Bonn. Eine Otitis exter­na, all­ge­mein als Ohrenentzündung oder umgangs­sprach­lich auch als Ohrenzwang bekannt, ist eine Entzündung des äuße­ren Gehörgangs, ein­schließ­lich des Ohrkanals. Sie ist eine der häu­figs­ten Erkrankungen in der Kleintierpraxis. Etwa jeder sieb­te Hund und jede drei­ßigs­te Katze wird dem Tierarzt wegen Otitis exter­na vorgestellt.

Ohrenentzündung beim HundDie Otitis exter­na ist eine kom­ple­xe Erkrankung, die durch Allergien, Verletzungen, Ektoparasiten oder ande­re ent­zün­dungs­aus­lö­sen­de Faktoren ent­steht. Diese Faktoren kön­nen zu einer Störung der natür­li­chen Mikroflora und Überwucherung des Ohrkanals mit schä­di­gen­den Bakterien und Pilzen füh­ren. Rassespezifische Besonderheiten wie ein enger Gehörgang kön­nen eine Entzündung begüns­ti­gen. Während star­kes Haarwachstum eine unter­ge­ord­ne­te Rolle in der Entstehung einer Otitis zu spie­len scheint, wird die Bedeutung der ana­to­mi­schen Form (Hänge- oder Schlappohr) kon­tro­vers dis­ku­tiert. Beide för­dern jedoch eine bereits bestehen­de Otitis. Daher sind man­che Rassen wie bei­spiels­wei­se Cocker Spaniel, Labrador oder Englische Bulldogge häu­fi­ger betrof­fen. Grundsätzlich kön­nen aber alle Hunde eine Otitis exter­na ent­wi­ckeln. Häufiges Tauchen im Wasser (bei­spiels­wei­se bei Retrievern) begüns­tigt eben­falls die Ausbildung einer Ohrenentzündung. Und schließ­lich wirkt eine über­mä­ßig und falsch prak­ti­zier­te Reinigung begüns­ti­gend (prä­dis­po­nie­rend). Keinesfalls soll­ten durch den Tierhalter Wattestäbchen benutzt wer­den. Damit kön­nen Beläge wei­ter in die Tiefe bis vor das Trommelfell gescho­ben wer­den, von wo sie nur schwer wie­der zu ent­fer­nen sind. Bei gefähr­de­ten Tieren kann der Gehörgang – nach Rücksprache mit dem Tierarzt – mit einem mil­den, dafür geeig­ne­ten Ohrreiniger gespült wer­den. Damit ent­zieht man zunächst den Mikroorganismen den Nährboden, löst den Ohrschmalz und trock­net den Gehörgang. Zudem ist es nach dem Baden beson­ders bei Hunden mit lan­gen Schlappohren sinn­voll, die Ohrmuscheln zu trocknen.

Otitis exter­na im Überblick

Man unter­schei­det:

  • Auslösende Faktoren
    Die wich­tigs­ten Auslöser sind Allergien, Ektoparasiten wie Milben oder Fremdkörper, bei­spiels­wei­se Grannen oder Halme. In über 75 Prozent der Fälle sind Allergien, ins­be­son­de­re die ato­pi­sche Dermatitis oder die Futtermittelallergie die Grundursache. Bei Welpen sind es meist Ohrmilben, die eine Entzündung des äuße­ren Gehörganges verursachen.
  • Prädisponierende Faktoren
    Dazu zäh­len die Ohrform oder eine fal­sche Ohrpflege.
  • Aufrechterhaltende Faktoren
    Dabei han­delt es sich um Bakterien, Hefen, fort­ge­schrit­te­ne krank­haf­te Veränderungen wie Ödeme, oder eine Mittelohrentzündung (Otitis media). Die wich­tigs­ten auf­recht­erhal­ten­den Faktoren sind jedoch die genann­ten Mikroorganismen. Die nor­ma­le Mikroflora im Ohr ist dann gestört und es kommt zur Überwucherung mit ein­zel­nen Spezies. Bei Otitis zeich­nen Bakterien ver­ant­wort­lich für 70 Prozent der Überwucherung, Pilze für 16 Prozent und in sie­ben Prozent bei­de. Biofilme erschwe­ren die Behandlung zusätz­lich, da Wirkstoffe nicht mehr bis zur aus­klei­den­den Haut des Ohrkanals vor­drin­gen können.

