielen vor allem gesundheitliche Aspekte eine wichtige Rolle. Dieser Überblick zeigt, worauf es bei Reisen mit Hund besonders ankommt.
1. Einreisebestimmungen: Frühzeitig informieren
Je nach Reiseziel unterscheiden sich die gesetzlichen Anforderungen. Für Reisen innerhalb der Europäischen Union gelten weitgehend einheitliche Regelungen, während für Reisen in Länder außerhalb der EU zusätzliche Vorgaben zu beachten sind.
Für Reisen innerhalb der EU werden in der Regel benötigt:
- ein gültiger EU-Heimtierausweis,
- ein Mikrochip zur eindeutigen Kennzeichnung,
- eine gültige Tollwutimpfung.
Für einige europäische Länder wie Finnland, Irland, Norwegen und Malta gelten zusätzliche Bestimmungen!

Wichtig ist daher: Nicht nur die Einreise- und Rückreisebestimmungen, sondern auch die Vorschriften für Transitländer sollten frühzeitig geprüft werden.
2. Kennzeichnung und Dokumentation
Die eindeutige Identifizierung des Hundes erfolgt über einen Mikrochip. Gemäß den Vorgaben der EU muss dieser vor der Tollwutimpfung oder spätestens zum Zeitpunkt der Impfung implantiert worden sein, damit die Impfung für Reisezwecke anerkannt wird.
Im EU-Heimtierausweis, der für die Auslandsreise obligatorisch ist, werden alle relevanten Angaben dokumentiert. Dazu gehören insbesondere:
- die individuelle Chipnummer,
- das Datum der Implantation,
- der Ort der Kennzeichnung.
Zusätzlich werden die Impfungen festgehalten, einschließlich:
- Art der Impfung (z. B. Tollwut),
- Datum der Durchführung,
- Beginn der Gültigkeit,
- Ablaufdatum.
Die Tollwutimpfung ist verpflichtend und gilt in der Regel erst 21 Tage nach der Erstimpfung als wirksam. Auffrischungen bleiben gültig, sofern sie rechtzeitig erfolgen.
3. Registrieren – Wiederfinden
Wichtig ist auch der Eintrag in einem Heimtierregister. Dies ist zwar nicht rechtlich verpflichtend vorgeschrieben. Geht der Hund verloren und verläuft sich, kann der Halter aber nur informiert werden, wenn die Chipnummer und Kontaktdaten in den Datenbanken hinterlegt sind.
Zu beachten ist allerdings, dass Heimtierregister häufig länderspezifisch organisiert sind. Vor einer Reise kann es daher sinnvoll sein, zu prüfen, ob der Hund in Datenbanken vom jeweiligen Reiseland auffindbar wäre oder ob eine zusätzliche Registrierung empfohlen wird.
4. Impfschutz: Gut geschützt unterwegs
Ein aktueller Impfschutz ist die Grundlage für eine sichere Reise. Neben der verpflichtenden Tollwutimpfung kann – abhängig vom Reiseziel – ein erweiterter Schutz sinnvoll sein.
Dazu zählen unter anderem Impfungen gegen Staupe, Hepatitis contagiosa canis (ansteckende Leberentzündung der Hunde), Parvovirose und Leptospirose. In manchen Fällen ist die Impfung gegen den infektiösen Husten sinnvoll. Gegebenenfalls empfiehlt sich bei Reisen in südliche Länder auch die Impfung gegen die Leishmaniose.
Welche Impfungen im Einzelfall empfohlen werden, sollte individuell mit dem Tierarzt besprochen werden.
5. Parasitenprophylaxe und Reisekrankheiten
Je nach Urlaubsregion können Hunde mit Parasiten in Kontakt kommen, die in Deutschland bislang selten oder gar nicht vorkommen. Fachliche Empfehlungen zur Vorsorge liefert unter anderem die Webseite von ESCCAP (European Scientific Counsel Companion Animal Parasites):
- ESCCAP Deutschland, Parasiten-Expertise für die Praxis.
- Reisetest für den Urlaub mit Hund, ESCCAP Deutschland.
Folgende Erkrankungen können durch sogenannte Vektoren übertragen werden und kommen im südlichen Mittelmeerraum vor:
- Leishmaniose: Wird durch Sandmücken übertragen. Verläuft chronisch mit Veränderungen in vielen Organen des Körpers.
- Babesiose: Wird durch Zecken übertragen und führt zur Zerstörung roter Blutkörperchen und Blutplättchen.
- Ehrlichiose: Wird ebenfalls durch Zecken übertragen, kann Zerstörung der Blutplättchen auslösen und nachfolgend zu Blutungen führen.
- Herzwurmerkrankung: Wird durch Stechmücken übertragen und ist in zahlreichen Ländern Süd- und Osteuropas verbreitet. Nach der Infektion kommt es zu Ansiedlung der adulten Stadien in Blutgefäßen, Herzrhythmusstörungen, Husten und Atemproblemen.
