Wie mit der Trauer umgehen?

Düsseldorf. Der Verlust eines gelieb­ten Heimtiers kann für die gan­ze Familie eine schwie­ri­ge Zeit sein, ins­be­son­de­re aber für Kinder, die das ers­te Mal mit dem Tod kon­fron­tiert wer­den. Gerade in die­sen Momenten fällt auf, dass Heimtiere immer häu­fi­ger wie Familienmitglieder oder Freunde wahr­ge­nom­men wer­den und ihr Fehlen einen gro­ßen Verlust bedeu­tet. Eltern soll­ten ihre Kinder in die­ser schwie­ri­gen Phase unter­stüt­zen, wis­sen aber manch­mal nicht wie.

Beate Alefeld-Gerges ist Vorstand und päd­ago­gi­sche Leiterin von Trauerland – Zentrum für trau­ern­de Kinder und Jugendliche e.V. in Bremen. Täglich beschäf­tigt sie sich mit Kindern und wie die­se vor allem mit dem Verlust eines nahe­ste­hen­den Menschen umge­hen: „Das ist je nach Alter ganz ver­schie­den. Kinder unter sechs Jahren haben noch kein rich­ti­ges Verständnis vom Tod und sehen ihn eher als vor­über­ge­hend an; sie fra­gen oft, wann die ver­stor­be­ne Person wie­der­kommt. Ab sie­ben Jahren ver­ste­hen die meis­ten Kinder dann die­se Endgültigkeit und begin­nen Fragen zu stel­len. Einige haben Angst, dass auch gelieb­te Menschen oder wei­te­re Tiere ster­ben könn­ten. Hier soll­ten Eltern ihnen erklä­ren, dass der Tod des Heimtiers nichts mit der Gesundheit ande­rer zu tun hat. Ist das Heimtier an einer Krankheit ver­stor­ben, wer­den vie­le Kinder auch dazu Fragen haben, die soweit wie mög­lich beant­wor­tet wer­den soll­ten. Jugendliche kön­nen den Tod schließ­lich akzep­tie­ren, brau­chen aber meist offe­ne Gespräche und gemein­sa­men Austausch, um mit ihrer Trauer zurechtzukommen.“

Gefühle zulas­sen und über den Verlust sprechen
Hand und PfoteTrauer ist ein ganz natür­li­cher Prozess, über den Eltern mit ihren Kindern reden soll­ten und dabei ihre eige­nen Gefühle nicht ver­ber­gen müs­sen. „Kinder gehen mit ihrer Trauer meist viel intui­ti­ver um als Erwachsene. Sie hal­ten kei­ne trau­ri­gen Emotionen zurück, suchen beden­ken­los Halt in einer Umarmung und las­sen vor allem auch glück­li­che Gefühle trotz­dem zu – da kön­nen wir Erwachsenen uns oft eine Scheibe von abschnei­den“, so die Expertin. Entsprechend soll­te man Kindern Raum geben, über ihre Gefühle zu spre­chen und all­ge­mei­ne Fragen rund um das Thema Tod ehr­lich und ein­fühl­sam beant­wor­ten. Das gilt auch wenn ein gelieb­tes Tier ver­stor­ben ist. Es kann hel­fen, sich gemein­sam an die schö­nen Erfahrungen mit dem Tier zu erin­nern, etwa: Was ver­misst du am meis­ten? Erinnerst du dich an die­sen einen lus­ti­gen Moment?

Rituale zum Abschiednehmen
Auch Abschiedsrituale kön­nen Kindern hel­fen, ihre Trauer zu ver­ar­bei­ten und dem Abschied einen fes­ten Rahmen zu geben. Grundsätzlich gibt es die Möglichkeit, das Tier bei­spiels­wei­se auf einem Tierfriedhof oder in einem Friedwald mit einer klei­nen Zeremonie zu bestat­ten. Wenn es die ört­li­chen Satzungen erlau­ben und das eige­ne Grundstück (nicht gemie­tet) nicht in einem Trinkwasserschutzgebiet liegt, kön­nen die meis­ten Heimtiere auch im eige­nen Garten begra­ben wer­den. Zu den genau­en Regelungen im jewei­li­gen Ort kann auch beim Veterinäramt nach­ge­fragt wer­den. Generelle Fragen zur Tierbestattung beant­wor­tet der Bundesverband der Tierbestatter unter www​.tier​be​stat​ter​-bun​des​ver​band​.de.