Woran kann der Hundehalter eine Otitis exter­na erkennen?
Es ist wich­tig, eine Ohrenentzündung früh­zei­tig zu erken­nen. Das erspart dem Hund ers­tens Schmerzen, ver­hin­dert zwei­tens eine chro­ni­sche Erkrankung und ermög­licht drit­tens eine schnel­le und unkom­pli­zier­te Heilung. Deshalb emp­fiehlt sich eine regel­mä­ßi­ge Kontrolle und früh­zei­ti­ge Behandlung durch den Tierarzt. Symptome einer Otitis exter­na kön­nen sein: Rötung der Ohrmuschel oder des Gehörgangs, exzes­si­ves Kratzen an Ohr und Kopf, stän­di­ges Neigen und Schütteln des Kopfes, Reiben des Kopfes an Gegenständen oder Kanten, ver­än­der­te Haltung der Ohrmuschel, Berührungsempfindlichkeit, Verhaltensveränderungen wie Lustlosigkeit, Depression oder Reizbarkeit, Anschwellen der Ohrmuschel oder des Ohrkanals, unan­ge­neh­mer Geruch, Ansammlung von dun­kel­brau­nem Ohrenschmalz, schwar­zer oder gelb­li­cher Ausfluss, Blutungen oder kaf­fee­satz­ähn­li­che Absonderungen bis hin zu Gleichgewichts- oder Hörstörungen sowie Desorientiertheit.

Das Wichtigste bei der Behandlung von Otitis exter­na ist die Linderung von Schmerzen und Entzündungen. Die Abnahme der Entzündung ist nicht nur eine Erleichterung für den Hund, son­dern ermög­licht auch geeig­ne­ten, vom Tierarzt ver­schrie­be­nen Medikamenten, ihre Wirkung gegen die Bakterien- und Pilzüberwucherungen zu ent­fal­ten. In der Regel erfor­dert eine Otitis-Behandlung eine Kombination aus fun­gi­zi­den (Pilz abtö­ten­den), bak­te­ri­zi­den (Bakterien abtö­ten­den) und ent­zün­dungs­hem­men­den Wirkstoffen. In schwe­ren Fällen kann eine Behandlung so schmerz­haft sein, dass der Tierarzt die­se unter Narkose durch­füh­ren muss.

Teufelskreis Otitis exter­na – Otitis media
Chronische Ohrenentzündungen kön­nen zu einer Otitis media, also einer Entzündung des Mittelohrs füh­ren. Gleichzeitig gehört die Otitis media zu den Faktoren, die eine Otitis exter­na auf­recht­erhal­ten. Je nach Literaturquelle kommt es bei einer län­ger bestehen­den Otitis exter­na in 50 bis 80 Prozent der Fälle zu einer Otitis media. Diesen Teufelskreis gilt es zu unterbrechen.

Typische kli­ni­sche Zeichen einer Otitis media sind gro­ße Mengen eit­ri­ger, oft übel­rie­chen­der und zum Teil schlei­mi­ger Absonderungen. Kopfschütteln und Kratzen sind wei­te­re Hinweise auf eine Mittelohrentzündung. Es gibt aber auch Hunde, die schmerz­be­dingt den Kopf ver­hal­ten bewe­gen. Schmerzäußerungen beim Abtasten der Ohrbasis sowie beim Öffnen des Fangs stel­len alar­mie­ren­de Anzeichen einer Otitis media dar. Bleibt die Otitis media wei­ter bestehen, so sind gra­vie­ren­de Spätfolgen bis hin zur Entzündung des Zentralnervensystems möglich.