- Hautwurmerkrankung: Wird ebenfalls durch Stechmücken übertragen. Es kann zu Knötchenbildung, Juckreiz und auch lokalem Haarausfall kommen.
Mehr Informationen über diese Erkrankungen unter Reisekrankheiten, Bundesverband für Tiergesundheit.

Daher ist es wichtig, frühzeitig Informationen darüber zu haben. Hilfreich dafür ist die Seite: BMLEH – Haus- und Zootiere – Regelungen zur Einreise mit Hunden, Katzen und Frettchen in die Europäische Union.
6. Transport: Sicherheit und Wohlbefinden
Ein sicherer Transport ist nicht nur gesetzlich vorgeschrieben, sondern auch entscheidend für das Wohlbefinden des Hundes während der Reise. Im Auto sollte der Hund durch eine geeignete Transportbox oder ein entsprechendes Sicherungssystem geschützt werden, um Verletzungen bei plötzlichen Bremsmanövern zu vermeiden.
Bei längeren Fahrten sind regelmäßige Pausen einzuplanen, damit sich der Hund bewegen und lösen kann. Zudem sollte jederzeit ausreichend frisches Wasser zur Verfügung stehen. Die Fütterung sollte angepasst erfolgen – größere Mahlzeiten unmittelbar vor Reisebeginn können zu Übelkeit führen.
Besondere Aufmerksamkeit ist dem Schutz vor Hitze zu widmen. Bereits bei moderaten Außentemperaturen kann sich das Fahrzeug stark aufheizen. Hunde dürfen daher niemals unbeaufsichtigt im Auto zurückgelassen werden.
7. Informationen zum Reiseland
Rechtzeitig vor Reiseantritt ist es wichtig, sich umfassend über die spezifischen Anforderungen und Gegebenheiten des Ziellandes zu informieren. Dazu zählen insbesondere Einreisebestimmungen, mögliche Einschränkungen für bestimmte Hunderassen sowie regionale Gesundheitsrisiken.
Auch landesspezifische Vorschriften, beispielsweise zur Leinen- oder Maulkorbpflicht, sollten berücksichtigt werden. Ebenso kann sich die Verfügbarkeit tierärztlicher Versorgung je nach Region deutlich unterscheiden.
Es wird empfohlen, bereits im Vorfeld eine Tierarztpraxis am Urlaubsort zu recherchieren und wichtige Kontaktdaten griffbereit zu halten. So kann im Notfall schnell reagiert werden.
8. Reiseapotheke:
Für den Notfall gerüstet
Eine gut ausgestattete Reiseapotheke kann im Notfall hilfreich sein. Dazu gehören unter anderem Mittel gegen Übelkeit und Durchfall, Verbandsmaterial für kleinere Verletzungen sowie Augenpflegeprodukte, beispielsweise bei Reizungen durch Sand oder Staub. Bei bekannten Allergien und chronischen Erkrankungen sollten entsprechende Medikamente ebenfalls mitgeführt werden.
Die Zusammenstellung der Reiseapotheke sollte im Vorfeld mit dem Tierarzt abgestimmt werden.
9. Verhalten am Urlaubsort
Auch am Urlaubsort trägt umsichtiges Verhalten maßgeblich zur Gesundheit des Hundes bei. Regelmäßige Kontrollen auf Flöhe und Zecken, insbesondere nach Spaziergängen, sind empfehlenswert.
Zudem sollte auf ausreichend Ruhephasen und schattige Aufenthaltsorte geachtet werden, um Überlastung und Hitzestress zu vermeiden.
Im Hinblick auf durch Stechmücken übertragbare Erkrankungen ist auf einen wirksamen Schutz zu achten, vorwiegend in den Abendstunden und während der Dämmerung, wenn die Mücken besonders aktiv sind. Weiterhin empfiehlt es sich, Aufenthalte in mückenreichen Gebieten möglichst zu vermeiden.
10. Nach der Reise:
Gesundheit im Blick behalten
Nach der Rückkehr lohnt es sich, den Hund weiterhin aufmerksam zu beobachten. Einige Erkrankungen zeigen sich erst verzögert. Bei Auffälligkeiten wie Fieber, Mattigkeit, Hautveränderungen oder Atemproblemen sollte zeitnah eine tierärztliche Untersuchung erfolgen. In manchen Fällen ist eine zusätzliche Behandlung gegen bestimmte Parasiten oder Untersuchungen auf bestimmte Erreger nach der Rückkehr sinnvoll.
Mit der richtigen Vorbereitung steht einem entspannten Urlaub mit Hund nichts im Wege. Informieren Sie sich rechtzeitig und lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt beraten, damit Sie und Ihr Tier für Ihre Reise gut vorbereitet sind.
Bundesverband für Tiergesundheit (BfT)










































