Bremen. Ein gelieb­ter und ver­trau­ter Hund stirbt – und sein Nachfolger kann sich noch so bemü­hen, aber ein­fach nichts recht machen? Vor allem bei Assistenzhunden geschieht das häu­fig. Australische Forscher haben das Phänomen wis­sen­schaft­lich untersucht.

Ein Hund ist gestor­ben, ein neu­er kommt ins Haus – und die­ses Tier kann sei­nem Vorgänger ein­fach nicht das Wasser rei­chen. Dies lässt sich vor allem beob­ach­ten, wenn es neben dem rei­nen Zusammenleben auch auf ein fein abge­stimm­tes Zusammenspiel zwi­schen Halter und Hund ankommt, so wie bei Blindenführ- und ande­ren Assistenzhunden. In der inter­na­tio­na­len Forschung ist das Phänomen als „Successor Dog Syndrome“ (Nachfolge-Hund-Syndrom) bekannt.

Zu Blindenführhunden gibt es bereits eini­ge wis­sen­schaft­li­che Arbeiten. Eine qua­li­ta­ti­ve Studie aus Australien hat nun auch Fälle mit ande­ren Assistenz- und Begleithunden unter­sucht. Ein Team von Psychologen hat zehn Frauen mit tie­ri­scher Begleitung befragt, bei denen sich das Zweithund-Phänomen zeigt. Die Antworten wur­den auf wie­der­keh­ren­de Muster unter­sucht, um tie­fe­re Bedeutungen und Erfahrungen aufzudecken.

Angst vor erneu­tem Verlust
Gemeinsam war den zehn Studienteilnehmerinnen eine star­ke Bindung zum Vorgängerhund. Bei allen hielt die Trauer um den Vorgängerhund fort­lau­fend an. Und alle beschrei­ben nega­ti­ve Gefühle gegen­über dem Nachfolgehund bis hin zur Unfähigkeit, über­haupt eine neue Bindung aufzubauen.

Hund der in den Sonnenuntergang läuftEin Hauptgrund dafür schien der stän­di­ge Vergleich mit dem vier­bei­ni­gen Vorgänger zu sein. Die Erwartungen waren hoch und das neue Tier konn­te sie ver­ständ­li­cher­wei­se nicht sofort erfül­len. Einige Befragte sorg­ten sich dar­um, durch das weni­ger gute Zusammenspiel mit dem Tier ver­letzt zu wer­den – kör­per­lich oder see­lisch. Bei ande­ren führ­te man­geln­des Vertrauen zum neu­en Tier zu einem Gefühl der Bedrohung der eige­nen Unabhängigkeit, die der Assistenzhund eigent­lich gewähr­leis­ten sollte.

Mehr Zeit zur Trauerbewältigung
Die Ergebnisse die­ser im Fachblatt „Anthrozoös“ ver­öf­fent­lich­ten Studie wei­sen dar­auf hin, dass aus­rei­chend Zeit zur Verarbeitung des Verlusts eines gelieb­ten Tieres not­wen­dig ist. Zieht zu schnell ein neu­er Hund ein, kommt es eher zu einer Ablehnung des Nachfolgers. Gerade bei Assistenzhunden ist die Zeitspanne der Trauerbewältigung häu­fig zu kurz, da rasch neue tie­ri­sche Hilfe benö­tigt wird, um den Alltag zu meis­tern. Gegebenenfalls könn­te eine ver­stärk­te Unterstützung durch Freunde, Familie oder Pflegedienste sinn­voll sein, um die Trauerzeit zu überbrücken.

Quelle: Forschungskreis Heimtiere in der Gesellschaft