Junge und Hund„Abseits von Beerdigungszeremonien gibt es aber auch vie­le Möglichkeiten, mit dem Nachwuchs krea­tiv zu wer­den und sich gemein­sam zu erin­nern. Dann sind die Kinder ihrer Trauer nicht hilf­los aus­ge­lie­fert, son­dern kön­nen etwas tun“, erklärt Alefeld-Gerges. „Je nach Alter des Kindes kann es bei­spiels­wei­se Bilder malen oder die Familie kann gemein­sam ein Buch mit Fotos, Geschichten und beson­de­ren Erinnerungen bas­teln und gestal­ten. Kinder haben hier meist auch sehr vie­le eige­ne Ideen. Vielleicht hilft aber auch ein Erinnerungsstück wie das Lieblingsspielzeug des Tiers dabei, hin und wie­der posi­tiv an das Heimtier zurück­zu­den­ken. Alternativ kann man bei­spiels­wei­se eine Kerze wäh­len, die das Kind immer dann anzün­den darf, wenn es sich an gemein­sa­me Momente erin­nern möch­te oder man kann einen Luftballon mit einem Brief stei­gen las­sen, um sei­nem gelieb­ten Tier noch etwas mitzuteilen.“

Das Bedürfnis nach einem neu­en Tier: Eine gute Idee?
Früher oder spä­ter wird beim Kind oder den Eltern viel­leicht der Wunsch nach einem neu­en Heimtier auf­kom­men. Das ist grund­sätz­lich kei­ne schlech­te Idee – war doch das letz­te Heimtier über eini­ge Jahre schon ein treu­er Begleiter, der für viel Freude gesorgt hat. Hierbei soll­te man aber beden­ken: Das neue Tier ist immer ein neu­es Individuum, auf das man sich neu ein­las­sen muss – nie­mals aber ein blo­ßer Ersatz. „Ein sol­cher Schritt soll­te daher immer nur erfol­gen, wenn die Trauer nicht mehr so akut ist und man sich voll auf den neu­en Mitbewohner ein­las­sen kann“, rät die Expertin. „Das soll­te kei­ne vor­schnel­le Entscheidung sein. Geht die Idee von den Eltern aus, soll­ten sie sich vor­her mit ihrem Kind zusam­men­set­zen und es in die Überlegungen mit ein­be­zie­hen. Manche Kinder sind sofort bereit für sol­che Veränderungen – ande­re brau­chen dage­gen etwas län­ger, die Trauer voll­stän­dig zu verarbeiten.“

Im Zweifel Unterstützung suchen
Gerade, weil die Eltern selbst in der Regel eben­so an ihrem Heimtier hin­gen wie das Kind, kann es sein, dass sie die Trauerphase über­wäl­tigt oder sie nicht wis­sen, was sie als nächs­tes tun sol­len. „Glücklicherweise sind Eltern hier nicht auf sich allein gestellt“, sagt Alefeld-Gerges. „Wenn es dar­um geht, dem Kind das Thema Tod ein­fühl­sam zu ver­mit­teln, gibt es zum Beispiel vie­le Kinderbücher, die dabei unter­stüt­zen kön­nen und das Thema kind­ge­recht auf­ar­bei­ten. Etwa das Buch „Gehört das so?“ über ein Mädchen, des­sen Kanarienvogel ver­stor­ben ist und das nun lernt, mit der Trauer umzu­ge­hen. Solche Geschichten geben einen guten Anstoß, über den Verlust oder Fragen des eige­nen Kindes gezielt zu spre­chen. Wenn ein Kind auch nach län­ge­rer Zeit Schwierigkeiten hat, mit dem Verlust umzu­ge­hen, soll­te man aber auch nicht davor zurück­scheu­en, pro­fes­sio­nel­le Hilfe zu suchen, etwa bei einem Kinderpsychologen. Im Gegensatz zu den selbst trau­ern­den Eltern sind die­se dar­in geschult, mit solch schwie­ri­gen Themen umzugehen.“

Für Unterstützung kön­nen sich Kinder oder Eltern für ihre Kinder zum Beispiel an Einrichtungen wie Trauerland, an die bun­des­wei­te Jugend-Onlineberatung zu den Themen Abschied, Tod und Trauer oder die Telefonseelsorge „Nummer gegen Kummer“ unter der 116 111 wenden.

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