Die pri­mä­re sekre­to­ri­sche Otitis media (PSOM) ist eine äußerst sel­te­ne, bis­lang über­wie­gend beim Cavalier King Charles Spaniel und eini­gen ande­ren kurz­na­si­gen Rassen beschrie­be­ne Erkrankung. Die Symptome sind unver­mit­tel­te Lautäußerungen, Schmerz und Juckreiz im Kopfbereich. Eine wei­te­re Sonderform der Otitis media ist das Cholesteatom. Bei die­ser lang­sam fort­schrei­ten­den, aber sehr destruk­ti­ven Erkrankung kommt es zur Zerstörung der Knochenstrukturen und zu neu­ro­lo­gi­schen Ausfallerscheinungen.

Früh und lang genug behandeln
Das Ohr ist ein kom­ple­xes Gebilde, das sich aus dem äuße­ren Ohr, dem Mittelohr und dem Innenohr zusam­men­setzt. Als Laie kann man nur schlecht in die­ses kom­pli­zier­te Sinnesorgan hin­ein­schau­en. Regelmäßige Untersuchungen durch den Tierarzt mit geeig­ne­ten Instrumenten sind des­halb empfehlenswert.

Die Behandlung einer Otitis exter­na ist unbe­dingt not­wen­dig, damit es nicht zu weit­rei­chen­den Erkrankungen kommt. Es gilt die Devise: je frü­her, des­to bes­ser. Im aku­ten Anfangsstadium ist die Behandlung auch viel ein­fa­cher und erfolg­ver­spre­chen­der. Wird die Entzündung jedoch nicht bemerkt oder nicht kon­se­quent genug behan­delt, so kann sie über Jahre bestehen blei­ben und einen chro­ni­schen Verlauf neh­men. Die Behandlung einer chro­ni­schen Entzündung ist lang­wie­rig, oft schwie­rig und manch­mal nur unter Narkose mög­lich. Gegebenenfalls kann nur noch eine Operation, bei der der gan­ze äuße­re Gehörgang frei­ge­legt wird, dem Tier Erleichterung verschaffen.

Dem Tierarzt steht eine Vielzahl von Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. Zu Beginn einer Therapie ist eine vor­sich­ti­ge und gründ­li­che Reinigung des Gehörgangs wich­tig. Ohrgangsspülungen besei­ti­gen Entzündungssekrete und Ohrenschmalz. Sie ent­zie­hen damit den Krankheitserregern (Bakterien, Pilze, Hefen etc.) den Nährboden. Die gelös­ten Beläge las­sen sich mit Wattetupfern (nie­mals mit Wattestäbchen) ent­fer­nen. Anschließend wird in der Regel eine Ohrsalbe oder Ohrtropfen ein­ge­bracht, die ein Antibiotikum und einen Wirkstoff gegen Pilze ent­hält. Cortison lin­dert Juckreiz und Schmerzen und bringt die ent­zünd­li­chen Erscheinungen zum Abklingen. Sind Milben vor­han­den, wählt der Tierarzt ein Medikament, das zusätz­lich ein Akarizid ent­hält, also geeig­net ist, die­se Parasiten abzu­tö­ten. Bei schwe­ren, eit­ri­gen Entzündungen kann auch eine sys­te­mi­sche Behandlung mit Antibiotika nötig sein.

Die Behandlung mit Spüllösungen und Ohrsalben, ‑trop­fen oder ‑sprays kann der Tierhalter dann bei Bedarf nach Anleitung durch den Tierarzt zu Hause selbst wei­ter­füh­ren. Die Behandlung soll­te aller­dings nie­mals ohne eine Abschlussuntersuchung durch den Tierarzt abge­bro­chen wer­den. Stellt man die Behandlung zu früh ein, kön­nen Bakterien und Milben über­le­ben, sich erneut ver­meh­ren und nach rascher Zeit erneut eine Entzündung hervorrufen.

Zum Thema auch Ohrenzwang beim Hund.

Bundesverband für Tiergesundheit (BfT)

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